Hunderte feiern Ludgerusfest mit Prozession durch Essen-Werden
Der Hamburger Erzbischof Stephan Heße predigte in diesem Jahr beim Ludgerusfest in Essen-Werden. Foto: Kerstin Bögeholz | Bistum Essen
Bei strahlendem Sommerwetter haben am Sonntag, 6. September, hunderte Menschen in Essen-Werden das Ludgerusfest gefeiert. Nach einem festlichen Gottesdienst in der Basilika folgten sie der Prozession mit dem Schrein des Heiligen, die seit 1128 jeden Sommer durch Werden zieht. Als Gast feierte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße die Festmesse mit.
Bei der Ludgerusprozession erlebe man „eine Kirche, die ihren Glauben auf die Straße bringt“, sagte Heße in seiner Predigt. Er verwies darauf, dass der Missionar Ludger von Utrecht über Friesland bis nach Münster und Werden gekommen sei und auch die Insel Helgoland besucht habe, die heute zum Erzbistum Hamburg gehört.
Erzbischof Heße: „Mission geschieht in Beziehung.“
Es sei faszinierend, dass die Menschen bis heute Heilige wie Ludgerus feierten, betonte Heße. Mit ihnen „hat die Ausbreitung des Glaubens ein konkretes Gesicht bekommen“. Auch heute brauche es Menschen, die dem Evangelium ein Gesicht verliehen. Heße betonte weiter: „Ludger ist nicht als Eroberer gekommen, sondern als einer, der Menschen aufsucht und ihnen das Evangelium bringt.“ Mission sei keine Weitergabe eines Programms, sondern sie geschehe in Beziehung. „Sie braucht Institutionen, aber erschöpft sich nicht darin.“ Die Abtei Werden sei zu Ludgerus‘ geistlicher Heimat geworden, „aus der die Sendung in die Fremde möglich wird“.
Heilige wie Ludgerus seien „wahrlich nicht perfekt gewesen“, hob Heße hervor. Ludger habe während der Sachsenaufstände zweimal fliehen müssen. Er habe Scheitern und Enttäuschung gekannt und sei dennoch seiner Berufung zum Missionar treu geblieben. Das zeige, dass Gott keine perfekten Menschen berufe, „sondern Menschen mit ihren Stärken und Schwächen, mit ihrem Mut und ihren Ängsten“, so Heße.
Bischof Overbeck schlägt den Bogen von Sachsen-Anhalt ins Ruhrbistum
Bischof Franz-Josef Overbeck lenkte den Blick der Gläubigen in einer kurzen Ansprache auf den bundesweit beachteten Wahltag in Sachsen-Anhalt: „Die Wahl in Sachsen-Anhalt führt uns Fragen vor Augen, die sich ebenso hier im Ruhrgebiet stellen: Woher rührt das Misstrauen gegenüber den tragenden Institutionen unserer liberalen Demokratie? Welche Erfahrungen, Ängste und Enttäuschungen lassen Menschen daran zweifeln, dass die Parteien der demokratischen Mitte ihre Sorgen ernst nehmen und ihre Probleme lösen können?“
Dabei nahm Overbeck auch die Kirche selbst in den Blick: Gerade angesichts ihrer begrenzter werdenden Möglichkeiten komme es auf die richtigen Prioritäten an. Die notwendigen Veränderungen dürften nicht dazu führen, dass die Kirche den Kontakt zum Alltag und zu den Sorgen der Menschen verliere. „Weil wir als Kirche kleiner werden, weniger Mittel haben und Gebäude aufgeben müssen, stehen wir vor der Aufgabe, unsere Nähe zu den Menschen unter veränderten Bedingungen zum Ausdruck zu bringen. Gute Seelsorge muss nahbar sein, erreichbar bleiben, zuhören und bei konkreten Problemen mit anpacken – und zugleich klar widersprechen, wo Menschen abgewertet werden.“
Nach der Festmesse folgte die Prozession mit dem goldenen Ludgerus-Schrein dem traditionellen Weg durch die Altstadtgassen von Werden. Zu einer kurzen „Statio“ stoppte die Prozession an der evangelischen Kirche in der Heckstraße – ein Zeichen der intensiven ökumenischen Zusammenarbeit der christlichen Gemeinden in Essen-Werden.
Der Heilige Liudger und die Prozession am ersten Sonntag im September
Der heilige Liudger (lat. Ludgerus) gehört zu den großen Heiligen Europas. Der Apostel der Friesen und Sachsen, erster Bischof des Bistums Münster, Gründer der Benediktinerabtei Werden und zweiter Patron des Bistums Essen stammte aus einer adeligen friesischen Familie und wurde 742 in der Nähe der heutigen Stadt Utrecht in den Niederlanden geboren. 755 kam er in die Schule des Utrechter St. Martinsstiftes und setzte seine Ausbildung später im englischen York fort. 777 wurde Liudger in Köln zum Priester geweiht und wirkte anschließend sieben Jahre als Missionar in Friesland.
Auf der Rückreise von einer Romwallfahrt besuchte er auf dem Monte Cassino das vom heiligen Benedikt gegründete Kloster und studierte dessen Ordensregel. Dort begegnete er auch Kaiser Karl dem Großen, der ihn zunächst mit der Leitung der Friesenmission betraute, nach einem Friesenaufstand 792 jedoch zum Leiter der westsächsischen Mission ernannte. Zwei Jahre später errichtete er im Zentrum dieser Mission – in Münster – ein Stift und eine Basilika. Am 30. März 805 weihte der Kölner Erzbischof Hildebold Liudger zum ersten Bischof des Missionsgebiets in Westfalen, mit Sitz in der heutigen Stadt Münster.
Bereits 799 gründete Liudger unmittelbar an der sächsisch-fränkischen Grenze die Benediktinerabtei im heutigen Essener Stadtteil Werden, deren Kirche er selbst am 9. Juli 808 weihte. Liudger starb am 26. März 809 während einer Missionsreise in Billerbeck im Münsterland. Einen Monat später wurde er seinem Wunsch entsprechend an der von ihm bezeichneten Stelle in Werden beigesetzt. Unmittelbar nach seinem Tode setzte seine Verehrung ein. Im Jahre 813 wurde seine Grabstätte in die Werdener Abteikirche (heute Propsteikirche) einbezogen. Die Verehrung des heiligen Liudger verbindet das Bistum Essen in besonderer Weise mit dem benachbarten Bistum Münster und dem niederländischen Erzbistum Utrecht.
In seiner heutigen Form wird das Ludgerusfest seit 1128 gefeiert. Es geht auf den 28. Abt des Klosters Werden, Bernhard von Wevelinghoven (1125-1138) zurück. Aus Dankbarkeit für die Abwehr einer Hungersnot legte er das Gelübde ab, die Gebeine des heiligen Liudger im Rahmen einer feierlichen Prozession jährlich am Vorabend des Festes des heiligen Bartholomäus (24. August) durch den Ort tragen zu lassen. Dieses Versprechen wird bis heute eingehalten – mit der Abweichung, dass der Prozessionstag wegen der Ferienzeit auf den ersten September-Sonntag verlegt wurde.







