Gute Predigten sollen nah an Gott und nah am Leben sein

Als erste Nicht-Theologin hat Regina Laudage-Kleeberg heute den 20. Bonner ökumenischen Predigtpreis für die beste Predigt erhalten. Im Interview spricht die 33-jährige Leiterin der Abteilung Kinder, Jugend und Junge Erwachsene im Bistum Essen über ihre Vorstellungen von guten Predigten.

Als erste Nicht-Theologin und zweitjüngste Preisträgerin in der bald 20-jährigen Geschichte des Bonner ökumenischen Predigtpreises hat Regina Laudage-Kleeberg am heutigen Mittwoch, 20. November, in der Bonner Schloßkirche den Preis für die beste Predigt erhalten. Ausgezeichnet wurde die 33-jährige Leiterin der Abteilung Kinder, Jugend und Junge Erwachsene im Bistum Essen für einen Text, den sie im Juni 2018 in einem „Zeitfenster“-Gottesdienst in Aachen vorgetragen hat. Unter der Überschrift „Durchhalten“ hatte die in Münster lebende Religionswissenschaftlerin an ihrem fünften Hochzeitstag über die Versuchung Jesu und die Versuchungen in Beziehungen gesprochen. Die Nominierung für den Preis kam aus der Jury selbst, bei der in diesem Jahr außerdem rund 120 weitere Beiträge eingereicht worden sind.

Im Interview erklärt Laudage-Kleeberg, was ihrer Ansicht nach eine gute Predigt ausmacht.

Bistum Essen: Christen witzeln gern, man könne über alles predigen, nur nicht über zehn Minuten – was sind Ihre Kriterien für eine gelungene Predigt, Frau Laudage-Kleeberg?

Regina Laudage-Kleeberg: Die Dauer ist für mich nur ein Randaspekt. Wenn ich eine Predigt höre, möchte ich etwas von Gott verstehen, etwas Neues über ihn lernen. Der Prediger oder die Predigerin soll mir etwas beibringen wollen – aber wenn das nichts mit meinem Leben zu tun hat, bringt mir die Predigt oft nichts. Was ich über meinen Glauben lerne, muss Relevanz für mein Leben haben, muss lebenswichtig sein. Das ist auch mein Anspruch an eine gute Predigt: Sie muss Gottes- und Lebensnähe zusammenbringen.

Bistum Essen: So wie bei Ihrer preisgekrönten Predigt über das „Durchhalten“ am Hochzeitstag?

Regina Laudage-Kleeberg: Das müssen andere beurteilen. Aber ich habe in dem Text zumindest versucht, meinem Publikum Gott näher zu bringen – und dies mit sehr lebensnahen Aspekten verbunden. Ich erzähle, wie ich mir Jesus und den Teufel vorstelle, als sie 40 Tage lang in der Wüste um Versuchung und Durchhalten ringen – und ich erzähle von mir, meiner Umgebung und von Beziehungen, wie sie wohl auch viele Zuhörerinnen und Zuhörer kennen.

Bistum Essen: Ein Thema, das zölibatär lebenden Priestern sicher nicht so nahe ist. Predigen Frauen anders als geweihte Männer?

Regina Laudage-Kleeberg: Die Predigt-Qualität ist für mich keine Frage des Geschlechts oder der Weihe. Über das „Durchhalten“ können schließlich auch zölibatär lebende Priester sprechen. Aber jeder Prediger muss bereit sein, in seiner Ansprache auch etwas von sich selbst preis zu geben. Das muss kein Seelen-Striptease werden, bloß nicht. Aber je weniger ein Prediger von sich und seinen Überzeugungen zeigt, desto weniger Relevanz hat die Predigt für mich als Zuhörerin. Außerdem ist entscheidend, dass der Prediger oder die Predigerin selbst noch Fragen ans Leben und an die konkrete Bibelstelle hat. Wer meint, schon alles zu wissen, kann keine lebensnahe Predigt halten – sondern höchstens eine Vorlesung.

Bistum Essen: Sie sprechen in Verkündigungssendungen auf WDR2 und WDR4, schreiben pointierte „Standpunkte“ auf katholisch.de – das Predigen in einer Messe ist jedoch katholischen Priestern vorbehalten.

Regina Laudage-Kleeberg: Ich bin froh und dankbar, dass es nicht nur bei den „Zeitfenster“-Gottesdiensten in Aachen, sondern auch bei uns im Bistum Essen immer mehr Formen und Möglichkeiten gibt, dass auch Laien – talentierte, überzeugte und vom Glauben an Gott begeisterte Männer und Frauen – die Möglichkeit haben, anderen von diesem Glauben zu erzählen. Es gibt Gemeinden, in denen regelmäßig Gemeindemitglieder im Gottesdienst sprechen, wir bilden ehrenamtliche Leiterinnen und Leiter für Wort-Gottes-Feiern und Beerdigungen aus, bei denen die Teilnehmer oft von sehr berührenden Ansprachen berichten. Auf diesem Weg müssen wir weiter gehen: Es braucht in unseren Gottesdiensten die Fundierung unserer Theologen, aber auch die alltäglichen Glaubenserfahrungen.

Bistum Essen: Aber mit welcher Sprache vermittelt die Kirche heute eine 2000 Jahre alte Botschaft?

Regina Laudage-Kleeberg: Viele sehr religiöse und gut ausgebildete Menschen in der Kirche benutzen eine ziemlich exklusive Sprache. Wenn bei uns zum Beispiel von „Gnade“ oder „Erlösung“ die Rede ist, gehört viel Vorwissen dazu, um zu ahnen, warum das überhaupt gut ist und warum man so etwas von Gott erhoffen darf. Wenn Prediger Menschen wirklich erreichen wollen, sollten sie begeistert sein von dem, was sie sagen – und sie sollten sich vorstellen, dass ihre Zuhörer ziemlich wenig Ahnung vom Thema haben. Mit dieser Haltung gelingen berührende und zugleich verständliche Predigten.

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