Hamborner Abt Dölken: Multi-Kulti muss man auch leben

Seit 25 Jahren leitet Albert Dölken die Abtei der Prämonstratenser in Duisburg-Hamborn. Bei seinem Start 1995 war er der jüngste Abt Deutschlands.

Albert Dölken (59), der ehemals jüngste Abt Deutschlands, leitet seit 25 Jahren die Abtei Hamborn der Prämonstratenser in Duisburg. Am 25. März 1995 wurde der aus Hamborn stammende Dölken von Ruhrbischof Hubert Luthe in sein Amt eingeführt. Während die Gemeinschaft derzeit in Magdeburg ein neues Kloster baut, prägen im Duisburger Norden soziale Probleme, Abwanderung und ein Miteinander von Menschen aus verschiedensten Kulturen das Leben, berichtet der Abt im Interview. Aktuell zählt die Gemeinschaft, deren Abtei im vergangenen Oktober 60 Jahre alt geworden ist, 21 Mitglieder.

Während viele Orden in Deutschland schrumpfen und Gebäude aufgeben müssen, baut Ihre Gemeinschaft ein neues Kloster in Magdeburg. Woher nehmen Sie Ihre Zuversicht zu wachsen?

Abt Albert Dölken: Ich denke, es gibt einige Ordensgemeinschaften, die ihre zeitliche und gesellschaftliche Aufgabe erfüllt haben. Frauen müssen heute zum Beispiel nicht mehr Ordensschwester werden, um eine Krankenschwester zu sein. Da hat sich gesellschaftlich und kirchlich einiges geändert. Die Prämonstratenser leben in einer klösterlichen Gemeinschaft und erfüllen priesterliche Dienste. Diese Mischung hat etwas Zeitloses. Andererseits merken wir die Einschnitte in der Gesamt-Kirche. Da bleiben wir nicht unberührt.

Welche Einschnitte sind das?

Dölken: Die Zahl derer, die sich für den Priesterberuf interessieren, geht zurück. Da wir eine Gemeinschaft aus Priestern sind, macht sich das natürlich bei uns bemerkbar. Da spielen einerseits die großen Skandale in der Kirche und die öffentliche Diskussion darum eine Riesenrolle. Andererseits haben wir insgesamt einen Gläubigenrückgang. Mit kleiner werdenden Gemeinden geht die Zahl derjenigen, die in einen geistlichen Beruf gehen können, ebenfalls zurück.

Sie sind nicht nur Abt, sondern auch Pfarrer in der örtlichen Gemeinde. Wie versuchen Sie, die Menschen zu erreichen?

Dölken: Hier im Ruhrgebiet haben wir mit Abwanderung und Überalterung zu kämpfen. Auch unsere Pfarrei ist massiv überaltert. Dennoch versuchen wir, jegliche Art von Jugendarbeit zu fördern. Wir führen zum Beispiel immer noch viele Ferienlager durch. Wir unterstützen auch die katholische Jugendberufshilfe. Da werden Schulabbrecher begleitet, so dass sie doch noch einen Weg in die Arbeitswelt finden. Menschen für die Kirche zu gewinnen, bedeutet bei uns nicht unbedingt, dass sie zu bürgerlichen Kirchgängern werden. Sie sollen einfach eine gute Erfahrung mit uns machen und wissen: Mit Hilfe dieser Leute bin ich in ein vernünftiges Leben reingekommen. Hier im Ruhrgebiet spitzen sich bestimmte Phänomene zu.

Was sind das für Phänomene?

Dölken: Hohe Arbeitslosigkeit, hoher Anteil an Zuwanderern, starke Abwanderung der klassischen Bevölkerung, viele soziale Probleme.

Wo liegt da Ihre Aufgabe als Abteigemeinschaft?

Dölken: Unser verstorbener Pater Rainer zum Beispiel hat den ersten Mittagstisch in Duisburg, eine Tafel, eingeführt. Lebensmittelausgaben finden Sie hier heute an allen Ecken und Enden. Wir wollen helfen, das Leben der Menschen zu stabilisieren. Das ist nicht immer einfach, weil unsere Pfarreien ihre eigenen Probleme haben. Wenn Gemeinden überaltern, muss man sehen, wie die Aufgaben noch gestemmt werden. Im Bistum Essen werden ja viele Standorte geschlossen.

Frustriert Sie das manchmal?

Dölken: Das macht einen schon traurig, wenn Kirchen geschlossen werden müssen. Wenn man Pfarrheime und Standorte aufgibt, wo es früher viel Leben gab. Ich bin in Duisburg-Hamborn aufgewachsen und erinnere ich mich an die Zeiten mit mehr Gläubigen. Aber ich lasse mich nicht herunterziehen. Im Ruhrgebiet ist man auch pragmatisch. Die Situation, die da ist, muss man eben gestalten.

Wie wird sich die Lage der Kirche im Ruhrgebiet weiterentwickeln?

Dölken: Zum einen müssen wir einen Weg finden, mit den christlichen Zuwanderern umzugehen. Allein in unserer Pfarrei benutzen wir die Kirchen gemeinsam mit armenisch-altorientalischen Christen, Russisch-Orthodoxen und armenisch-freikirchlichen Christen. Es gibt in Duisburg noch viele andere Konfessionen. Zum anderen müssen wir deutlich machen, wie wir mit den unterschiedlichen Menschen – ob Muslime, Christen oder Konfessionslose – leben wollen und welches gesellschaftliche Modell wir uns als Katholiken vorstellen.

Welches Modell wünschen Sie sich?

Dölken: Ich möchte nicht, dass die Leute nur in ihren Bereichen, in ihren geschlossenen Milieus leben, so wie wir es früher hatten, sondern dass wir es schaffen, in dieser großen Verschiedenheit ein gutes Miteinander zu entwickeln. Dieses Miteinander könnte das Bild einer Ruhrgebietsstadt zeichnen, das nicht nur akzeptabel ist, sondern eine große Ausstrahlung hat.

Wie kann das gelingen?

Dölken: Nur dadurch, dass wir aufeinander zugehen. Man kann viel von Multi-Kulti reden, aber man muss es auch leben.

Was wünschen Sie sich für Ihre Abtei?

Dölken: Dass es gut weitergeht, dass alle zusammenhalten und dass sich junge Leute finden, die unseren Weg fortführen.

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