von Bernward Loheide und Hannah Krewer (KNA)

Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz

Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben einen neuen Vorsitzenden ‎gewählt. ‎In seiner ersten öffentlichen Ansprache macht Heiner Wilmer deutlich: ‎Es geht ihm ‎nicht in erster Linie um innerkirchliche Reformen.‎ ‎„Meine Hauptaufgabe sehe ich ‎darin, Gott ins Zentrum zu stellen“, so der neue Vorsitzende der Deutschen ‎Bischofskonferenz.‎

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Die katholischen Bischöfe bestimmten den 64-Jährigen am Dienstag bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Würzburg zum Nachfolger des Limburger Bischofs Georg Bätzing, der das Amt sechs Jahre lang innehatte.

Bischof „mit Frische und Schmackes“

„Für uns im Zentrum steht die Verkündigung des Evangeliums, und wir machen das mit Frische und mit Schmackes und gehen dabei manchmal übern Deich mit 'ner steifen Brise im Haar.“

(Bischof Heiner Wilmer auf die Frage, was er als Bischof eines norddeutschen Diaspora-Bistums denn anders mache als zum Beispiel Bischöfe aus Süddeutschland)

Wilmer steht seit 2018 an der Spitze des Bistums Hildesheim. Der Ordensmann aus dem Emsland gilt zwischen Konservativen und Reformern als Vermittler, der auf Beteiligung und Dialog setzt. Das wurde bereits bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Wahl deutlich. Anders als Bätzing, der offensiv für Kirchenreformen eingetreten war, reagierte Wilmer zurückhaltender und frommer. Er sagte: „Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, Gott ins Zentrum zu stellen.“

Auf die Frage, ob er für eine Priesterweihe von Frauen sei, sagte er: „Es geht darum, die Kompetenz von Frauen sichtbar zu machen und wichtige Positionen mit Frauen zu besetzen.“ Er begrüße es, „dass die Weltsynode das Thema Frauen in Ämtern auf der Tagesordnung hat“.

Bischofskonferenz gespalten

Erwartet wird vom neuen Vorsitzenden, dass er die Spaltung der Bischofskonferenz beim Umgang mit dem deutschen Reformprojekt Synodaler Weg überwindet und auch Differenzen mit dem Vatikan beilegt. Wilmer hat mehrere Jahre in Rom gelebt, spricht fließend Italienisch und hat sehr gute Kontakte in den Vatikan.

Vier konservative Bischöfe in Deutschland hatten sich aus dem Reformprojekt zurückgezogen, in dem es etwa um innerkirchliche Gewaltenteilung, eine neue Sexualmoral und um Weiheämter für Frauen geht. In der Kirchenleitung in Rom gab es ebenfalls starke Bedenken - auch gegen die geplante Einrichtung eines synodalen Gremiums von Bischöfen und Laien auf Bundesebene. Die Satzung dieser Synodalkonferenz soll auf der noch bis Donnerstag laufenden Bischofs-Vollversammlung in Würzburg abgesegnet werden.

„Meine Mitbrüder wollen Gleiches“

Auf die Frage, wie er die Bischofskonferenz in diesen Fragen zu einer Einheit führen will, ging Wilmer nicht konkret ein, sondern sagte: „Ich bin fest davon überzeugt, dass alle meine Mitbrüder Gleiches wollen, nämlich das Evangelium zu verkünden, die frohe Botschaft zu leben und auszustrahlen und so im Sinne des Höchsten zu handeln.“

Bischöfe bestätigen Beate Gilles als Generalsekretärin

Neben der Neuwahl des Vorsitzenden haben die Bischöfe ihre Generalsekretärin Beate Gilles (55) im Amt bestätigt. Sie hatte 2021 als erste Frau das Generalsekretärsamt der Bischofskonferenz übernommen. Außerdem bestätigten die Bischöfe ihren Pressesprecher Matthias Kopp.

Mit 19 Jahren trat Wilmer in den Orden der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) ein. Er studierte Theologie und weitere Geisteswissenschaften in Freiburg, Paris und Rom. Der promovierte Theologe arbeitete zeitweise als Lehrer in der New Yorker Bronx, leitete später das ordenseigene Gymnasium in Handrup (Emsland) und wurde 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz. 2015 wechselte er nach Rom, wo er als Generaloberer die weltweite Leitung des Ordens übernahm und enge Kontakte in den Vatikan knüpfte.

Bundesweit profilierte sich Wilmer zuletzt mit gesellschaftspolitischen Stellungnahmen, etwa zu Demokratie, Sozialstaat und Klimaschutz. In der Bischofskonferenz leitete er bisher die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.

Kirche als Botschafterin des Friedens

Die Kirche wolle Botschafterin des Friedens sein, betonte Wilmer weiter. Das gelte angesichts der vielen Krisen und politischen Auseinandersetzungen in der ganzen Welt, aber auch mit Blick auf die Stimmung in der deutschen Gesellschaft. Die christliche Hoffnung sei größer als ein naiver Optimismus, so der neue Vorsitzende. Die Kraft des Evangeliums sei es, aus einer Haltung der Demut stark zu sein.

WhatsApp-Kanal des Bistums Essen

Wilmer wandte sich zugleich an Betroffene sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche und sagte: Ihre Stimmen müssten gehört werden, jeder Schritt der Aufarbeitung gewinne durch das Zeugnis von Betroffenen an Tiefe und Wahrheit.

Pressestelle Bistum Essen

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