Literarische und kulinarische Genüsse beim „LauschGericht“

An 80 Mittags- und Abendbrot-Tischen überall im Ruhrbistum wurde am Freitag vorgelesen. Für mehr als 1200 Zuhörer gab es so nicht nur etwas Leckeres auf die Gabel, sondern auch etwas Nettes für die Ohren

„Der erste Satz muss sich im Gehirn einfräsen“

Literarische und kulinarische Genüsse verbinden – das möchte das „LauschGericht“, bei dem am Freitag überall an Rhein und Ruhr Menschen an privaten und öffentlichen Esstischen vorgelesen haben. Zum dritten Mal hat das Medienforum im Bistum Essen diese kurze literarische Pause zum bundesweiten Vorlesetag auf die Beine gestellt – eine Idee, die an die alte klösterliche Tradition der Tischlesung anknüpft. 80 Tischgemeinschaften waren zuvor dem Aufruf des Ruhrbistums gefolgt und hatten sich um ein „LauschGericht“ beworben. Aus einem Pool Freiwilliger hat ihnen das Team des Medienforums jeweils einen Vorleser zugelost. So war schon das „LauschGericht“ selbst für die meisten Beteiligten eine Überraschung, denn Vorleser und Zuhörer kannten sich nicht – und auch das Buch war bis zuletzt geheim. Vera Steinkamp, Leiterin des Medienforums, ist begeistert über die große Bereitschaft der Vorleser – und über das Interesse von mehr als 1200 Zuhörern.

Ex-Fußballreporter Breuckmann liest aus seinem eigenen Buch

„Die literarische Mahlzeit ist eine willkommene Abwechslung im Arbeitsalltag“, freut sich am Freitagmittag Leander Gilbert. Seiner Agentur für Druck und Werbetechnik in Essen-Rüttenscheid hat das Medienforum den früheren Fußballreporter Manni Breuckmann als Vorleser zugeteilt. Als Breuckmann eintrifft, decken sich die Agentur-Mitarbeiter und ihre Gäste noch schnell mit Currywurst ein und setzen sich an den langen, gemeinsamen Tisch. Breuckmann, nach vielen Jahren am Radio-Mikrofon mittlerweile selbst Autor, schlägt seinen Krimiroman „Schnee am Ballermann“ auf. „Der erste Satz muss sich im Gehirn einfräsen“, so seine Erfahrung von zahlreichen Lesungen. Und während Breuckmann mit der vertrauten Stimme aus der WDR-Fußballkonferenz die spannende Geschichte um den Geliebten vorträgt, der zum Mörder wird, genießen seine 20 Zuhörer schweigend ihre Wurst.

Bischof Overbeck zu Gast bei der Mercator-Stiftung

Zwei Straßen weiter stehen heute im neueröffneten „Casino“ der Mercator-Stiftung Bratwurst und Kalbsbraten zur Auswahl. Hier treffen sich 14 Kolleginnen und Kollegen zum „LauschGericht“. Als erfahrener Vorleser ist Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck zu Gast mit Emmanuel Carrères „Reich Gottes“. „Das Buch ist frisch erschienen und reflektiert auf intelligente Weise Wissenschaft und Theologie“, sagt Overbeck und beginnt vorzulesen. Während er konzentriert liest, klappert das Geschirr und die Mitarbeiter genießen die etwas andere Lektüre zu Wurst und Braten.

Oberbürgermeister Kufen kommt mit "Rotzschleimtorte für alle"

Zeitgleich präsentiert Oberbürgermeister Thomas Kufen in Steele zehn Kindern in der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung das Buch „Rotzschleimtorte für alle“ von Jochen Till. Die Sechs- bis Elfjährigen lauschen gespannt, lachen über die lustige Geschichte und die bunten Bilder und lassen sich dabei die Lachs-Gnocchi-Pfanne schmecken. „Das Buch ist genau das Richtige für die Kinder“, betont Sarina Saul, Betreuerin der Tagesgruppe.

"LauschGerichte" im Flüchtlingsheim und in der Jugendarrestanstalt

Kinder und Jugendliche sind am Freitagmittag auch die Zuhörer bei einem mehrsprachigen „LauschGericht“ in Frohnhausen. In der Flüchtlingsunterkunft an der Raumerstraße lesen während des Mittagessens Beate Lohmann und die irakische Grundschullehrerin Nasire Yasin abwechselnd aus dem deutsch-arabischen Buch „Sonne und Mond… – wie aus Feinden Freunde wurden“ von Samira Schafik. Währenddessen prägen auch in der Bottroper Jugendarrestanstalt verschiedene Kulturen das „LauschGericht“. Regina Laudage-Kleeberg, Leiterin der Abteilung Kinder, Jugend und junge Erwachsene im Bistum Essen liest den zwölf Jugendlichen aus „Gedichte“ des dänisch-palästinensischen Autors Yahya Hassan.

Nächstes "LauschGericht": 17. November 2017

An Esszimmern von Banken, Büros, Privathäusern, Schulen, Kindertagesstätten und Seniorenheimen wurde am Freitag während der Mahlzeit vorgelesen. „Eine tolle Aktion zur Förderung des Lesens“, findet nicht nur Medienforum-Leiterin Steinkamp. Sie blickt schon ins nächste Jahr: Am 17. November 2017 wird das „LauschGericht“ wieder Vorleser und Zuhörer an Esstischen zusammenbringen. Wenn es nach Steinkamp geht, dürfen sich dann gerne auch 100 Tischgemeinschaften und mehr beteiligen.

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