Diskussion um Mitgliedschaft in der Kirche

Bei einer Tagung in Essen gaben hochrangige Experten aus ganz Deutschland dem Ruhrbistum Tipps zum Umgang mit Kirchenaustritten.

„Wer würde denn heute einen Handyvertrag abschließen, der bis ans Lebensende gültig ist?“ – eine Teilnehmerin der hochkarätig besetzten Tagung zum Thema Kirchenmitgliedschaft und Kirchenaustritt brachte es am Montag im Essener Generalvikariat auf den Punkt: In einer Zeit von rasch kündbaren Abos für TV-Kanäle, Mobiltarifen auf Prepaid-Basis und kurzfristig zu wechselnden Strom- und Gasverträgen klingt das Mitgliedschaftsmodell der katholischen Kirche geradezu anachronistisch. Und tatsächlich scheint es für einige katholisch getaufte Menschen heute nicht mehr in ihr Leben zu passen, wenn jährlich im Schnitt rund 4000 der derzeit knapp 800.000 Mitglieder des Bistums Essen aus ihrer Kirche austreten. Was die Kirche gegen diese Entwicklung tun kann, darüber diskutierten am Montag in Essen Wissenschaftler und Praktiker aus Theologie, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, aus Gewerkschaften, Verbänden und der Caritas, aus der katholischen und der evangelischen Kirche.

Projektgruppe im Rahmen des Zukunftsbild-Prozesses

Ein Patentrezept haben diese Experten dem Bistum Essen nicht mit auf den Weg gegeben. Aber sie haben der Projektgruppe „Initiative für den Verbleib in der Kirche“, die sich im Rahmen des bistumsweiten Zukunftsbild-Prozesses bereits seit 2015 mit dem Thema beschäftigt, wichtige neue Impulse und Denkanstöße vermittelt. So warben mehrere Teilnehmer der Tagung dafür, dass die Kirche ihre Haltung zu ihren Mitgliedern verändern und nicht nur aktive, sondern eben auch passive Mitglieder wertschätzen solle. Zudem sollten Katholiken – etwa nach einem Umzug – professionell willkommen geheißen werden. Und es sollte gute Möglichkeiten geben, die Kirche zum Beispiel telefonisch zu erreichen – gerade wenn Menschen womöglich Unmut kundtun möchten.

Nicht der eine, zentrale Austrittsgrund

Wenn Menschen aus der Kirche austreten, gibt es dafür nicht den einen, zentralen Grund. Das haben zwei Forscherteams bestätigt, die die Projektgruppe mit der Suche nach Gründen für Kirchenaustritte beauftragt hat. Während Wissenschaftler der Ruhr-Uni Bochum die relevanten bisherigen Studien zum Thema Kirchenmitgliedschaft analysiert haben, hat ein Team der Uni Siegen und der CVJM-Hochschule Kassel gut 40 Männer und Frauen aus dem Ruhrbistum gefragt, die aus der Kirche ausgetreten sind. Beide Projekte ergaben zahlreiche Gründe für Kirchenaustritte – von persönlichen Enttäuschungen über finanzielle Fragen bis zu grundsätzlichen Glaubens-Themen – die jeweils individuell sehr unterschiedlich bedeutsam sind.

Ergänzt um einen theologischen Forschungsbeitrag des Berliner Instituts M.-Dominique Chenu wird das Bistum die Ergebnisse seiner Studie in der zweiten Jahreshälfte veröffentlichen, um so auch die bundesweite Diskussion über das Thema Kirchenaustritte weiter anzuregen. Zugleich will die Projektgruppe des Bistums aus den Studienergebnissen konkrete Strategien und Maßnahmen entwickeln, die ab dem Frühjahr 2018 umgesetzt werden sollen.

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