Kreuzweg von Egon Stratmann bereichert jetzt Essener Pfarrkirche St. Josef
Inhaltlich und farblich korrespondieren die neu installierten Kreuzweg-Bilder von Egon Stratmann mit den Kirchenfenstern in St. Josef. Dies unterstreicht der breite Farbstreifen an der Wand, der die Bilder miteinander verbindet. Fotos: Nicole Cronauge | Bistum Essen
Braun, hellgrau, beige und blassrot – mit einer eigenen Farb- und Formensprache hat der bekannte Kirchenmaler Egon Stratmann (1936–2024) aus Hattingen-Blankenstein in seinem Kreuzweg-Zyklus die Leidensgeschichte Jesu dargestellt. Nach zwei Umzügen soll der Bilder-Reigen nun in der Pfarrkirche der Pfarrei St. Josef im Essener Nordwesten eine dauerhafte Bleibe bekommen.
Zunächst hing der Kreuzweg in der Kirche St. Hermann-Josef in Essen-Dellwig. Nach deren Schließung vor 15 Jahren wurde er in St. Paulus im Stadtteil Gerschede aufgehängt, die ebenfalls zur Pfarrei St. Josef gehört. Als im Zuge der Umstrukturierungen der Pfarrei zehn Jahre später auch St. Paulus geschlossen wurde, blieb zunächst offen, was mit den Bildern geschehen sollte – bis eine Projektgruppe des Pfarrgemeinderats die Idee entwickelte, dem Kreuzweg in der Pfarrkirche eine neue Heimat zu geben. „Es ist meine Überzeugung, dass wir diese Kreuzwegübertragung, diesen ,Transfer‘ den Menschen schuldig sind“, schreibt der in der Pfarrei lebende frühere Beauftragte für Kirche und Kunst im Bistum Essen, Herbert Fendrich, in der Pfarreizeitschrift „kreuz+quer“. Und er meint dies nicht zuerst angesichts der künstlerischen Bedeutung der Stratmann-Bilder, sondern mit Blick auf die Verbindung der Gläubigen mit ihrer Kirche: „Der Verlust von Kirchen ist immer und überall schmerzhaft. Zeichen der Bewahrung und des Respekts, der Kontinuität und der Erinnerung kann man nicht genug setzen“, so Fendrich. Mit dem Kreuzweg sollen Pfarreimitglieder, die früher in St. Hermann-Josef und St. Paulus zuhause waren, auch in der Pfarrkirche St. Josef eine Glaubens-Heimat finden.
Egon Stratmanns Kunst verbindet Glaubens- und Ruhrgebietsthemen
Der 1936 in Blankenstein – heute ein Stadtteil von Hattingen – geborene Egon Stratmann begann 1951 als Lehrling im elterlichen Malerbetrieb. Nach der Meisterschule studierte er an der Höheren Fachschule für Maler und an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Von 1970 bis 2000 leitete er die Meisterschule für Maler bei der Handwerkskammer Dortmund. Stratmann gestaltete zahlreiche Kirchen im Ruhrgebiet, darunter die Bildtafeln des „Glaubensweg Mariens“ am Kloster in Bochum-Stiepel sowie das Gewölbe der Klosterkirche. Er war an der Ausmalung der Kirche St. Lucius in Essen-Werden beteiligt und entwarf zahlreiche Kirchenfenster. Als sich in seiner Heimat Hattingen 1987 Widerstand gegen die Schließung der Henrichshütte regte, entwarf Stratmann das bundesweit bekannt gewordene Plakat „Hattingen muss leben“. Stahlindustrie und christlicher Glaube verbinden sich in der Kirche St. Joseph in Hattingen-Welper, deren Innenausstattung – etwa Altar, Taufstein und Kreuzweg – ab 1970 nach Stratmanns Plänen komplett aus Stahl gefertigt wurde.
Egon Stratmann starb am 12. November 2024.
Pfarrkirche wurde für den Kreuzweg umgestaltet
Die Projektgruppe, zu der auch Fendrich gehörte, hat nicht einfach den bisherigen Kreuzweg – eine laut Fendrich 1984 aufgehängte „kunsthandwerkliche Massenproduktion“ – gegen die Stratmann-Bilder ausgetauscht. Vielmehr wurde das Gotteshaus auch maßvoll umgestaltet, um den neuen Kreuzweg besser in Szene zu setzen: Ein breiter farbiger Streifen verbindet die Bilder und symbolisiert den Weg, den der Kreuzweg darstellt. Zugleich soll die großzügige Hängung auch das gemeinschaftliche Beten der Kreuzweg-Liturgie erleichern.
Inhaltlich passt der Stratmann-Kreuzweg an seinem dritten – und, so hoffen alle Beteiligten, endgültigen – Standort womöglich noch besser als in den beiden vorherigen Kirchen. Arnd Brechmann, Vorsitzender des Fördervereins St. Josef-Frintrop, der neben zahlreichen Spenderinnen und Spendern einen Teil der Kosten des Projekts getragen hat, verweist auf die bunten Kirchenfenster über dem Kreuzweg, die sich mit dem Thema Auferstehung beschäftigen – für Christinnen und Christen die Fortsetzung der Kreuzweg-Geschichte von Leid und Tod. Um den Kreuzweg mit diesen Fenstern und der Kirche zu verbinden, hat die Pfarrei auf die eigentliche Kreuzigungsdarstellung Stratmanns verzichtet: Dafür steht in St. Josef das monumentale Kreuz über dem Altar, hinter dem das leuchtende Auferstehungsfenster zu sehen ist.
Im feierlichen Gottesdient zum Gemeindefest am Samstag, 6. September, um 18 Uhr, wird St. Josef den neu platzierten Kreuzweg einweihen. Wer die Bilder intensiver kennenlernen möchte, kann sich am Sonntag, 7. September, um 15 Uhr in der Kirche an der Frintroper Straße Himmelpforten der geführten Betrachtung einiger Kreuzweg-Stationen anschließen.



