von Lisa Myland

„Ein kleines Stück Freiheit“: Ferienfreizeiten im Bistum Essen

Die zweiten Sommerferien in der Corona-Pandemie starten in wenigen Tagen. Lange war nicht klar, wie und ob Kinder- und Jugendgruppen aus Pfarreien und Verbänden Ferienfreizeiten anbieten können. Mit den Erfahrungen aus den vergangenen Monaten geht es jetzt doch für viele los – mit einer Mischung aus Anspannung und Vorfreude.

In wenigen Tagen starten in NRW die Sommerferien, normalerweise ist dann für viele Kinder- und Jugendgruppen im Bistum Essen klar: Es geht ins Sommerlager oder auf die Ferienfreizeit. Ans Meer oder in die Berge. Per Bus, Auto oder Flugzeug. Ins Haus oder Zelt. Hauptsache raus, andere Menschen, Kulturen und Länder kennenlernen, neue Freundschaften knüpfen.

Im vergangenen Jahr hat die Corona-Krise viele Ferienfahrten, die seit Jahren traditionell stattfinden, zum ersten Mal ausfallen lassen. Die Kinder- und Jugendleiter waren kreativ, sorgten mit Hygienekonzepten trotzdem für Aktionen vor der eigenen Haustür, wenn möglich draußen oder alternativ drinnen digital. Auch in diesem Jahr gibt es viele Ferienangebote zuhause, aber auch die Zahl der geplanten Fahrten ins In- oder Ausland scheint wieder zu steigen. „Da sind die Angebote in diesem Jahr ungefähr gleich verteilt“, sagt Yannick Freida, Referent für Jugend und Pfarrei in der Fachstelle Kinder, Jugend und junge Erwachsene im Bistum Essen. „Viele haben erstmal ins Blaue geplant und gehofft, dass sie fahren können, einige haben Alternativprogramme organisiert. Gut war auf jeden Fall, dass das Land zeitig für klare Verhältnisse gesorgt und verkündet hat, die Stornokosten zu übernehmen, falls eine Fahrt doch abgesagt werden muss – dass diese Hürde den Kinder- und Jugendleitern genommen wurde.“

„Das Testen gibt einem schon ein besseres Gefühl“

Geplant und gehofft hat auch das Jugendzentrum der Mülheimer Pfarrei St. Barbara. Jetzt steht fest: In der ersten Ferienwoche geht es für 12 Kinder nach Schmallenberg ins Sauerland. Mit dem Reisebus fahren sie zu einem Selbstversorgerhaus, in dem sie als Gruppe alleine wohnen. Auf Corona getestet werden alle Teilnehmer vor der Abfahrt. Die Maskenpflicht im Haus entfällt, so wie es die Regelung für den aktuellen Inzidenzwert und die Gruppengröße vorsieht. Für Julia Herbrand, komissarische Leiterin des Zentrums, sind vor allem die Tests in diesem Jahr eine große Erleichterung: „Letztes Jahr wäre so ein Testen ja gar nicht möglich gewesen, das gibt einem schon ein besseres Gefühl.“ Nach der langen Pause in der Jugendarbeit hatte das Team zunächst Bedenken, ob die Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen noch so gut ist wie vor der Pandemie, gerade vor so einer Fahrt – unberechtigt, wie sich schnell herausstellte. „Als wir hier im Jugendzentrum wieder geöffnet hatten, war es von einem auf den anderen Tag genauso, als hätte es diese Pause nie gegeben“, freut sich Julia Herbrand. Für ihr Team war auch klar: Dieses Jahr soll keiner zurückbleiben – wer sich die Fahrt finanziell nicht leisten kann, wird von der Pfarrei unterstützt. Denn nur ein Viertel der Teilnehmer hätte die Reise voll bezahlen können.

