von Thomas Rünker

Lüdenscheider Sternsinger-Gruppe im Kanzleramt: Kinderrechte als Chefsache

Beim Empfang der Sternsingerinnen und Sternsinger im Bundeskanzleramt machten Kinder aus ‎Lüdenscheid auf das weltweite Problem der Kinderarbeit aufmerksam. Als Vertreter von Bundeskanzler Friedrich Merz – der kurzfristig nach Paris musste – lobte Kanzleramtsminister Thorsten Frei ihr Engagement und betonte die Bedeutung von Bildung als Schlüssel für ein ‎selbstbestimmtes Leben.‎

„Kinderrechte sind Chefsache!“ – weil Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kurzfristig zu Beratungen nach Paris musste, hat der neunjährige Sebastian aus Lüdenscheid diese Gedächtnisstütze zum Thema Kinderarbeit am Dienstagnachmittag Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) überreicht. Zusammen mit Rebecca, Liuba und Marie aus der Sternsingergruppe der Lüdenscheider Pfarrei St. Medardus hatte Sebastian dem Minister beim traditionellen Sternsingerempfang im Berliner Bundeskanzleramt zuvor in einem kurzen Dialog das Problem der Kinderarbeit nähergebracht.

„Lieber Herr Minister, dürfen wir sie zu uns bitten? Wir haben Ihnen etwas ‎mitgebracht, das Sie bestimmt noch aus Ihrer Schulzeit kennen“, lud Drittklässler Sebastian mit Krone und blauem Gewand den Politiker an eine Schultafel ein, an der die vier Sternsingerinnen und Sternsinger den Teufelskreis aus Armut, Kinderarbeit, schlechten Bildungschancen und noch mehr Armut am Beispiel zweier Kinder aus Bangladesch darstellten. „Als ich in die Schule kam, lernte ich lesen, schreiben und rechnen“, sagte die elfjährige Rebecca. Als das Mädchen Nuer so alt war wie sie, habe sie putzen und in einer Fabrik arbeiten müssen, berichtete Rebecca und zeigte auf ein Bild des Mädchens. „Ich bin Marie, 12 Jahre alt“, stellte sich ihre Sternsingerkollegin dem Minister vor. „Ich muss nicht arbeiten, sondern nur mein Zimmer sauber halten.“ Und die 16-jährige Liuba machte klar: „Ein Ausweg aus der Kinderarbeit ist die Schule. Denn wenn Kinder in die Schule gehen, können sie später einen Beruf erlernen und Geld verdienen.“ Vom Minister forderte sie: „Setzen Sie sich gemeinsam mit uns dafür ein, dass alle Kinder in die Schule gehen!“

Tradition seit 1984

Insgesamt waren am Dienstag, dem Dreikönigstag, 108 Sternsingerinnern und Sternsinger mit ihren Begleitungen aus den 27 deutschen Bistümern stellvertretend für alle Sternsingerinnen und Sternsinger bundesweit zu Gast im Kanzleramt. Bereits seit 1984 bringen sie immer zum Jahresbeginn ihren Segen in die Regierungszentrale. In diesem Jahr hat Alisha (14) aus dem Bistum Fulda in großen Buchstaben und Zahlen mit Kreide „20*C+M+B+26“ in den Kranz der Bundesländer-Wappen an der Südwand des Bundeskanzleramts geschrieben.

Frei dankte der Lüdenscheider Sternsinger-Gruppe für ihre eindrucksvolle Spiel-Szene und zeigte sich gleich doppelt gut informiert: Beim Thema Kinderarbeit verwies er auf rund 160 Millionen Kinder weltweit, die angesichts der Armut ihrer Familien nicht in die Schule gehen könnten. Er teilte Liubas Einschätzung in Sachen Schule und betonte: „Bildung, die Chance lernen zu können, ist die Grundvoraussetzung, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.“ Aber auch das Engagement der bundesweit rund 300.000 Sternsingerinnen und Sternsinger konnte der Chef des Kanzleramts aus seinem eigenen Erleben würdigen: Mindestens acht Mal sei er in seiner Jugend in seiner baden-württembergischen Heimat selbst im Gewand der Heiligen drei Könige von Haus zu Haus gezogen.

Sternsingen sei „echte Nächstenliebe“ der Kinder und Jugendlichen, die für dieses Engagement in ihren Weihnachtsferien auf vieles andere verzichteten. Frei betonte: ‎„Ihr seid damit ein Vorbild für viele Gleichaltrige und ein ‎Vorbild für viele Erwachsene, weil ihr selber etwas tut und auf die Probleme in ‎der Welt hinweist.“

Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen