von Thomas Rünker

Gemeinsam Kirche gestalten: Seelsorgende diskutieren über interkulturelle Zusammenarbeit im Bistum Essen

Bei einer gemeinsamen Tagung in Essen haben Seelsorgende aus deutschsprachigen Gemeinden und Gemeinden mit Menschen anderer Muttersprache zugewanderten Christinnen und Christen vielfältige Ideen für mehr Austausch, Teilhabe und Begegnung im Bistum Essen entwickelt. Mindestens jedes fünfte Kirchenmitglied im Ruhrbistum hat eine Migrationsgeschichte – Tendenz steigend.

Wie können die deutschsprachigen Gemeinden im Bistum Essen und die katholischen Gemeinden anderer Muttersprache und Riten vor Ort besser zusammenarbeiten und den gemeinsamen Glauben auch gemeinsam leben? Mit dieser Frage befassten sich jetzt zahlreiche Seelsorgende des Bistums Essen bei einer Tagung im Essener Generalvikariat. „Stellen Sie sich vor, in der Katholischen Kirche in Deutschland und auch im Bistum Essen gibt es keine Ausländerinnen und keine Ausländer!“, lautete die Ausgangsthese des Tages. Die Aufgabe verdeutlichte das Spannungsfeld der Diskussion: Einerseits sind alle katholischen Gläubigen durch die Taufe Mitglieder der einen weltweiten Kirche – andererseits leben sie ihren Glauben aufgrund unterschiedlicher Sprachen und anderer kultureller Hintergründe oft sehr unterschiedlich.

Dass das Thema gerade im seit Jahrzehnten von Zuwanderung geprägten Ruhrbistum eine große Relevanz hat, zeigt die Statistik: 79 % der Kirchenmitglieder im Bistum Essen haben einen deutschen Pass, 21 % haben eine andere oder doppelte Staatsbürgerschaft. Und dieser Anteil steigt: Schaut man auf Kinder bis 13 Jahren hat bereits jedes vierte Kirchenmitglied eine internationale Biografie.

Gemeinden anderer Sprachen und Riten nicht als Sonderwelten ansehen

„Die oft sehr aktiven und vitalen Gemeinden anderer Sprachen und Riten dürfen nicht wie eigene Sonderwelten verstanden werden, als ob sie mit dem Leben der Ortskirche nichts zu tun hätten“, schreibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, im Vorwort der vor einem Jahr erschienenen „Leitlinien für die Seelsorge in anderen Sprachen und Riten“ der Bischofskonferenz. „Ebenso wenig darf von Gläubigen anderer Sprachen und Riten erwartet werden, dass sie sich als Dazugekommene einfach in bereits bestehende ortskirchliche Strukturen einfügen“, so Bätzing. Lukas Schreiber, Nationaldirektor für die Seelsorge in anderen Sprachen und Riten der DBK, stellte den Seelsorgenden in Essen, die neuen Leitlinien vor und betonte den Ansatz, dass alle Gläubigen Teil einer partizipativen und synodalen Kirche seien. Somit seien alle Kirchenmitglieder eingeladen, sich mit ihrem jeweiligen Hintergrund, ihrer Spiritualität und ihrer kirchlich-kulturellen Prägung einzubringen und die Kirche vor Ort zu gestalten. Die Leitlinien heben unter anderem folgende Punkte hervor:

  • Stärkung des Bewusstseins für die Universalität der Kirche
  • Gerade in größer werdenden Pfarreien soll es sowohl eigene Räumen für jede Gruppe wie auch Räume und Gelegenheiten für interkulturelle Begegnungen geben
  • Förderung interkultureller Kompetenzen
  • Gleichberechtigte Teilhabe von Gruppen jedweder Herkunft
  • Umsichtige Entwicklung des seelsorglichen Personals

Austausch über Gremienarbeit und Glaubensfragen

In verschiedenen Workshops erörterten die Seelsorgenden, wie sich diese Theorie auf das praktische Miteinander – oder ein wohlwollenden Nebeneinander - in den Pfarreien des Bistums Essen übertragen lässt. Dabei ging es neben Gleichberechtigung und Partizipation, zum Beispiel in der Arbeit der Pfarreigremien, auch um den Austausch über Glaubensfragen. Mehrsprachige Gottesdienste waren ebenso ein Thema wie die Zusammenarbeit bei caritativen Projekten.

„Die Diskussionen waren sehr dynamisch“, bilanzierte Katarzyna Paczynska-Werner, Referentin für Gemeinden anderer Muttersprachen und Riten im Bistum Essen. Das Thema der Tagung sei nicht nur wegen der noch relativ neuen DBK-Leitlinien aktuell gewesen, sondern vor allem wegen der Situation in den Pfarreien und Gemeinden. So hätten die Teilnehmenden festgestellt, dass der Blick des bistumsweiten Prozesses „Christlich leben. Mittendrin.“ auf die Kirchenmitglieder mit Migrationsgeschichten noch weiterentwickelt werden müsse. Hierfür wollen sich die Seelsorgenden aus den muttersprachlichen und den deutschen Gemeinden nun gemeinsam einsetzen.

Ansprechpartnerin

Referentin für Gemeinden anderer Muttersprachen

Katarzyna Paczynska-Werner

Zwölfling 16
45127 Essen

Pressestelle Bistum Essen

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