von Thomas Rünker

„Kitas sind ein riesiges Potenzial für die Kirche!“

Mirja Wolfs, Geschäftsführerin des KiTa Zweckverbands im Bistum Essen, spricht 15 Jahre nach Gründung des großen Kita-Trägers über Kitas als wichtige Glaubensorte und die Herausforderungen des laufenden Modernisierungsprozesses.

Vor 15 Jahren haben die Pfarreien im Bistum Essen die Trägerschaft der Kindertagesstätten im KiTa Zweckverband zusammengefasst

Mit rund 260 Kitas ist der Zweckverband einer der großen Kita-Träger in Deutschland

Rund 17.000 Kinder werden in den Einrichtungen zwischen Duisburg, Bochum und dem Märkischen Sauerland betreut

Mit einem Gottesdienst und dezentralen Partys in den katholischen Kindertagesstätten zwischen Duisburg, Bochum und dem Märkischen Sauerland hat der KiTa Zweckverband im Bistum Essen am Mittwoch, 22. September, sein 15-jähriges Bestehen gefeiert. Zum Geburtstag spricht Geschäftsführerin Mirja Wolfs über Kitas als Glaubensorte, die Corona-Pandemie und die Herausforderungen sinkender Kirchensteuereinnahmen und des Fachkräftemangels bei Erzieherinnen und Erziehern.

Frau Wolfs, seit 15 Jahren sind rund 260 Kitas im Bistum Essen Teil des KiTa Zweckverbands. Welche Vorteile hat es für Kinder und Eltern, wenn ihre Kita zu diesem Netzwerk gehört?

Unser Verband wurde gegründet, um die Pfarreien von den Aufgaben der Kita-Trägerschaft zu entlasten, das katholische Profil der Kitas zu stärken und die Betreuungsqualität zu erhöhen. Hier konnten wir in den vergangenen 15 Jahren auch aufgrund unserer Größe eine Expertise aufbauen und bündeln, von der die rund 17.000 Kinder in unseren Einrichtungen tagtäglich profitieren. Jedem uns anvertrauten Kind möchten wir einen modernen und angemessenen Lebens- und Bildungsraum bieten, um es in seiner individuellen Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung bestmöglich zu begleiten. Dies gelingt uns zum Beispiel durch qualifiziertes Personal, dem wir regelmäßig die Gelegenheit bieten, sich weiterzubilden und weiterzuentwickeln, durch einheitliche Qualitätsstandards in unseren Kitas, durch ein Springer-System, das bei spontanen Personalausfällen greift und ein verlässliches Betreuungsangebot sicherstellt, und durch digitale Kommunikationsstrukturen wie unserer Eltern-App. Nicht zuletzt kennzeichnet unser katholisches Profil das tägliche Leben in unseren Einrichtungen.

Mit der Kita-Landschaft haben sich in den vergangenen 15 Jahren auch die Pfarreien im Ruhrbistum deutlich verändert. Welche Rolle spielen die katholischen Kitas heute im Glaubensleben vor Ort?

Eine große! Unsere katholischen Kitas sind pastorale Orte, an denen intensive Begegnungen und kreatives Glaubensleben stattfinden. Viele Eltern entscheiden sich bewusst für eine katholische Einrichtung, weil sie wissen, dass dort Glaube erfahrbar wird. Für die einen ist es eine Ergänzung zum eigenen Glaubensleben, für die anderen der erste, sehr niederschwellige Kontakt mit dem Christentum. In jedem Fall steckt in den Kindertageseinrichtungen ein riesiges Potenzial für die Kirche!

In unseren Kitas beten wir gemeinsam und feiern die Feste im Jahreskreis. Klein und Groß reden über Gott und die Welt, dabei wird Jesus als Freund und Wegbegleiter lebendig. Sehr bewusst ermuntern unsere Erzieherinnen und Erzieher die Kinder, Fragen zu stellen und so eine eigene religiöse Identität zu entwickeln. Zudem feiern unsere Kitas eigene Kinder- und Familiengottesdienste und sind meist eng mit dem Leben in der Pfarrei verflochten.

In einem umfassenden Erneuerungsprozess werden derzeit viele Kitas im KiTa Zweckverband zu größeren und moderneren Einrichtungen weiterentwickelt. Müssen Eltern in kleineren, älteren Einrichtungen nun Schließungen fürchten?

Schon seit einigen Jahren machen wir unsere Kitas im Modernisierungsprozess KiTa 4.0 fit für die Zukunft – und zwar mit Blick auf Pädagogik, Immobilien, Finanzen, Personal und Digitalisierung.

Bei unseren Immobilien schauen wir ganz genau, welche Gebäude zukunftsfähig sind, welche wir modernisieren müssen – und bei welchen dies nicht mehr möglich ist. Alle Entscheidungen hierzu basieren auf den fundierten Analysen von Fachunternehmen. Neben dem baulichen Zustand geht es dabei zum Beispiel auch um demografische Aspekten, strategische und finanzielle Möglichkeiten, die wir in intensiven Gesprächen mit der jeweiligen Pfarrei und dem Bistum abwägen.

