von Jens Albers

Gemeinsam am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen

Im Interview spricht Detlef Schneider-Stengel, Referent für den interreligiösen Dialog im Bistum Essen, über die Bedeutung der Zusammenarbeit der Religionen im Ruhrbistum und gibt einen Überblick über die vielfältigen Initiativen in diesem Bereich.

Welche Bedeutung hat der interreligiöse Dialog im Bistum Essen?

Detlef Schneider-Stengel: Der interreligiöse Dialog – wie auch die Ökumene – haben einen sehr hohen Stellenwert im Bistum Essen, und zwar auf allen Ebenen. Weihbischof Wilhelm Zimmermann als Bischofsvikar für den interreligiösen Dialog ist Mitglied der Unterkommission für den interreligiösen Dialog sowie der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz. Die Unterkommissionen halten Kontakt zu den führenden Mitgliedern und Forschenden der nicht-christlichen Religionen und geben in ihren Dokumenten quasi die Leitplanken des Dialogs vor. Im Bistum Essen gibt es in fast jedem Kreis- und Stadtdekanat eine Ansprechperson, die den interreligiösen Dialog vor Ort gestalten. Diese beauftragten Personen sind Mitglied im diözesanen Arbeitskreis Interreligiöser Dialog im Bistum Essen. Weiterhin sind auch Personen aus den verschiedenen Arbeitsbereichen im Bistum, wie Bildungswerke, Schule, Kindertagesstätten, Pfarrei Mitglied im Arbeitskreis.

Der Arbeitskreis Interreligiöser Dialog versteht sich „Motor“ für den interreligiösen Dialog im Ruhrbistum und unterstützt Dialogforen vor Ort in den Pfarreien und Dekanaten. Zugleich bietet er Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, Tagungen sowie Bildungsveranstaltungen für Personen, die Informationen weitergeben, und Interessierte in den verschiedenen Arbeitsbereichen in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“, dem Medienforum und den Katholischen Bildungswerken vor Ort an. Ruhrbischof Overbeck wie auch Weihbischof Zimmermann halten regelmäßig Kontakt zu den jüdischen Gemeinden im Bistum Essen. Ebenfalls ist bei den Visitationen der Pfarreien vorgesehen, dass die Bischöfe auch nicht-christliche Gemeinden vor Ort besuchen.

Insgesamt ist der interreligiöse Dialog im Bistum Essen – auch im Vergleich mit anderen Diözesen in Deutschland - von der Deutschen Bischofskonferenz über die Diözesanebene bis in die Dekanate und Pfarreien hinein sehr gut und vielfältig aufgestellt. 

Wie hat sich der Dialog in den letzten Jahren verändert?

Detlef Schneider-Stengel: Der interreligiöse Dialog ist in den letzten Jahren sehr vielfältiger und intensiver geworden. Dies gilt sowohl hinsichtlich der Anzahl der Religionen, der Orte und der Personen wie auch der Inhalte. Zu Beginn der Geschichte des interreligiösen Dialogs im Bistum Essen vor über 20 Jahren stand vor allem der Islam und Fragen der Integration durch die Arbeitsmigration im Fokus der Aufmerksamkeit. Durch die Globalisierung, aber auch durch die Fluchtbewegungen der letzten Jahre hat sich die Zahl der Menschen und der Religionen in Deutschland deutlich erhöht. So sind heute im Ruhrgebiet Religionen aus der gesamten Welt vertreten, wie Hindus, Buddhisten, Bahai, Sikhs, Yeziden, Aleviten und viele mehr. Ihre Mitglieder sind Teil unserer Gesellschaft und prägen sie mit. Von daher hat der interreligiöse Dialog eine große Vielfalt erreicht. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den lokalen Dialogforen wider, wie z.B. in dem „Inititiativkreis Religionen“, in dem neben Muslimen und Juden auch Bahai, Aleviten und Sikhs zu finden sind.

Weiterhin gibt es eine Pluralisierung der Orte. In der Vergangenheit haben sich oft auf der Ebene der Stadt oder der Pfarreien Dialogforen gebildet,

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die vor allem mit den umliegenden muslimischen Gemeinden, zum Teil auch mit den jüdischen Gemeinden Kontakte hatten und sich in regelmäßigen Abständen trafen. Heute sind neben diesen klassischen Orten viele andere entstanden. Interreligiöser Dialog sowie interreligiöse Dialogkompetenz werden immer mehr Bestandteil der Arbeit in Schulen, Kindertagesstätten, Gesundheitseinrichtungen, Pflegeheimen oder auch in Institutionen wie der Polizei, der Kommunen und Wohlfahrtsverbände. Hier sind Bedarfe entstanden, die im Bistum Essen aufgegriffen und produktiv angegangen werden. Zum Beispiel besteht seit 2017 in der Diözese das Projekt „Interkulturelle und religionssensible Ethik im Gesundheitswesen“, das von Weihbischof Zimmermann durch den Arbeitskreis Interreligiöser Dialog, der Katholischen Akademie Die Wolfsburg und dem Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück initiiert wurde. In diesem Projekt werden Fragen und Themen im interkulturellen und interreligiösen Kontext aufgegriffen, die für medizinisches, psychologisches/psychiatrisches und pflegerisches Personal, aber auch für Personen in der Seelsorge wichtig sind. Darüber hinaus gibt es die Projekte „Interreligiöses Begegnungslernen in der Schule“ sowie „Antisemitismus im schulischen Kontext“, in denen Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und Fachkräfte für Schulsozialarbeit fortgebildet werden.

Gleichzeitig haben sich vor allem im Bereich des Islam durch die Einrichtung der Lehrstühle für islamische Theologie an deutschen Universitäten sowie durch die Einrichtung von Akademien seitens der Muslime die Themen und auch Personen vervielfältigt. Am Anfang des Dialogs standen oft Begegnungen im Vordergrund, um Menschen anderer Religionen kennen zu lernen. Heute rücken neben den klassischen Begegnungstreffen, die immer noch sehr wichtig sind, auch theologische Fragen in den Fokus.

Was muss sich in Zukunft in unserem Bistum noch tun, um den interreligiösen Dialog weiter zu stärken?

Detlef Schneider-Stengel: Der interreligiöse Dialog ist in unserem Bistum schon sehr gut aufgestellt. Vor allem die Beziehung zu den jüdischen Gemeinden ist in den letzten Jahren sehr intensiviert worden Für eine weitere Stärkung des Dialogs sollte überlegt werden, wie die Religionen in unserem Bistum, aber auch deutschlandweit, Themen zusammen aufgreifen und bearbeiten können, die für die Zukunft unseres Landes wichtig sind. Solche Themen wären in meinen Augen beispielsweise die Entwicklung von hilfreichen Modellen zur Gestaltung des Zusammenlebens von Menschen verschiedener Kulturen, Religionen und Generationen, Umgang mit dem Klimawandel und seinen ökologischen Folgen, Armutsbekämpfung und Bildungsoffensiven und vieles mehr. Hier könnten die Religionen produktiv am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen und bei der Lösung der Fragen mitarbeiten.

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