von Thomas Rünker

Gottesdienst mit bunten Totenschädeln und vielen Kerzen

Spanischsprachige Gemeinde in Bochum feiert an Allerheiligen den „Dia de Muertos“, den Tag der Toten. Die aus Mexiko stammende Idee: Die Verstorbenen sind nicht weit weg, sondern ganz präsent – und ein guter Grund für ein großes Fest. Also stehen Bilder der Verstorbenen im Gottesdienst auf den Altarstufen, und beim anschließenden Picknick wird auch den Verstorbenen etwas Leckeres serviert.

Der Tod trägt Sombrero. Lila oder rosarot sind die breitkrempigen Sonnenhüte, die die Totenschädel an diesem Allerheiligen-Tag in Bochum-Bergen eindeutig mit Mexiko verbinden. Wer an diesem Dienstag ein wenig unvermittelt in die St.-Joseph-Kirche kommt, könnte sich in den Überbleibseln einer Halloween-Party wähnen. Doch während heute auch in der Kirche der Tod mit vielerlei Deko-Elementen präsent ist, fehlt dem Gotteshaus alles Gruselige und Schockierende mancher Halloween-Optik. In St. Joseph zeigt der Tod sein buntes, sein fröhliches, eben sein mexikanisches Gesicht. Die spanischsprachige Gemeinde hat zum „Dia de Muertos“ eingeladen, zum „Tag der Toten“ – und da weicht das europäische November-Trübsal einer mittelamerikanischen Fröhlichkeit samt tiefer christlicher Überzeugung: Die Verstorbenen sind nicht weg und in der Ferne, sondern sie leben – und das vor allem am „Dia de Muertos“ ganz konkret bei ihren Angehörigen, Nachbarn, Freunden, eben in ihrer Gemeinde.

Deshalb stehen im Gottesdienst heute Fotos auf den Altarstufen: Farbig und schwarz-weiß zeigen sie Verstorbene, die Gästen der Messe lieb und wichtig waren und es bis heute sind. Umrahmt von Kerzen und bunter Dekoration schauen die Foto-Gesichter von den Stufen aus die Gläubigen an – und die Gläubigen sie. „Am ,Dia de Muertos‘ werden die Toten noch einmal lebendig und kommen zu ihren Familien, dann feiern alle zusammen“, erklärt Analia Espinoza Alvarez die mexikanische Allerheiligen-Tradition. Espinoza Alvarez vertritt die spanischsprachige Gemeinde im Pfarrgemeinderat der Pfarrei Liebfrauen, zu der St. Joseph gehört, und hat den „Dia de Muertos“ mit organisiert. Nach einem ersten, coronabedingt kleineren Versuch im vergangenen Jahr ist Espinoza Alvarez froh, dass in diesem Jahr nicht nur der Chor der spanischsprachigen Gemeinde aus Essen, sondern auch viele Gläubige aus dem ganzen Ruhrgebiet in die inzwischen gut gefüllte Kirche gekommen sind. Einige, gerade mexikanischstämmige Gläubige tragen bunten Haarschmuck, andere haben ihre Kinder geschminkt. Überhaupt sind auffallend viele Klein- und Schulkinder in der Kirche, was im Gottesdienst für die Toten ganz automatisch für Lebendigkeit sorgt.

„In Deutschland, aber auch in Spanien und vielen anderen Ländern ist das Totengedenken an Allerheiligen und Allerseelen eine sehr seriöse Angelegenheit“, erklärt Pater Juan Maria Garcia Latorre, der Seelsorger der Gemeinde. Am 1. November gingen „auch in Mexiko die Menschen auf den Friedhof, so wie wir. Aber sie nehmen dann nicht nur eine Kerze mit, sondern vor allem Essen und Trinken. Dann feiern sie am Grab ein Picknick mit den Verstorbenen“, erzählt Latorre. In seiner Predigt geht der Pater auf die unterschiedlichen Sichtweisen im Blick auf die Verstorbenen ein. Die Freude sei dabei so etwas wie der Markenkern der Kirche. Und das mexikanische Totenfest zeige, wie die Toten die Lebenden zu dieser Freude einladen.

Von unterschiedlichen Kulturen lernen

Das vom Pater erwähnte Picknick feiert die Gemeinde nach der Messe gemeinsam. Nicht auf dem Friedhof, sondern im Gemeindeheim neben der Kirche – aber auch dort in enger Verbindung mit den Verstorbenen: Am Ende des Saals steht ein Altar, der noch bunter ist als die Deko in der Kirche und auf dem neben bunten Totenschädeln jede Menge Essen und Trinken drapiert ist. Drumherum sitzen die Familien der Gemeinde und genießen Tacos, Nachos oder Empanadas. Mit-Organisatorin Espinoza Alvarez freut sich über so viele Gäste: Nicht nur die deutschen Besucherinnen und Besucher, sondern auch viele Mitglieder der spanischsprachigen Gemeinde würden heute etwas lernen, sagt Espinoza Alvarez: „Ich komme aus Argentinien, da feiern wir Alllerheiligen eigentlich auch so wie in Deutschland.“ So wie mit dem ,Dia de Muertos‘ aus der mexikanischen Kultur versuchten sie in der Gemeinde immer wieder kulturelle Besonderheiten aus den verschiedenen Heimatländern der Mitglieder zu feiern, „um unser Gemeindeleben und unserer Gottesdienste für möglichst viele Menschen attraktiv zu machen“. Wenn dieses gemeinsame Lernen so fröhlich und so lecker vonstatten geht wie beim „Dia de Muertos“, darf Espinoza Alvarez wohl auch in Zukunft mit regem Zuspruch rechnen.

Referentin für muttersprachliche Gemeinden und pastorale Verantwortungsgremien

Anja Petrick

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