von Thomas Rünker

Freiheit und Solidarität: Bischof würdigt Tisa von der Schulenburg im Bergbau-Museum

Zum Start der neuen Sonderausstellung „Fühlst du? Tisa von der Schulenburg – Der empathische Blick“ im Deutschen Bergbau-Museum Bochum betonte Bischof Franz-Josef Overbeck am Sonntag die Bedeutung von Freiheit, Solidarität und Menschenwürde in der Arbeit der vor 25 Jahren verstorbenen Künstlerin. Von der Schulenburg, die spätere Ordensschwester Paula, hat unter anderem die Kreuzwegszenen auf der Halde Haniel (Bottrop/Oberhausen) gestaltet.

Mit einem Plädoyer für Freiheit und Solidarität hat Bischof Franz-Josef Overbeck am Sonntag, 8. Februar 2026, seinen Vortrag zur Eröffnung der Sonderausstellung „Fühlst du? Tisa von der Schulenburg – Der empathische Blick“ im Deutschen Bergbau-Museum Bochum gestaltet. In seiner Rede würdigte der Ruhrbischof die am 8. Februar vor 25 Jahren verstorbene Künstlerin und Ordensschwester Tisa von der Schulenburg als eine Frau, deren Werk „den unverstellten Blick auf den Menschen“ richte – besonders dort, wo Unfreiheit, Leid und gesellschaftlicher Druck das Leben prägten.

Das Bergbaumuseum erinnert ab dem morgigen Dienstag, 10. Februar, bis zum 27. September, an die 1903 in Tressow (Nordwestmecklenburg) als Tochter eines preußischen Generals geborene von der Schulenburg, die 1950 als Schwester Paula in das Dorstener Kloster St. Ursula eintrat und dort 2001 starb. Im Ruhrgebiet ist sie vor allem durch die Stationen des Kreuzwegs auf der Halde Haniel an der Stadtgrenze zwischen Bottrop und Oberhausen bekannt: Jede Station zeigt eine in Kupfer geätzte Zeichnung aus ihrer Feder mit einer Szene des Leidenswegs Jesu.

Wahlspruch „Frei will ich leben und frei will ich sterben“

Overbeck stellte seinen Vortrag unter den von Tisa von der Schulenburg selbst gewählten Wahlspruch „Frei will ich leben und frei will ich sterben“, ein Schiller-Zitat. Freiheit, so Overbeck, sei im Zusammenhang mit Kunst zweifach zu verstehen: als künstlerische Freiheit, die den uneingeschränkten Ausdruck der eigenen Sicht auf die Welt beschreibe, aber auch als politische und persönliche Freiheit, die in der Biografie der Künstlerin immer wieder bedroht gewesen sei. Zudem richte sich wahre Freiheit nicht nur auf das eigene Leben, sondern immer auch auf die Freiheit anderer: „Wer wirklich frei ist, nimmt immer auch die Freiheit und Unfreiheit des Anderen wahr“, so Overbeck.

Tisa von der Schulenburgs Kunst tue genau das, hob Overbeck hervor: Sie wolle keine „schönen“ Darstellungen liefern, sondern Menschen in existenziellen Situationen sichtbar machen – Arbeitslose, Verfolgte, Flüchtende, Unterdrückte, Hungernde und Kranke. Gerade daraus entstehe Solidarität, die der Bischof als Fundament freiheitlich-demokratischer Gesellschaften bezeichnete. Mit Blick auf aktuelle Konflikte warnte Overbeck davor, Freiheit als selbstverständlich zu betrachten. Er rief dazu auf, Freiheit „wehrhaft“ zu schützen – und sich für diejenigen einzusetzen, deren Freiheit konkret gefährdet sei.

Enge Verbindung Tisa von der Schulenburgs mit dem Ruhrgebiet

Besonders hob Overbeck die enge Verbindung Tisa von der Schulenburgs mit dem Ruhrgebiet hervor. Ihr solidarisches Engagement habe sich früh auf Arbeiter und Arbeitslose konzentriert; später seien es vor allem Bergleute gewesen, die sie künstlerisch und politisch begleitet habe – bis hin zur Teilnahme an Mahnwachen und Demonstrationen gegen die Schließung der Dorstener Zeche Fürst Leopold. Mehrfach sei sie selbst in Bergwerke eingefahren, um die Arbeitsbedingungen unter Tage unmittelbar zu erleben. Von den Bergleuten, zitierte Overbeck, habe sie gesagt: „Ich habe in meinem Leben mehr von den Bergleuten gelernt als diese von mir.“

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum sei deshalb ein „sehr passender Ort“ für die Ausstellung, betonte Overbeck – auch um das Erbe der Künstlerin zu würdigen, die als die „Heilige Barbara des Ruhrgebiets“ bezeichnet werde. Ihr Werk sei kulturell wertvoll, weil es authentisch vom Leben der Bergleute erzähle, und zugleich ein Appell, sich tatkräftig für Freiheit und Menschenwürde einzusetzen.

Der Vortrag zur Ausstellungseröffnung im Wortlaut (pdf)

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