von Thomas Rünker

Hell, freundlich und flexibel: Die neue Kirche in St. Altfrid lädt zum Entdecken ein

Nach fast drei Jahren Planungs- und Umbauzeit wird die Kirche des Jugendhauses St. Altfrid in Essen-Kettwig am 29. August feierlich wiedereröffnet. Der moderne, barrierefreie Raum setzt auf Offenheit, Flexibilität und Begegnung.

Die Kirche ist stufenlos zugänglich und auch inhaltlich bewusst niedrigschwellig gestaltet.

Der Altar vereint Lesepult und Gabentisch.

Moderne Technik und variable Sitzbereiche ermöglichen vielfältige Formen der Begegnung.

Im Eingang liegt noch eine Alu-Leiter, während die letzten Malerarbeiten trocknen. Dann wird einmal gut durchgewischt und die Vorbereitungen für die große Eröffnungsfeier können beginnen. Nach fast drei Jahren Planungs- und Umbauzeit feiern Christinnen und Christen am Freitag, 29. August, in einem feierlichen Gottesdienst mit Bischof Franz-Josef Overbeck und Pastor Sven Christer Scholven die Wiedereinweihung der völlig neu gestalteten Kirche des Jugendhauses St. Altfrid in Essen-Kettwig.

Dann wird Bischof Overbeck auch den neuen Altar weihen, der nun mitten im Kirchenraum steht. Eine runde Glasplatte ruht auf einer rostroten Stahlkonstruktion, die wie alle anderen Metallelemente hier aus der Schmiede von Benediktinerpater Abraham im sauerländischen Meschede stammt. Das Besondere: Der Altar, auf dem die Gaben für die Messe bereitet werden, ist zugleich das Lesepult (Ambo), von dem aus Bibeltexte, Fürbitten und Gebete vorgetragen werden. Theologinnen und Theologen erkennen darin die enge Verbindung der Worte aus der Heiligen Schrift und der gewandelten Gaben von Brot und Wein. Für die Pädagoginnen im Jugendhaus St. Altfrid ist dieser besondere Altar jedoch auch Ausdruck der mehrfachen „Barrierefreiheit“, die die Kirche nun prägt: Dass das Gotteshaus keinerlei Stufen mehr aufweist, ist bei vielen modernen Bauten selbstverständlich. Ausdrücklich möchte die St.-Altfrid-Kirche aber auch Barrieren für Menschen ohne viel Kirchen-Erfahrung niedrig halten. Denn neben den Mitgliedern der Gottesdienstgemeinde, Chören oder kirchlichen Jugendgruppen kommen vor allem Schulklassen in das Jugendhaus – „von denen sind die allerwenigsten christlich geprägt“, sagt Nadine Piltz, Referentin für Jugendpastoral.

Die zurückhaltende Raumgestaltung steht in einem deutlichen Gegensatz zur farben- und formenreichen, aber erklärungsbedürftigen Gestaltung der bisherigen, 1981 geweihten Kirche. Im neuen, dank vieler Fenster und einem zentralen Oberlicht sehr hellen Kirchraum gibt es nun neben dem Altar nur noch ein Wandkreuz mit integriertem Tabernakel, eine Ecke mit einer Marienfigur – und zwei stilisierte Bäume. „Wir möchten hier Himmel und Erde, Innen und Außen miteinander verbinden“, sagt Christian Gentges. Der Leiter der Abteilung Kinder, Jugend und Junge Erwachsene im Bistum Essen gehörte zur Projektgruppe, die zusammen mit den Innenarchitektinnen des Büros Helle Freude aus Paderborn die Innengestaltung entworfen hat. Für Gäste des Jugendhauses auf den Ruhrhöhen über Essen-Kettwig sind die grünen Parkanlagen so präsent, dass sie durch die großen, mit blattartigen Ornamenten verzierten Fenster nun auch aus der Kirche gut zu sehen sind. Gleichzeitig sorgen die Fenster bewusst für Transparenz, weil man auch von außen gut sieht, was drinnen geschieht.

Grundfrage bei der Gestaltung: „Was dient den jungen Menschen?“

500.000 Euro beim Bau gespart

Anlass und größter Kostenfaktor beim Umbau der Kirche St. Altfrid war nicht die Umgestaltung im Inneren, sondern vor allem die technischen Erneuerung des Gebäudes. Das Haus wurde baulich ertüchtigt, bis auf den Rohbau entkernt und wieder neu aufgebaut. Die komplette Technik – Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro, Medien – wurde erneuert, insbesondere wurde das Haus energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Die neue Holzfassade ist für Gäste der Kirche besonders sichtbar. Ausführender Architekt des Gesamtenprojekts war – unter der Projektleitung von Dombaumeister Ralf Meyers – Christian Wiechers von den Essener Architekten Rein Wiechers. Von den bislang gut 2,6 Millionen Euro Baukosten entfallen rund 400.000 Euro auf die neue Innengestaltung der Kirche. Trotz Inflation und Baukostensteigerungen der vergangenen Jahre liegen die Gesamtkosten rund 500.000 Euro unter dem ursprünglich genehmigten Budget.

