von Cordula Spangenberg

Die lachenden Schwestern von Borbeck

„Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“ – das Gute-Laune-Motto des Ordensgründers Don Bosco zusammen mit Maria Mazzarello gilt noch heute. Sie war seinerzeit die erste deutsche Dependance des in Italien gegründeten Ordens.

„Die lachenden Schwestern von Borbeck“ wurden sie genannt, die sechs Don Bosco-Schwestern, die 1922 mit ein paar Stühlen, aber ohne Tisch und wenig sonstiger Habe in eine aufgegebene Gaststätte im Essener Westen zogen, um sich auf bemerkenswert fröhliche Art um benachteiligte Kinder und Jugendliche aus Arbeiterfamilien zu kümmern. Sie gründeten damals die erste deutsche Niederlassung des in Italien entstandenen Ordens. Ihr 100-jähriges Jubiläum haben die drei heute noch ansässigen Essener Schwestern am vergangenen Samstag mit einem Hoffest für Jung und Alt auf dem Gelände ihrer Kindertagesstätte gefeiert.

Liebenswürdigkeit und Fröhlichkeit

Das Jubiläum als „Hoffest“ war mit Bedacht geplant in Erinnerung an den Ordensgründer Don Bosco, der im 19. Jahrhundert im norditalienischen Turin die Hinterhöfe öffnete, um Kindern einen behüteten Anlaufpunkt und Perspektiven fürs Leben zu bieten. Das bekannte Lebensmotto des Heiligen „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“ setzt dem Orden heute noch Maßstäbe und wurde sicher auch von der ebenfalls heiliggesprochenen Maria Mazzarello geteilt, die 1872 mit ihm gemeinsam die Ordensgemeinschaft der Don Bosco-Schwestern gründete. Denn in guter Stimmung mit Kindern die Zeit zu verbringen und ihnen zu signalisieren: „Ich bin gern bei euch“, das ist auch das Kennzeichen der heutigen  Borbecker Don Bosco-Kindertagesstätte, in der 90 Kinder aus 27 Nationen spielen und lernen. „Liebenswürdigkeit war ein wichtiger Begriff für Don Bosco“, erklärt Schwester Birgit Holtick (62), Leiterin der Essener Gemeinschaft.

Birgit Holtick war bis 2017 in die Arbeit des Jugendhauses St. Altfrid in Essen-Kettwig  eingebunden und ist nun in der Jugend- und Familienseelsorge der Pfarrei St. Dionysius in Borbeck tätig. Ihre Mitschwester Rita Breuer (58) ist Altenheim-Seelsorgerin in Einrichtungen der Nikolaus-Groß-Stiftung. Die Dritte der Borbecker Schwestern, Birgit Baier (66), leitet die „Missionsprokur“ – die Fundraising-Stelle der Don Bosco-Schwestern, die in den deutschsprachigen Ländern Spenden sammelt für Entwicklungshilfeprojekte der Kongregation, die auf fünf Kontinenten vertreten ist und ihr Zentrum in Rom hat. Schwester Birgit ist exzellent vernetzt: Zu Beginn des Ukraine-Krieges konnte sie spontan 3.000 Adressen aus dem Hut ziehen, um Geld für die soziale Arbeit der Mitschwestern im Kriegsgebiet zu erbitten.

In direkter Nachbarschaft zu den Salesianern Don Boscos

Die drei Schwestern leben in direkter Nachbarschaft zu den Salsesianern Don Boscos, die das Gymnasium nebenan betreiben. In den 1920er Jahren hatten die Salesianer in Borbeck zunächst ein Knabenheim gegründet, in dem Jugendliche während ihrer Ausbildungszeit wohnten. Die ersten Don Bosco-Schwestern sollten hier vor allem den Haushalt führen, sammelten in ihrer gutgelaunten Art aber schnell die Mädchen des Stadtteils um sich und gründeten noch vor dem zweiten Weltkrieg einen Kinderhort, in dem 60 Kinder während der Arbeitszeit ihrer Eltern beaufsichtigt und beschäftigt wurden. Nach dem Krieg wurden Schule und Kindergarten gebaut, und die Schwesterngemeinschaft konnte bis in die 1980er Jahre viele Ordenseintritte verzeichnen.

Ebenso wie anderen Kongregationen fehlt den Don Bosco-Schwestern in Essen heute der Nachwuchs. Ihr Haus hat 14 kleine Einzelzimmer: „Praktisch für uns, wenn wir spontan größere Jugendgruppen über Nacht unterbringen müssen“, sagt Schwester Birgit Holtick. „Aber langfristig muss natürlich eine tragfähige Perspektive für die Gemeinschaft und das Gebäude gefunden werden.“ Die internationale Vernetzung kann dabei helfen: Mit rund 11.500 Mitgliedern in 96 Ländern der Welt gehören die Don-Bosco-Schwestern zu den größten Ordensgemeinschaften der katholischen Kirche.

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