Gladbecker Förderschüler spielen im Musiktheater im Revier den „kleinen Prinzen“

13 Schüler der Bischöflichen Jordan-Mai-Schule proben auf der Theaterbühne für den großen Auftritt in der kommenden Woche. Betreut von vier Lehrerinnen und einem Theaterpädagogen haben die 12- bis 14-Jährigen seit Herbst an dem Stück gearbeitet.

Philipp steht im beigen Mantel und mit schwarzem Melonenhut auf der Bühne. Er hebt seinen Schirm, streckt ihn nach oben und sagt „An!“ der groß gewachsene Schüler ist der Laternenanzünder im Stück „Der kleine Prinz“, das 13 Schüler und vier Lehrerinnen der Gladbecker Jordan-Mai-Schule auf die Bühne des Musiktheaters im Revier bringen. Die bischöfliche Förderschule aus Gladbeck ist eingeladen, ihr Programm am kommenden Donnerstag bei den 20. Gelsenkirchener Schultheatertagen zu präsentieren. Nach wochenlangem Training in ihrer Schule ist heute die erste und einzige Probe auf der großen Bühne mit dem schweren schwarzen Vorhang und dutzenden Scheinwerfern. Doch ob die beim „An!“ des Laternenanzünders tatsächlich angehen, ist noch nicht klar. Techniker diskutieren mit Theaterpädagoge Thorsten Brunow, Scheinwerfer verändern ihre Farbe – und Philipp macht auf der Bühne weiter tapfer „An! Aus! An! Aus!“

Theaterspielen ist an der überregional anerkannten Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung nichts Neues. Zuletzt haben die Schülerinnen und Schüler vor gut einem Jahr die Einweihung ihres neuen Bewegungsbads mit Szenen aus Shakespeares Sommernachtstraum gefeiert. Doch ganz allein auf der großen Bühne eines echten Theaters zu stehen, ist für die 12- bis 14-jährigen Jungen und Mädchen der Mittelstufe dann doch etwas Besonderes.

Der kleine Prinz Milo trifft den Fuchs Selcuk

Milo spielt den kleinen Prinzen, der von Planet zu Planet reist und immer neue Wesen kennenlernt. Jetzt soll er vor der großen runden Kulisse den Fuchs treffen, gespielt von Selcuk. Weil Sprechen nicht Selcuks Stärke ist, hat Brunow seinen Text auf zwei Sätze zusammengestrichen. Dass Selcuk dennoch genau richtig auf der Bühne ist, sehen die Zuschauer in der Szene mit Milo: Gewandt schleicht sich Selcuk hinter der Kulisse hervor, bis er schließlich vor Milo steht – eben wie ein Fuchs.

„Im besten Fall ist Schauspiel ein Abbild des Lebens“, sagt Brunow. Der gelernte Schauspieler begleitet das Theaterprojekt an der Bistums-Schule und hat seit dem vergangenen Herbst zusammen mit den Lehrerinnen Andrea Schaefer, Frederieke Sabellek, Beate Maidhof und Steffi Köring den 13 Jordan-Mai-Schülern das Theaterspielen näher gebracht. Beim Theater gehe es nicht nur um Text, „der ganze Körper ist wichtig!“, sagt Brunow. So funktioniert dann auch Theater mit Förderschülern.

Nach der Probe fährt die Lehrerin alle Schüler nach Hause

Mittlerweile sind die Headsets angekommen und ein Schüler nach dem anderen bekommt eines der Mikrofone hinters Ohr geklemmt. Eigentlich hätte die Generalprobe längst beginnen sollen, doch jetzt ist erst noch ein Soundcheck nötig. „Ich ruf gleich erst mal die Eltern an – und werde die Kinder dann später wohl nach Hause fahren“, sagt Schaefer. Der Job der Förderschul-Lehrerinnen geht heute deutlich über das reine Pädagoginnen-Dasein hinaus: Rollen als Chauffeurin für den Schul-Bus, Entertainerin während der Proben-Pausen, Regie-Assistentin, die die Schauspieler an ihren Platz bringt, und Catering-Chefin, damit die Schüler auch an Essen und Trinken denken, füllen Schaefer und ihre Kollegin alle mit aus.

Und doch sei das Theaterspielen alle Mühen wert. „Wir bekommen einfach so viel von den Kindern zurück!“, sagt Schaefer. „Die Kinder wachsen in dieser Zeit dermaßen über sich hinaus und zeigen Talente, die sie in Mathe oder Deutsch kaum zeigen können.“ Gleichzeitig sei das Schultheater ein guter Beitrag, die Kinder zur Selbstständigkeit zu erziehen – oder auch Geduld einzuüben. Schließlich müssen die Kinder ständig warten, bis sie das nächste Mal dran sind. Besonders faszinierend sei das Zusammenspiel mit Schauspieler Brunow: „Er ist sehr spontan, ändert oft Szenen und Texte – dabei brauchen unsere Schülerinnen und Schüler eigentlich eine möglichst feste Struktur.“ Doch im Theater funktioniert auch das Durcheinander einer Generalprobe, ohne dass die Kinder besonders unruhig werden.

„Persönlichkeitsentwicklung ist hier quasi programmiert“

Irgendwann passen Ton und Licht, alle haben den richtigen Text und Brunow ruft: „Jeder auf seine Position!“. Mit einer guten Stunde Verspätung startet die Generalprobe. Aber ein paar Unstimmigkeiten beim letzten Test sollen im Theater ja der beste Garant für eine gelungene Premiere sein. Die steht am kommenden Donnerstag an. Philipp wird dann vor längst ausverkauftem Haus die Laternen anzünden, Prinz Milo seinen Fuchs Selcuk, seine Rose Evelyn, den König und all die anderen Planeten-Bewohner treffen. Und spätestens beim Schlussapplaus dürfte selbst der große Philipp noch ein ganzes Stück gewachsen sein. Oder wie Thorsten Brunow es ausdrückt: „Persönlichkeitsentwicklung ist hier quasi programmiert.“

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