von Cordula Spangenberg

Essensausgabe „SonntagsSatt“ in Bottrop

Die Pandemie zeigt: Viele Menschen haben ein offenes Ohr für Not in der Nachbarschaft.

Lockdown und Einschränkungen strapazieren die Nerven. Aber ein Gutes zeigt die Corona-Krise dennoch: Viele Bürgerinnen und Bürger sind sehr bereit, auf andere zu achten, Empathie, Ideen, Kraft und Geld zu investieren, damit alle ein bisschen besser zurechtkommen in schwierigen Zeiten.

Sonntagmittag in Bottrop. Rund 50 Menschen finden sich auf dem Platz vor der Propsteikirche St. Cyriakus ein, um sich ein gutes Mittagessen abzuholen. Die Essensausgabe hält sich an die geltenden Hygiene-Vorgaben: Die Besucher tragen Maske, treten einzeln in die Kirche, erhalten an der improvisierten Theke eine frisch gekochte, hygienisch verpackte Mahlzeit und verlassen durch eine andere Tür das Gotteshaus. Drei junge Ehrenamtliche geben hinter einer Plexiglas-Schutzwand das Essen aus. An diesem Sonntag hat das Bottroper Café Bernsmann 50 Portionen Putengeschnetzeltes zubereitet und in Wärmebehältern bereitgestellt. Weitere helfende Hände haben gestrickt: Am Taufbecken und auf den hinteren Sitzbänken liegen Mützen, Schals und Socken in allen Farben und Größen zum Mitnehmen aus. Die meisten Besucher nehmen ihr Paket mit nach Hause – wie es die Corona-Auflagen eben erfordern. Wer kein ordentliches Zuhause hat, lässt sich zum Essen ein gutes Stück von der Kirche entfernt auf einer Bank nieder.

Man braucht Ehrenamtliche und eine aufgeschlossene Stadtgesellschaft

Die Aktion „SonntagsSatt“ der Pfarrei St. Cyriakus gibt es in dieser Form seit Beginn der Corona-Pandemie zweimal monatlich. Was dafür gebraucht wird: Eine Idee, ein paar tatkräftige Ehrenamtliche und eine aufgeschlossene Stadtgesellschaft – Gastronomen, Bürgervereine und Spender halten den Laden am Laufen. Ursprünglich hatten die Aktiven aus St. Cyriakus in ihrem 2017 eröffneten Pfarrei-Ladenlokal „Mittelpunkt begegnen“ unter dem Titel „Suppenzeit“ einmal monatlich am Sonntag Alleinstehende und Bedürftige zum gemeinsamen Essen eingeladen. Die neuen Abstandsregeln machten ihnen Anfang 2020 einen Strich durch die Rechnung. Man ließ sich aber nicht entmutigen, verlegte die Essensausgabe kurzerhand in die Kirche und verdoppelte das Angebot auf jeden zweiten Sonntag.

Bei vielen Menschen im nördlichen Ruhrgebiet ist oft das Geld knapp. „Aber Bedürftigkeit hat viele Facetten“, sagt die Gemeindereferentin und studierte Sozialarbeiterin Christiane Hartung, die das sonntägliche Essen angeregt hat, „zu uns kommen am Sonntag auch Menschen, die sonst wieder allein zu Hause essen müssten.“ Zwar könne man derzeit nicht zusammen am Tisch sitzen. Aber während in der Kirche das Essen ausgegeben wird, nutzen draußen andere Mitglieder des Teams von „SonntagsSatt“ die Wartezeit, um mit den Besuchern wenigstens ein bisschen zu plaudern – natürlich mit den nötigen Abstand. Essensausgabe im Gotteshaus – das ist für Hartung kein Problem: „Aus meiner Sicht kann man in der Kirche beten und Gulasch ausgeben, das gehört beides zum Christentum dazu.“ Vor der Krise hatten die Bottroper Restaurants das Essen jeweils gespendet. In dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit werden sie über einen großen Spendentopf bezahlt, den Bürgervereine und Einzelpersonen füllen. Pro Essen werden vier bis fünf Euro veranschlagt.

Für Bottrop mit seinen rund 120.000 Einwohnern hat Christiane Hartung schon die nächste Idee, Bedarf gibt es ja genug: „Viele Eltern in Kurzarbeit oder im Leistungsbezug spüren es deutlich im Monats-Budget, wenn die Kinder in Lockdown oder Quarantäne nicht am Schul- oder Kita-Mittagessen teilnehmen können.“ Der Plan: Gut gefüllte Kochtüten sollen den Familien einen Einkauf ersparen.

Kath. Kirchengem. St. Cyriakus, SonntagsSatt, Bankverbindung: Bank im Bistum Essen

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