von Thomas Rünker

Generalvikar Pfeffer diskutiert über mehr Vielfalt in der Kirche

Pfeffer war am Montagabend Gast einer digitalen Podiumsdiskussion des kfd-Bundesverbands mit drei Theologinnen zum Thema „Was mich trägt – Perspektiven für eine erneuerte Kirche“.

Eine „Kirche der Vielfalt“, in der nichts tabuisiert, sondern „die Dinge beim Namen genannt werden“ – diese Perspektive vereinte am Montagabend das Podium einer digitalen Diskussionsrunde mit dem Essener Generalvikar Klaus Pfeffer und drei Theologinnen, zu dem die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) eingeladen hatte. „Was mich trägt – Perspektiven für eine erneuerte Kirche“ war die Überschrift der Gesprächsrunde, an deren Beginn zunächst ein kritischer Blick in die Vergangenheit stand – zum Beispiel auf Messdienerinnen, die es in vielen Gemeinden Jahrzehnte vor der offiziellen Erlaubnis aus Rom gab, oder auf Frauen, die in Gottesdiensten professionell und begabt über die Bibel sprechen, dies aber nicht Predigt nennen dürfen. „Das zeigt, aus welcher kirchlichen Geschichte wir kommen, dass wir oft Dinge getan haben, die irgendwie nicht erlaubt waren, nicht sein durften – und wir haben sie trotzdem getan“, so Generalvikar Pfeffer. In der Kirche sei dies auch nichts Ungewöhnliches: „Ich glaube, in der Kirchengeschichte haben sich die Dinge immer dadurch verändert und entwickelt, dass Menschen Dinge gemacht haben, die erst einmal nicht erlaubt waren.“ Gut sei, „dass wir die Dinge jetzt beim Namen nennen“, hob Pfeffer hervor. Dabei gehe es nicht um eine Revolution oder eine Kirchenspaltung, sondern darum „herauszukommen aus der Lähmung, aber niemand hinauswerfen und als Kirche auseinanderfallen zu wollen“.

Gemeindereferentin: „Ich predige seit 30 Jahren“

„Ich predige seit 30 Jahren“, berichtete Marianne Arndt, Gemeindereferentin aus Köln, „aber meistens heißt das anders“. Als sie unlängst beim bundesweiten „Predigerinnen-Tag“ der kfd bei ihrem Dienst auch von Medien begleitet wurde, war ihre Gemeinde erstaunt: „Es ist ja toll, dass wir das hier machen – aber wir machen das doch immer“, zitierte Arndt die Rückmeldung einer Gottesdienstbesucherin. Laut dem katholischen Kirchenrecht ist die Predigt in einer Messfeier grundsätzlich nur Priestern und Diakonen vorbehalten. Arndt wünscht sich stattdessen, dass Menschen in der Kirche nach ihren Talenten und Gaben eingesetzt werden – und nicht mit Blick auf ihr Geschlecht: „Ich kann ziemlich gut das Wort Gottes in der Welt verbreiten, aber ich kann zum Beispiel nicht gut singen.“

Kirche mit Bar am Eingang

Dass es trotz Protesten und Kirchenaustritten auch mutmachende Aufbrüche in der Kirche gibt, berichtete Milena Fuhrmann, eine junge Hörfunk-Journalistin und Theologin aus Köln. Sie erzählte von der neu gegründeten Gemeinde „Kirche für Köln“, die in der altehrwürdigen Kirche St. Michael am Brüsseler Platz ein niederschwelliges Angebot eingerichtet hat, in dem sich jede und jeder wohlfühlen soll. Statt Messfeiern gibt es Wortgottesdienste – bei denen auch Frauen predigen –, statt Orgelmusik spielt eine Band, im Keller wartet ein Yoga-Raum und am Eingang eine Bar mit Getränken. „Es geht auch anders, es gibt auch Alternativen“, so Fuhrmanns Fazit. Sie plädiert für eine „Kirche der Vielfalt, die versucht alle Menschen mitzunehmen und auf verschiedene Bedürfnisse eingeht“. Dort sollten sich die, die eine lateinische Messe wollen, ebenso wohlfühlen, wie die, die in St. Michael nach einem Wortgottesdienst noch ein Bierchen trinken wollen. „Da ist es wert dran zu bleiben“, so Fuhrmann.

kfd-Mitglieder als Brückenbauerinnen

Diesen Wunsch nach Vielfalt unterstrich auch Generalvikar Pfeffer: „Im Bistum Essen versuchen wir, viele Spielräume zu öffnen. Wir müssen viel versuchen – und gleichzeitig ausprobieren: Wie bleiben wir beieinander, ohne dass es eine große Beliebigkeit wird“.

Agnes Wuckelt, Theologie-Professorin und stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende, wirbt für den Frauenverband mit seinen rund 450.000 Mitgliedern, um die verschiedenen Interessen und Bedürfnisse in der Kirche zusammenzuhalten: „Es braucht Brückenbauerinnen, die helfen, dass diese Vielfalt lebendig bleibt. Da kann die KFD einen guten Beitrag leisten.“ 

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