Die neue Metropole: Nachhaltig, innovativ, tolerant

Akademieabend der „Wolfsburg“ sucht nach neuen Wegen, Wohnquartiere zukunftsfähig zu entwickeln. Schülerinnen und Schüler präsentierten ihre Ideen zur „perfekten Schwarmstadt“.

Die „perfekte Schwarmstadt“ vernetzt Generationen und Kulturen, bietet günstigen Wohnraum und grüne Oasen nicht nur in der Fläche, sondern auch an Hauswänden und auf Dächern, verfügt über ein Fahrradwege-Netz und auch nachts noch über zuverlässigen Nahverkehr. Second Hand- und Unverpackt-Läden findet man in der Nachbarschaft. Sportstätten, Konzerte, Theater, Museen und Raum für verschiedenste Szenen und Gruppen sind gut erreichbar. Und attraktiv und atmosphärisch sind diese Stadtviertel dabei auch noch.

Diese Wunschliste hatten Oberstufenschülerinnen und -schüler auf Einladung des Initiativkreises Ruhr zusammengestellt und präsentierten sie am Mittwoch, 9. Oktober, bei einem Diskussionsabend zum Thema „Entwicklung von Wohnquartieren“ in der katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim. Die Wunschliste zur perfekten Schwarmstadt stieß bei der Aachener Stadtentwicklerin Prof. Christa Reicher auf offene Ohren: Mit einer ganz anderen Geschwindigkeit als bisher müsse man die „Jahrhundertchance Quartiersentwicklung“ anpacken, bescheinigte sie den jungen Leuten: „Nahversorgung, Miteinander und Verkehr: Die Mischung beim Wohnen macht‘s.“

Eine einzige Universität für das Ruhrgebiet?

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ergänzte die Wunschliste der Schülerschaft noch um Kirchen, Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und die sozialen Einrichtungen der Caritas. Bislang habe sich die Stadt jeweils rund um ihre Kirchen weiterentwickelt, heute müsse die Kirche sich unter anderen Bedingungen am Zusammenhalt der Städteregion beteiligen. Wünschenswert findet der Ruhrbischof die Idee einer einzigen großen Universität für das Ruhrgebiet: „Sie würde den fünf Millionen Menschen, die hier leben, neue Bildungschancen und damit Lebensqualität eröffnen.“

Trotz des jüngst gescheiterten Regionalplans für das gesamte Ruhrgebiet gibt es in der Region gute einzelne Modellprojekte für neues Leben und Arbeiten. Einerseits biete das Ruhrgebiet – entgegen dem Immobilienboom anderer Großstädte –dafür kostengünstige Möglichkeiten, andererseits allerdings auch „Quartiere der Segregation“, also sozial isolierte Wohngegenden, fasste Akademiedirektorin Judith Wolf, Moderatorin des Abends, die Situation vor Ort zusammen. Burkhard Drescher stellte anhand der Bottroper Modellstadt „Innovation City Ruhr“ dar, dass Energiepolitik nur funktioniert, wenn die Bevölkerung sich an der Umsetzung beteiligt. Von den Erfahrungen der RAG Montan Immobilien mit der Flächenentwicklung beim Großprojekt „Freiheit Emscher“ zwischen Bottrop und Essen berichtete Vorstand Markus Masuth: Eine „Riesen-Herausforderung“ sei es, Vorzeige-Modelle so umzusetzen, dass sie auch noch schwarze Zahlen einbrächten. Ähnliches gilt für das Stadtquartier „Essen 51“ im Kruppgürtel, das von einem privaten Investor umgesetzt wird.

Angsträume in 70er Jahre-Wohnsiedlungen

Zugleich müssen vernachlässigte Wohnungsbestände der 50er, 60er und 70er Jahre auf den neuesten Stand gebracht werden – eine Aufgabe, der sich auch die Vivawest GmbH verschrieben hat. Rund zwei Drittel aller Wohnungen im Ruhrgebiet seien davon betroffen, berichtete Geschäftsführer Ralf Brauksiepe. Ehemals akzeptable Anlagen seien mangels Pflege inzwischen zu Angst-Räumen verkommen; bei der Renovierung müsse man heute nicht nur die Energetik und ansprechende öffentliche Flächen berücksichtigen, sondern auch barrierearme Zugänge schaffen.

Veränderung gibt es nur mit Bürgerbeteiligung

Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen erinnerte daran, dass eine Stadt wie Essen, die nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Druck von Wohnungsnot und Wohlstandswünschen mit dem Ziel einer „Auto-Stadt“ wiederaufgebaut wurde, nur „in Jahren und Jahrzehnten“ verändert werden könne, und auch dies nur unter Beteiligung ihrer Bürger. „Die Nagelprobe für das Ruhrgebiet als menschengerechter Metropole mit Zukunftsperspektiven ist der zuverlässige, saubere, aber nicht um jeden Preis billige öffentliche Nahverkehr“, sagte Kufen, „mit 27 einzelnen Verkehrsbetrieben werden wir hier nicht weiterkommen.“ Seine Idee: Sollte die Region an Rhein und Ruhr mit ihren bereits vorhandenen Sportstätten sich um die Olympischen Spiele 2032 bewerben, gebe es die Chance, den Nahverkehr entsprechend auszubauen.

„Eine Stadt ist nie fertig“, sagte Kufen. Sie zu entwickeln und mitzugestalten, sei eine der anspruchsvollsten ehrenamtlichen Aufgaben: „Mischen Sie sich ein! Gehen Sie in die Kommunalpolitik. Vor allem die Frauen und die jungen Menschen brauchen wir.“

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