Ins Ausland geht es für den Pfadfinderstamm St. Antonius Abbas aus Essen: Er fährt für zwei Sommerferienwochen in das Schweizer Bergdorf Kandersteg. Mit 43 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wird dann auf dem dortigen Pfadfinderplatz gezeltet. Der Wunsch wegzufahren, war bei ihnen dieses Jahr besonders groß, es habe mehr Anmeldungen gegeben als in den Vorjahren, sagt Stammesvorstand Justin Grzelka. Bei der aktuellen Planung profitiert die Leiterrunde vor allem von ihren Erfahrungen aus dem letzten Jahr, im Sommer 2020 gab es ein erfolgreiches Sommerlager in Österreich mit eigenem Hygienekonzept. „Auch in diesem Jahr werden wir die Zelte zum Bespiel nur mit maximal drei Leuten belegen, um den Abstand einzuhalten“, erklärt Grzelka. „Es gibt ein festes Küchenteam, alle Flächen werden regelmäßig desinfiziert und Besteck und Geschirr bei mindestens 60 Grad gereinigt.“ Ein weiterer Vorteil: Ein Leiter arbeitet als Koch, kann bei Hygieneregeln in der Küche gut weiterhelfen.

„Die größte Herausforderung war die Ungewissheit“

Die finale Entscheidung für dieses Sommerlager fiel im letzten Lockdown, immer unter Beobachtung von Stornofristen und den aktuell geltenden Regeln. Auch wenn nach den aktuellen Einreiseregeln der Schweiz kein Test mehr nötig wäre, will der Stamm alle Teilnehmer vor der Zugreise testen lassen. Trotz aller Corona-Routine: „Die größte Herausforderung für uns war die Ungewissheit, was in welchem Umfang möglich ist“, sagt Grzelka. „Die Delta-Variante macht uns natürlich auch Sorgen, vor allem wenn für die Schweiz doch noch eine Quarantäneregelung kommen sollte.“ Zwischen den unterschiedlichen Verordnungen von Bund, Ländern, Kommunen und den Trägern der katholischen Kirche den Überblick zu behalten, fällt auch den Hauptamtlichen im Mülheimer Jugendzentrum nicht immer leicht. „Das ist schon schwierig, vor allem weil man alles richtig machen möchte und eine so große Verantwortung hat“, sagt Julia Herbrand.

Damit Gruppenleiter sich nicht alleine hilflos durch immer neue Corona-Schutzverordnungen kämpfen müssen, haben die fünf NRW-Bistümer gemeinsam mit dem BDKJ auch in diesem Jahr eine Orientierungshilfe herausgegeben. Mit Checklisten können Gruppenleiter nochmal genau abhaken, ob sie eine Fahrt durchführen können oder lieber verschieben sollten, das Paket enthält außerdem ein Muster-Hygienekonzept oder Vorlagen etwa für Testeinwilligungen. Das sei ein Service, um vor allem den Ehrenamtlichen eine Hilfe zu geben. Hätten sie detaillierte Fragen zu den Regelungen vor Ort, helfe die Fachabteilung auch gerne persönlich weiter, erklärt Yannick Freida.

„Sie haben es alle verdient“

Dass solche Auszeiten für die Kinder und Jugendlichen im Bistum Essen dringend nötig sind, davon sind die drei Haupt- und Ehrenamtlichen überzeugt. Bistumsreferent Freida betont: „Sie haben so viele wichtige Momente verpasst in den letzten eineinhalb Jahren, es ist einfach wichtig, dieses Stück Freiheit zu nutzen und wieder für mehr Kontakte und Sozialisation zu sorgen.“ „Kinder und Jugendliche haben unter der Pandemie nochmal deutlich stärker gelitten als wir Erwachsene, da ist so eine Fahrt umso wichtiger, um einfach mal wieder ein Stück Normalität genießen zu können“, sagt Justin Grzelka. Und auch Julia Herbrand ist sich sicher: „Sie haben es alle verdient. Jeder von uns muss in der Krise Abstriche machen, aber Kinder und Jugendliche können da oft keine eigenen Entscheidungen treffen und haben trotzdem alles mitgemacht. So eine Pause ist jetzt auch für die Familien gut, um Ruhe reinzubringen – das brauchen die Kinder, aber auch die Eltern.“

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