von Thomas Rünker

Karfreitag auf Halde Haniel: Hunderte Gläubige gehen Kreuzweg mit Bischof Overbeck

Rund 900 Menschen haben am Karfreitag an der Stadtgrenze Bottrop/Oberhausen den Kreuzweg auf der Halde Haniel begangen. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck rief in seiner Ansprache dazu auf, sich in Zeiten der vielfältigen Umbrüche neu an der Menschenwürde zu orientieren.

Gut 1,5 Kilometer Weg, etwa 100 Höhenmeter und 15 einzigartige Stationen: Bei kühlem, aber trockenem Wetter haben am Karfreitag, 3. April 2026, rund 900 Menschen gemeinsam mit Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck den traditionellen Kreuzweg auf der Halde Haniel begangen. Vom Sportplatz am ehemaligen Bottroper Bergwerk Prosper Haniel zogen sie singend, betend und schweigend auf eine der höchsten Halden des Ruhrgebiets. Zu den einzelnen Stationen, die jeweils eine Kreuzweg-Szene und einen Gegenstand aus der Arbeitswelt des Ruhrbergbaus zeigen, lasen Sprecherinnen und Sprecher Texte vor, die immer wieder eine Brücke von den biblischen Ereignissen rund um Verrat, Folter und Hinrichtung Jesu in die Gegenwart schlugen. Zum 32. Mal führte der Karfreitagskreuzweg in diesem Jahr von den früheren Bergwerksanlagen hinauf auf das Haldenplateau.

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Dort rief Bischof Overbeck bei der anschließenden Andacht dazu auf, sich angesichts der vielen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche neu am Maßstab der Menschenwürde zu orientieren: ‎„Nicht Macht, Profit oder Stärke dürfen den Weg bestimmen, sondern der Mensch ‎selbst – als Ebenbild Gottes“, forderte der Ruhrbischof in seiner Ansprache. Overbeck betonte: „Wir leben nicht in einem Sturm, den wir aussitzen können.“ Vielmehr würden offene Zeitpläne, wechselnde Szenarien und schmerzhafte Anpassungsprozesse zu dauerhaften Begleitern.

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Gesellschaft braucht einen klaren Kompass

Die Gesellschaft brauche deshalb einen klaren Kompass, so der Bischof: „Wahrheit zeigt sich in Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Solidarität und dem Einsatz für Frieden, Demokratie und das Gemeinwohl.“ Und kraftspendende Hoffnung entstehe dort, wo Menschen einander vertrauen, Verantwortung übernehmen und Veränderungen so gestalten, dass niemand seine Würde verliert. Das Ruhrgebiet hätte hierfür gute Voraussetzungen, so Overbeck: „Die Menschen hier sind eine Gemeinschaft, die im Wohl und Wehe aufeinander angewiesen ist, Solidarität und Subsidiarität pflegt – und gemeinsam lebt.“

Konkrete Solidarität hilft Verein für Menschen mit Behinderungen

Konkrete Solidarität leisteten die Besucherinnen und Besucher des Kreuzwegs mit ihrer Kollekte. Die Spenden unterstützen in diesem Jahr die Arbeit des natur- und tierpädagogischen Zentrums Mattlerbusch des Oberhausener Vereins Alsbachtal für körper- und mehrfachbehinderte Menschen.

Die enge Verbindung der christlichen Kreuzwegtradition mit dem Ruhrbergbau betonte Bärbel ‎Bergerhoff-Wodopia, Mitglied im Vorstand der RAG-Stiftung, im Vorfeld der Veranstaltung: „Der Kreuzweg auf der Halde Haniel bietet an Karfreitag einen ‎wichtigen Ankerpunkt für die Menschen in der Region. Die große ‎Beteiligung macht jedes Jahr deutlich: Die Verbindung der ehemaligen ‎Bergleute mit ihrem Bergwerk und ihrer Halde ist ungebrochen. Diese ‎Tradition führen wir als RAG-Stiftung gerne weiter“, erklärte Bergerhoff-Wodopia.

Der Kreuzweg auf der Halde Haniel

Den – ganzjährig begehbaren – Kreuzweg auf der Halde Haniel an der Stadtgrenze zwischen Bottrop und Oberhausen gibt es seit 1995. Ausgangspunkt war das bereits 1987 zum Besuch von Papst Johannes Paul II. gebaute große Holzkreuz. Das Kreuz, das zunächst auf dem Bergwerksgelände stand, hatten Bergbau-Auszubildende aus Spurlatten errichtet. Diese Latten verhindern in Bergbau-Schächten, dass ein Förderkorb gegen die Schachtwand schlägt. 1992 wurde das Kreuz auf den damals höchsten Punkt der Halde Haniel umgesetzt und zum Zielpunkt des drei Jahre später eingeweihten Kreuzwegs.

Jede der 15 Stationen markiert eine Darstellung der Leidensgeschichte Christi, die die Künstlerin und Ordensfrau Tisa von der Schulenburg (Schwester Paula), gemeinsam mit dem Künstler Adolf Radecki und Auszubildenden der Zeche erstellt hat. Neben diesen Bildtafeln gibt es jeweils ein Gerät aus dem Bergbau und eine Tafel mit einem Text. 2024 wurden die ursprünglichen, künstlerisch gestalteten Kupferplatten an den Stationen gegen Drucke aus Kupferfolie auf Kunststoffplatten ausgetauscht, um Vandalismusschäden vorzubeugen.

Für den Erhalt des Haldenkreuzwegs engagieren sich das Bistum Essen, die RAG-Stiftung, die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) im Bistum Essen sowie die Stadtdekanate Bottrop und Oberhausen gemeinsam im Verein „Karfreitagskreuzweg auf der Halde e.V.“. Der Verein trägt dazu bei, dass die Tradition des Kreuzwegs auch nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus lebendig bleibt und Gläubige weiterhin bis zum Gipfelkreuz ziehen, um dort den Karfreitagsgottesdienst zu feiern. ‎

Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen