von Thomas Rünker

Erst Zweifel, dann Firmung: Zwei junge Erwachsene finden zurück zum Glauben

‎13 Erwachsenen hat Weihbischof Ludger Schepers am ‎Pfingstmontag im Essener Dom das Sakrament der Firmung gespendet. ‎Traditionell werden am Pfingstfest im Ruhrbistum all diejenigen gefirmt, die das ‎Sakrament nicht bereits als Jugendliche erhalten haben, sondern sich als ‎Erwachsene dazu entscheiden. In diesem Jahr waren auch Francesco Pasqualetto und Nicolas Voß aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis dabei.

„Als Jugendlicher hatte ich eine Zeit, da war ich nicht so gläubig“, sagt Nicolas Voß – heute 21. Sein Freund Francesco Pasqualetto (ebenfalls 21) ergänzt: „Mit 15 oder 16 versteht man noch nicht viel und macht einfach, worauf man Bock hat.“ Bock auf Kirche, Glaube und Firmung hatten die beiden Jungs aus Schwelm und Ennepetal damals kaum, als ihre katholischen Mitschülerinnen und Mitschüler das Sakrament empfingen. Obwohl Pasqualetto in seiner italienisch-stämmigen Familie „relativ streng katholisch erzogen“ wurde und Nicolas seit vielen Jahren Mitglied der Kolpingjugend ist, war die Firmung für sie als Jugendliche kein Thema.

Doch das änderte sich in den folgenden Jahren. „Wir hatten eine sehr gute Religionslehrerin – und ich habe mich auch außerhalb der Schule mit Glaubensfragen beschäftigt“, erzählt Voß. Und er lernte Pasqualetto kennen, der in der Oberstufe in seine Schule kam. Mit ihm habe sich „so eine Dynamik“ ergeben. Nicht, dass sie gleich nur noch über Glaubensfragen gesprochen hätten – aber gerade nach der Schulzeit sei das Thema für die beiden jungen Männer wieder wichtiger geworden.

Todesfälle, schwere Krankheiten – und Nachdenken über Naturwissenschaften

WhatsApp-Kanal des Bistums Essen

„So mit 19 oder 20 habe ich mich wieder mehr mit dem Glauben befasst“, berichtet Pasqualetto. Unter anderem habe es mehrere Todesfälle und schwere Krankheiten in seiner Familie gegeben. „Und in Kirchengebäude bin ich ohnehin immer schon gern gegangen.“ Als Jugendlicher hätten sich für ihn Naturwissenschaften und Religion ausgeschlossen, erzählt Voß, „aber das ist heute nicht mehr so“. Neben Input aus Social-Media-Kanälen hätte ihm bei seinem Weg „zurück zum Glauben“ auch der Blick in die Bibel geholfen. Sein Tipp: „Da muss man sich ein bisschen reinfuchsen, die kann man nur schwer von vorne nach hinten lesen." Besonders spannend sei der Kontrast zwischen verschiedenen Bibelstellen – zum Beispiel zwischen den Berichten im Alten Testament über die biblischen Städte Sodom und Gomorrha, die Gott zerstören ließ, und dem Gebot der Nächstenliebe im Neuen Testament.

Erwachsenenfirmung? „Komm, lass und da anmelden.“

Erwachsenfirmung – immer an Pfingsten

Nach Christi Himmelfahrt feiern Christinnen und Christen an Pfingsten, dass Gott den Heiligen Geist als seine immerwährende Kraft in die Welt gesandt hat. Pfingsten gilt zugleich als Geburtsfest der Kirche, weil die Bibel berichtet, wie die Jüngerinnen und Jünger Jesu nach dem Pfingstereignis in die verschiedensten Länder gezogen sind, um von Jesus und seiner Botschaft zu erzählen. Weil in der Firmung der Heilige Geist jeder Christin und jedem Christen ganz persönlich zugesagt wird, feiert das Bistum Essen die besondere Erwachsenenfirmung traditionell an Pfingsten. Mit der Firmung werden Getaufte zu vollwertigen Mitgliedern der Kirche – und können zum Beispiel Patenämter übernehmen. Wer sich für die Erwachsenenfirmung und die Vorbereitung darauf interessiert, findet alle Infos unter: https://bistum.ruhr/erwachsenenfirmung. Außerdem können sich Interessierte an ihr Pfarrbüro vor Ort wenden.

Dann sei bei den jungen Erwachsenen das Thema Firmung noch mal aufgekommen. Voß‘ Mutter meinte „eigentlich gehört das dazu“, – und Pasqualetto hat irgendwann bei einer gemeinsamen Autofahrt gesagt: „Komm, lass uns da anmelden“. Mittlerweile habe er den Glauben besser verstanden, deshalb wollte er sich nun auch firmen lassen – und Voß zog mit. Über das Bistum Essen wurde den beiden Bernd Fallbrügge als Begleiter für ihre Firm-Vorbereitung vermittelt. Rund vier Mal – immer mit etwa einem Monat Abstand – hätten sie sich gemeinsam mit dem Seelsorger der Pfarrei St. Marien in Schwelm getroffen. Voß: „Das waren von Anfang an relativ entspannte Gespräche.“ Und Pasqualetto ergänzt: „Die Stimmung war top. Wir haben erstmal die Basics geklärt, was heißt eigentlich ,katholischer Glaube‘? Dann sind wir das Glaubensbekenntnis durchgegangen – und sind immer schnell ins Quatschen gekommen: Vom Fachlichen in der Bibel zur Frage: Wo findet das in meinem Leben statt?“

Dass sie sich tatsächlich für die Firmung angemeldet haben, war in Voß‘ Umgebung kein großes Thema. Seine engsten Freunde und die Familie wissen es – und sehen das sehr entspannt. In Pasqualettos Familie hat die Nachricht für größeren Wirbel gesorgt: „Alle waren überrascht. Viele in meiner Familie dachten, ich bin schon gefirmt.“ Klar, dass auch am Montag im Dom einige Angehörige Voß und Pasqualetto zur Firmung begleitet haben.

Und nun, nach der Firmung? Die beiden wollen sich überraschen lassen, wie es mit ihnen und ihrem Glauben weitergeht. „Für mich ist das eine persönliche Sache“, sagt Voß. Nur, weil er nun gefirmt ist, wird das nicht gleich sein ganzes Leben ändern. Da ist die bald startenden Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik ein größeres Thema. Pasqualetto, angehender Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen, geht seit der Firm-Vorbereitung „häufiger zum Gottesdienst. Früher war das langweilig, aber heute kann ich da wirklich etwas mitnehmen.“

Ansprechperson

Referentin für (digitale) Glaubenskommunikation

Rebecca Weidenbach

Zwölfling 16
45127 Essen

Pressestelle Bistum Essen

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