Gottesdienst-Handpuppen erfreuen Kinder jetzt per Video

In der Serie „krisenchance“ stellt das Bistum Essen aus der Corona-Not geborene Ideen vor, die durchaus zur Tugend werden können. Heute: Wie Eltern aus dem Kinderkirche-Team der Essener Gemeinde St. Bonifatius mit Handpuppen Geschichten auf YouTube erzählen und Kindergarten- und Grundschulkinder online zum Singen und Beten einladen.

„Wir klatschen in die Hände und allen klatschen mit ...“ Wenn Jule und Freddy ihr Kinderkirche-Lied anstimmen und ihr Gebet sprechen, sind ihnen große Augen von kleinen Leuten sicher. Seit zehn Jahren gestalten Eltern aus der Essener Gemeinde St. Bonifatius einmal im Monat mit den beiden Handpuppen parallel zur Sonntagsmesse einen eigenen Kindergottesdienst. Doch auch in Corona-Zeiten müssen die Kinder nicht auf Jule und Freddy verzichten: Seit einem Monat produziert das Essener Kinderkirche-Team mit den beiden Puppen kleine Videos – samt dem aus den Gottesdiensten bekannten Lied und dem Gebet. So entstehen kurze Filme, die längst nicht nur bei den Kindern der Gemeinde beliebt sind, berichten die Ehrenamtlichen.

Dafür, dass im YouTube-Kanal der Kinderkirche jede Woche ein neuer Clip erscheint, sorgt ein Team aus Müttern und Vätern der Gemeinde. „Meine Töchter lieben Jule und Freddy“, berichtet Klaudia Wilde, die in den Videos Jule ihre Stimme leiht. Umso trauriger seien die beiden Grundschul-Kinder gewesen, als mit den Schließungen von Schule, Kitas und Geschäften klar wurde, dass auch die Kinderkirche vorerst pausieren muss. „Als dann immer mehr Besprechungen, Unterricht und sogar Gottesdienste ins Internet verlegt wurden, haben wir uns gedacht, dass das mit der Kinderkirche doch auch gehen müsste.“

„Kinderkirche unterwegs“: Geschichten und Gebet im Video

Anstatt wie sonst in der Kapelle der St.-Bonifatius-Kirche gemeinsam mit den Kindern zu singen und zu beten, sind Jule und Freddy in ihren Videos in der Nachbarschaft der Essener Innenstadt-Pfarrei St. Gertrud unterwegs, zu der St. Bonifatius gehört. So waren sie seit dem Start vor einem Monat zum Beispiel an einer geschlossenen Kita, an der viele Kinder bunte Bilder aufgehängt haben, haben einen „Corona-Regenbogen“ auf die Straße gemalt und einen Friedhof besucht. „In den Clips haben wir zuletzt oft Corona-Themen der Kinder aufgegriffen, wie die Schließung von Kitas und Schulen oder die Schwierigkeit, Freunde zu treffen“, erzählt Lucina Crom-Usinger, Mutter und Religionslehrerin.

„Zunehmend schauen wir in unseren Videos aber auch auf Themen, die in unseren Gottesdiensten in der Kirche eigentlich gerade dran wären“, sagt die Hobby-Filmerin, die im Kinderkirche-Team für Kamera und Schnitt zuständig ist. „Anfang Mai haben wir zum Beispiel am Marienbildstock in unserer Gemeinde gedreht und in unserem Friedhofs-Video fragen sich Jule und Freddy – passend zu Christi Himmelfahrt – wie es wohl im Himmel aussieht.“ Auch für die nächste Woche hat das Kinderkirche-Team aus St. Bonifatius den Film schon im Kasten, da geht’s um Pfingsten, kündigt Lucina Crom-Usinger an: „Wir haben an der Feuerwache gedreht, weil Jule und Freddy gehört haben, dass bei diesem Fest Feuer eine Rolle spielt.“

Videos erreichen viel mehr Kinder als die Gottesdienste

Dank der Videoplattform YouTube erreicht das Kinderkirche-Team mit seinen Videos deutlich mehr Mädchen und Jungen als die zehn bis 20 Kindergarten- und Grundschulkinder in den monatlichen Gottesdiensten. Zumal hinter jedem einzelnen Aufruf meist die halbe Familie sitzt, weiß das Video-Team. „Viele Familien sind total dankbar“, berichtet Klaudia Wilde von zahlreichen positiven Rückmeldungen. Wenn Mamas und Papas dem „Puppen Gucken!“ ihrer Dreijährigen nachgeben und wieder einmal das Tablet starten, sind Jule und Freddy in der Corona-Krise aus Sicht vieler Eltern offenbar ein sinnvoller Zeitvertreib. Aber mehr als ein Video pro Woche ist angesichts von ein bis zwei Stunden Dreh- und einer ähnlich langen Schnittzeit für die Eltern neben Kinderbetreuung und Homeoffice nicht zu stemmen.

Dabei würde es ihnen an Ideen nicht mangeln, betont das Kinderkirche-Team. Demnächst gibt’s zum Beispiel Filme aus dem Essener Dom und zur Goldenen Madonna, „und die Stadtpatrone Cosmas und Damian wären auch mal ein schönes Thema“, sagt Lucina Crom-Usinger.

"Wie sieht's wohl im Himmel aus?" - Jule und Freddy besuchen einen Friedhof

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Serie "krisenchance"

Jede Krise ist eine Chance. Das gilt auch für die Corona-Krise und die Kirche. Dort wo das Gemeindeleben seit bald zwei Monaten pausiert und auch Gottesdienste in den Kirchen erst ganz zaghaft wieder aufgenommen werden können, hat sich viel Neues entwickelt: Menschen treffen sich zum digitalen Gebet oder feiern Gottesdienste zuhause, Seelsorger laden zum telefonischen Kaffeeklatsch, Pfadfinder ans digitale Lagerfeuer … - über diese und andere Initiativen berichten wir in den kommenden Wochen unter dem Stichwort #krisenchance. Vielleicht kann manche Idee, die aus der Not geboren wurde, auch nach Corona zu einer Tugend werden.

Weitere Folgen

Digitale Gottesdienste holen Beter aus der Anonymität

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- Glauben in Eigenregie

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