„Was dient den jungen Menschen?“ – diese Frage habe bei den Planungen der vergangenen Jahre ganz oben gestanden. Entstanden ist ein besonders flexibel nutzbarer Kirchenraum: Egal ob eine Messe mit bis zu 175 Menschen wie vermutlich am kommenden Freitag „oder eine kleine Einheit mit acht Schülerinnen und Schülern um einen der ,Bäume‘“, sagt Kerstin Schumacher, die die „Tage religiöser Orientierung“ in Haus St. Altfrid organisiert – all dies wird in der neuen Kirche möglich sein. Technisch unterstützt wird die Arbeit von Schumacher und Piltz durch LED-Licht, das die weiß und hellgrau gestrichene Kirche mit bunten Farbakzenten ergänzt, ein ausgefeiltes Klangsystem, rollbare Großbildschirme und WLAN. Ein besonderes Highlight der Kirche dürften indes die neuen Sitznischen sein, die an der Rückwand der Kirche in die Wände eingelassen wurden: Rundum gepolstert kann man von hier aus das Gottesdienstgeschehen bequem aus der Distanz beobachten oder findet während der täglichen Öffnungszeiten der Kirche (werktags in der Regel von 9 bis 16.30 Uhr) hier einen stillen, sehr gemütlichen Rückzugsort.

Trotz aller Barrierefreiheit und Reizarmut lädt die neue Kirche auch zum Entdecken ein: Ringsum hängen markante rostrote Kerzenleuchter. Diese sogenannten Apostelleuchter sind fester Bestandteil katholischer Kirchen. In der Kirche des Jugendhauses gibt es nun jedoch dreizehn Leuchter – einer mehr als üblich. „Wir haben einen für Maria Magdalena ergänzt“, erklärt Gentges. In der katholischen Tradition zählt sie nicht zu den zwölf engsten männlichen Begleitern Jesu. Die Bibel berichtet jedoch, dass sie nach Jesu Tod das leere Grab entdeckte und als Erste dem Auferstandenen begegnete.

Auch die hölzerne Marienfigur birgt eine Besonderheit: Wer direkt vor der von dem Bonner Künstler und Seelsorger Ralf Knoblauch geschnitzten Königin steht, sieht, dass ihr der rechte Arm fehlt. Damit kritisiert der Künstler, dass Frauen in der Kirche nicht die gleichen Rechte haben wie Männer. „Bei der Königin geht es um Würde, um Menschenwürde. Darüber kann ich auch mit muslimischen oder atheistischen Jugendlichen sprechen – genauso wie über Gleichberechtigung“, betont Piltz.

Die Kirche wird lebendig durch ihre Besucherinnen und Besucher

Eröffnungsgottesdienst wird auch in die Lioba-Kapelle übertragen

Wer bei der feierlichen Widereröffnung der Kirche des Jugendhauses St. Altfrid am Freitag, 29. August, um 18 Uhr keinen der 175 Plätze erhält, kann den Gottesdienst live in der benachbarten Lioba-Kapelle verfolgen – und sich die neue Kirche dann im Anschluss anschauen.

„Die Kirche wird Kirche, wenn ihr sie bespielt“, habe der Benediktinerpater und Metallgestalter Abraham ihnen mit auf den Weg gegeben, sagt Piltz – und darauf freuen sie sich jetzt. Wenn Kirche und Altar mit einer großen und feierlichen Messe wieder geweiht werden – und dann der Kirchen-Alltag auf der Kettwiger Ruhrhöhe einzieht. Mit Sonntagsmessen der Altfrid-Gemeinde und den ersten Schulklassen und Jugendgruppen, die die neu gestaltete Kirche für sich entdecken werden. „Die Jugendlichen müssen sich diesen Ort aneignen können“, sagt Gentges. Mit einer offenen Tür, WLAN, den bequemen Sitznischen und dem kreativen und einfühlsamen Team im Haus St. Altfrid stehen dafür alle Zeichen auf Begegnung und Offenheit.

Ansprechpartner

Abteilungsleitung Kinder, Jugend und Junge Erwachsene

Christian Gentges

Zwölfling 16
45127 Essen

Leitung - Abteilung Kirchenrecht

Domvikar Lic. iur. can. Sven Christer Scholven

Zwölfling 16
45127 Essen

Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen