Gemeinden stärken oder Pfarrei vernetzen?

Bistum Essen

Die Analyse des Zentrums für angewandte Pastoralforschung der Ruhr-Universität wurde in einer digitalen Konferenz vorgestellt und diskutiert.

Ob Pfarreien ihren Beitrag zu einem modernen Christsein im Bistum Essen leisten, hängt wesentlich von den jeweiligen Pfarrern und anderen Führungskräften ab. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Zentrums für angewandte Pastoralforschung (zap) der Ruhr-Universität Bochum. Im Pfarreientwicklungsprozess (PEP) des Bistums hätten die Akteure vor Ort die Zukunftsgestalt ihrer Pfarrei aufgrund persönlicher Erfahrungen und in der Regel nicht auf einer organisationstheoretischen Grundlage entworfen. Den Eigenwert der Pfarrei zu profilieren und zugleich den Bezug zum Zukunftsbild des Bistums Essen zu wahren, erfordere jedoch hohe Führungs- und Organisations-Qualitäten, sagte Björn Szymanowski, wissenschaftlicher Mitarbeiter am zap. In der dritten digitalen Diskussionsrunde „zap: zoom“ stellte Szymanowski seine Auswertung der 42 Voten des Pfarreientwicklungsprozesses im Bistum Essen über 100 Zuhörern vor und sprach mit Experten des Ruhrbistums über die Umsetzung des Prozesses vor Ort in den Gemeinden.

Pfarrei-Pläne sind oft wenig visionär

Der Auftrag von Bischof Franz-Josef Overbeck an die 42 Pfarreien im Bistum Essen lautete, eine Vision für das Jahr 2030 zu entwickeln und sich dabei eng an der Vision der

Buchtipp:

Gesucht: Die Pfarrei der Zukunft - Der kreative Prozess im Bistum Essen

Wie kann sich Kirche vor Ort weiterentwickeln?
Von 2015 bis 2018 hat jede Pfarrei im Bistum Essen künftige pastorale Leitlinien entwickelt und in einem Votum festgehalten, wie sich die Kirche vor Ort weiterentwickeln soll. Die 42 Voten wurden durch das Bochumer Zentrum für angewandte Pastoralforschung ausgewertet. Die hier veröffentlichten Ergebnisse geben Auskunft über Kirchenbilder, Trends und Schwerpunkte und liefern wertvolle Anregungen für die weitere Entwicklung der Pastoral in Pfarreien und Gemeinden.

Erschienen im Herder-Verlag. Hier geht's zum Buch: Die Pfarrei der Zukunft

Diözese auszurichten, die ihren Ausdruck im 2013 formulierten Zukunftsbild findet. 2018 lagen die Pastoralkonzepte aller Pfarreien vor, und Szymanowski übernahm die Aufgabe, sie fachlich zu bewerten. Sein Urteil: Die große Mehrheit der Pfarreien habe das Zukunftsbild des Bistums nicht oder nur zum geringen Teil umgesetzt: „Es gibt nur wenige kraftvolle Visionen in den Voten – und wo doch, nehmen sie keinen Bezug zum Zukunftsbild.“ Es sei allerdings typisch für diözesane Prozesse, dass sie oft eine Theorie vorgäben, während die Pfarreien sich auf konkrete Angebote konzentrierten. Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Voten der einzelnen Pfarreien liegt nach Szymanowskis Eindruck darin, ob eine Pfarrei versuche, entsprechend der bisherigen Kirchenstruktur die zugehörigen Gemeinden zu stärken, um flächendeckend in Wohnortnähe vertreten zu bleiben, oder ob die Pfarrei sich als Netzwerk mit pastoralen Schwerpunkten verstehe.

Den Ehrenamtlichen wird viel abverlangt

Eine grundlegende Frage zu dem hohen Aufwand, mit dem das Bistum Essen sich umstrukturiert, warf Ludger Schollas auf, Leiter der Arbeitsstelle Pfarreientwicklung im Generalvikariat: „Wieviel Energie bleibt in den Gemeinden noch für das Neue? Wir verlangen den Ehrenamtlichen beides gleichzeitig ab: den Rückbau zu organisieren und Neues zu entwickeln.“ Seine Kollegin Sabine Köther, Referentin für diakonische Pastoral und Pfarreibegleitung, gab zu bedenken, dass man vor Ort versuche, die Pfarrei mit Menschen zu verändern, die die Kirche gut finden, wie sie ist: „Die Leute, die einen anderen Fokus haben, haben wir in den Pfarreien schon verloren.“

Der Duisburger Pastoralreferent Markus Borzymski, der in der Pfarrei Liebfrauen die Umsetzung des PEP-Votums mit verantwortet, stellte die Frage nach der Relevanz der Voten, bei deren Abfassung noch nicht alle Fakten auf dem Tisch lagen: „Ist das Votum verbindlich, oder ist es eine Leitplanke, an der man sich entlang hangelt?“

Die Gesprächsrunde ist auf youtube abrufbar. Die nächste „zap:zoom“-Konferenz beschäftigt sich am 24. März um 16 Uhr mit digitaler Glaubenskommunikation.

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