Mittel- bis langfristig stellen aus unserer Sicht mehrgruppige Einrichtungen ein tragfähiges Konzept dar. Kleinere, in die Jahre gekommene Gebäude werden daher perspektivisch zu neuen, größeren Einheiten zusammengelegt werden. Dies geschieht jedoch immer mit einem längeren zeitlichen Vorlauf und intensiven Gesprächen mit allen Beteiligten, so dass sich die Familien und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Einrichtungen gut darauf einstellen können. Mir ist zudem wichtig zu betonen, dass es bei diesen Schritten nicht um Kürzungs- und Sparmaßnahmen geht, sondern um Investitionen in die Zukunft: zum Wohle der Kinder und für mehr Qualität.

Die ersten Pilotprojekte auf diesem Weg sind auf jeden Fall vielversprechend.

Seinen 15. Geburtstag feiert der KiTa Zweckverband mitten in der Corona-Pandemie mit Gottesdienst und Party per Video-Übertragung. Wie groß ist im Alltag der Kitas derzeit die Belastung durch die Pandemie?

Wir alle haben herausfordernde anderthalb Jahre hinter uns. Die Kolleginnen und Kollegen in den Kitas leisten schon unter „normalen“ Bedingungen einen verantwortungsvollen Job, arbeiten mit viel Herzblut und Engagement und haben Kinder, Eltern und den Sozialraum im Blick. Während der Pandemie haben sie erneut und auf einer großen Bühne unter Beweis gestellt, wie wichtig ihr Beitrag für die Gesellschaft ist. Ich bin froh, dass das auch in der Öffentlichkeit so aufgegriffen und von der Politik betont wurde.

Mittlerweile hat sich bei uns eine Art Pandemie-Alltag eingestellt. Wir befinden uns im Regelbetrieb, fast 90 Prozent unserer Beschäftigten sind geimpft, Erwachsene und Kinder sind in den Hygienemaßnahmen mittlerweile sehr routiniert, die rechtlichen Rahmenbedingungen sind abgesteckt und die Kinder erhalten zwei Tests pro Woche, um diese zuhause mit ihren Eltern anzuwenden. Sobald jedoch ein Test positiv ausfällt und eine Quarantäne ausgesprochen wird, muss spontan umgeplant werden. Solche Situationen bleiben selbstverständlich aufreibend und belastend.

Die Kinder haben in den vergangenen Monaten viel einstecken müssen. Sie haben Rücksicht auf die älteren Generationen genommen. Nun ist es an der Zeit, dass sie im Fokus stehen und dass ihre Bedürfnisse wieder mehr gehört werden. Es ist die Verantwortung von uns Erwachsenen, uns impfen zu lassen und sämtliche Maßnahmen zum Schutz der Kinder und derer, die sich um die Kinder kümmern, zu ergreifen.

Vor welchen weiteren großen Herausforderungen sehen Sie die katholischen Kitas im Ruhrbistum in den kommenden Jahren?

Zwei große Themen, die uns aktuell bereits beschäftigen, werden auch in Zukunft eine große Herausforderung darstellen: Die angespannte Finanzsituation aufgrund der sinkenden Kirchensteuereinnahmen und der wachsende Fachkräftebedarf.

Um angesichts des Sanierungsbedarfs in unserem Gebäudebestand die Kitas zukunftsfähig und modern aufstellen zu können, sind Investitionen nötig. Hier ist der KiTa Zweckverband nicht allein unterwegs, sondern bewegt sich als Träger in öffentlichen und kirchlichen Strukturen. Es ist eine gemeinschaftliche Aufgabe aller Partner, für diese Aufgabe kreative finanzielle Lösungen zu finden.

Kreative Lösungen entwickeln wir auch im Umgang mit dem Fachkräftemangel: Durch den Rechtsanspruch auf die U3-Betreuung ist das Arbeitsfeld „Kindertageseinrichtungen“ in den vergangenen acht Jahren nahezu explodiert. Durch viele neue Einrichtungen ist die Zahl der Beschäftigen um fast 80 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung wird sich aufgrund des gerade beschlossenen Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung in den Grundschulen weiter verschärfen. Wir sprechen hier von einem harten Wettbewerb bei der Suche nach Talenten und qualifizierten Mitarbeitenden. Als Träger ist es hier unsere Trägeraufgabe, Personal nicht nur zu gewinnen, sondern nachhaltig zu binden. Hierzu haben wir unterschiedliche Ansätze entwickelt und werden uns auch künftig intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Aufgabe der Politik ist es, in die Ausbildung zu investieren, genügend Plätze zu schaffen und den Stellenwert der Elementarpädagogik zu stärken.

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