von Sandra Gerke

„Frühen Missbrauch bis ins Alter verdrängt“ – Essener Psychologe spricht über eigenen sexuellem Missbrauch

Renommierter Essener Psychologe war als Kind selbst Betroffener

Erstmals äußert sich ein Betroffener sexuellen Missbrauchs durch einen katholischen Geistlichen im Bistumsmagazin BENE. Der Essener Eckhard Hömberg wagt den Schritt in die Öffentlichkeit, weil er anderen Betroffenen Mut machen will, ihr Schweigen zu überwinden und sich professionelle Unterstützung bei der Verarbeitung des Erlebten zu suchen.

In BENE schildert der heute 69-Jährige, wie ihn als damals junger Gymnasiast ein Kaplan im Religionsunterricht wiederholt unsittlich berührte. Hömberg gelang es dann, das Ganze zu verdrängen – bis ins Alter. Dass das nichts Gutes ist, weiß der Mann aus Essen-Werden aus professioneller Sicht ganz genau: Aus dem Schüler Eckhard wurde schließlich ein Psychologe, ein weit über die Stadtgrenzen anerkannter Fachmann. Er leitete viele Jahre das Jugendpsychologische Institut Essen, eine große Erziehungsberatungsstelle mit angeschlossenen Therapie-Einrichtungen.

Betroffenenbeirat soll gegründet werden

In diesem Sommer hat das Bistum Essen Betroffene sexuellen Missbrauchs eingeladen, um über die Gründung eines Beirats zu informieren. „Das Bistum möchte so die Belange, Anliegen und Interessen der Betroffenen stärker mit den die laufenden Aufarbeitungsprozesse einbeziehen.“

Hilfe und Infos zur Prävention und Intervention sexueller Gewalt

Wer selbst Hilfe braucht oder Fragen zum Thema hat, kann sich ans Bistum Essen wenden: Der Stabsbereich „Prävention und Intervention gegen Gewalt und sexualisierte Gewalt“ ist telefonisch unter 0201 2204 230 und unter hilfe.bistum-essen.de zu erreichen.

Eckhard Hömberg war bei der Informationsveranstaltung dabei, wird aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht anstreben, Mitglied des Betroffenenbeirats zu werden. Die Bildung eines solchen Gremiums bewertet der Experte jedoch ausdrücklich als „eine gute Sache“: „Für die Akteure der Kirche ist es das einzig Mögliche, um glaubhaft zu sein. Zu sagen: ,Wir haben nicht nur alte Schulden zu bezahlen, altes Leid zu vergelten. Sondern wir wollen heute den Beirat von Euch haben, ob wir in der richtigen Richtung unterwegs sind, damit so etwas nicht mehr passiert. Das ist ein wichtiges Signal für uns Betroffene“, betont der promovierte Psychologe.

Vom Bistum Essen wünscht sich Eckhard Hömberg, dass man „in Zukunft fördert, dass sich die Betroffenen miteinander austauschen – auch über den Beirat hinaus.“ Selbsthilfegruppen halte er neben der professionellen Begleitung für wertvoll.

Interventionsbeauftragter

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