von Lisa Myland

Glaube, Heimatgefühl und Fußball-Liebe: Wie ein Glockenturm Menschen ‎verbindet

Mit seinen blau-weißen Farben ist der stählerne Glockenturm nicht nur Gedenkort ‎für den katholischen und gesellschaftlichen Wandel eines Stadtteils, sondern auch ‎Zeichen für den besonderen Zusammenhalt von Christen der ehemaligen ‎Gemeinde.

Der in den vergangenen Jahren schon lange nicht mehr weiße und mit Moos bewachsene Glockenturm aus Stahl leuchtet jetzt in den Farben, die die Herzen vieler Meidericher höher schlagen lassen: In strahlendem Blau-Weiß ist der Turm der ehemaligen Kirche St. Maria Königin schon von Weitem zu sehen, nur rund 300 Meter entfernt von einem Trainingsgelände des Fussballvereins MSV Duisburg.

Auch eine der ehemaligen Kirchenglocken ist hellweiß gestrichen, in goldenen Buchstaben steht am unteren Rand: „regina pacis, ora pro nobis“ – „Königin des Friedens, bete für uns“. Wie bedeutend diese Aufschrift schon kurz nach der Kirchweihe wurde, zeigte sich damals in der Bundesligasaison 1963/64: Als der MSV Duisburg die Vizemeisterschaft gewann, ließ der erste Pfarrer der Gemeinde, Paul Güllmann, alle Glocken läuten. Dass diese Glocke weiter an die ehemalige Kirche erinnert, ist auch heute vor allem Menschen zu verdanken, die mehrere Leidenschaften verbindet: Der christliche Glaube, die Verbundenheit mit der Duisburger Heimat und die Liebe zum Fußball. „Der Architekt unseres Turms, Dieter Düster, ist glühender MSV-Fan“, weiß Gemeindereferentin Christa Scholten-Herbst. „Seine Mutter wohnte auf unserem Gemeindegebiet und sagte: ‚Junge, kümmer dich doch mal drum.‘ Und er hat sich gekümmert.“

Marienlieder und Vereinshymne: Meidericher sind immer textsicher

2005 war die Kirche St. Maria Königin geschlossen worden, 2021 wurde sie nach langem Leerstand abgerissen, nur der Glockenturm blieb stehen. Auf dem ehemaligen Kirchengelände in der Ratingseesiedlung entstand in den vergangenen Jahren eine Wohnsiedlung, unter anderem mit Sozialwohnungen. Der sanierte Stahlturm direkt nebenan erfüllt für die Menschen jetzt gleich mehrere Aufgaben: Ein Telefonanbieter nutzt ihn als Antennenturm, als Gedenkort schützt er neben der alten Kirchenglocke sowohl die früher unter dem ehemaligen Grundstein verborgene Zeitkapsel als auch eine neue Zeitkapsel mit den Erinnerungen der Gemeinde.

Wie sehr die Meidericher Christen den Duisburger Fußball und die Heimatliebe verbinden, hat die 2011 aus Bottrop zugezogene Seelsorgerin Christa Scholten-Herbst schnell gelernt. Bei der Verabschiedung eines Pfarrers sangen alle auswendig die Vereinshymne. „Ich stand daneben und konnte nicht mitsingen“, erzählt sie. Bei der Segensfeier für den sanierten Glockenturm vor rund zwei Wochen erklang die Hymne jetzt erneut, auf das Blatt mit zwei Marienliedern hatte Scholten-Herbst auch den Text der Hymne gedruckt. „Das Strahlen, das über das Gesicht von Dieter Düster und den Menschen ging, war Gold wert“, sagt sie. Ob der Segen und die Hymne den Verein nochmal besonders bestärkt haben, bleibt offen, aber feststeht: An diesem Abend entschied der MSV das Fußballduell im Stadion für sich.

„Fußball verbindet Menschen über Religions- und Gesellschaftsgrenzen hinweg“

Für Scholten-Herbst ist der Turm ein Symbol für den Neuanfang in Verbindung zu den Wurzeln der Menschen. Sie ist sich sicher: „Die Menschen, die der Kirche noch verbunden sind, wissen, ihre Glocke aus Maria Königin ist immer noch da. So ein Turm, den man schon von Weitem sieht, hat immer etwas Verbindendes. Und auch der Fußball verbindet die Menschen über Religions- und Gesellschaftsgrenzen hinweg und berührt sie emotional.“

Christa Scholten-Herbst

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47137 Duisburg

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