von Thomas Rünker

Der goldene Engel schwebt vom Bischofshaus

Nachdem im Frühjahr des vergangenen Jahres ihr Arm abgebrochen war, ist die goldene Figur am Donnerstag vom Dach des Bischofshauses gehoben und in die Düsseldorfer Kunstgießerei Kayser gebracht worden. Dort erhält sie einen neuen Arm und wird auch darüber hinaus überarbeitet. Im Advent soll der Engel wieder an seinem Platz stehen.

Um 11.38 Uhr macht der Engel über dem Bischofshaus das, was Engel gemeinhin tun sollen: Er fliegt. Oder besser: Er schwebt. Ganz langsam, fast grazil steigt er vom Dach auf, während seine goldenen Flügel vor den dunklen Regenwolken in der Sonne leuchten. Zum ersten Mal seit sie 1957 über dem Portal montiert worden ist, verlässt die vom Künstler Ewald Mataré geschaffene Figur ihren Platz. Und das nicht einmal freiwillig: Nachdem im Frühjahr des vergangenen Jahres wohl eine Sturmböe den ausgestreckten rechten Arm abgebrochen hat, steht dem Engel nun eine Transplantation bevor – dafür muss er in die Werkstatt. Vorsichtig haben die Dachdecker dem Engel weiche Seile um die Brust geschlungenen. Daran aufgehängt bringt ein Kranführer die knapp 200 Kilogramm schwere Figur nun sicher in Richtung Boden.

Während der Engel am Kran hängend einen Meter über dem Boden schwebt begutachten Domschatzkammer-Leiterin Andrea Wegener, Dombaumeister Ralf Meyers und der Restaurator Karl Tobias Friedrich die kostbare, aber auch sichtlich in die Jahre gekommene Skulptur aus der Nähe. „Die Demontage hat erstaunlich gut geklappt“, freut sich Wegener. Vorsichtshalber hatte das Team mit verrosteten Schrauben und ähnlichen denkbaren Widrigkeiten gerechnet. Doch zusammen mit den Dachdeckern konnte der Engel, der auf einer goldenen Kugel steht und auf dem Dach durch eine am Rücken fixierte Stange gestützt war, leicht emporgehoben werden. Gut zu sehen ist jetzt die mit blauem Klebeband verschlossene Bruchstelle, an der der Arm abgeknickt war, der seitdem verschollen ist. Friedrich deutet jedoch auch auf zahlreiche Flecken und andere Beschädigungen der vergoldeten Bronze-Figur. Klar ist: Dem Mataré-Engel steht nicht nur die Montage eines neuen Arms bevor, sondern gleich eine kleine Generalsanierung. Da geht’s dem himmlischen Flügelwesen kaum anders als manch menschlichem Zeitgenossen, der im gehobenen Alter ins Krankenhaus kommt.

Ewald Mataré

Der 1887 in der Nähe von Aachen geborene Ewald Mataré gilt als einer der wichtigsten Künstler der Klassischen Moderne in Deutschland. Von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert, übernahm er 1948 eine Bildhauerklasse an der Kunstakademie Düsseldorf. Insbesondere ab 1947 erhielt Mataré zahlreiche kirchliche und öffentliche Aufträge und gestaltete zum Beispiel das Westfenster des Aachener Doms, die Bronzetüren für das Südportal am Kölner Dom, das Domportal in Salzburg oder die Portale der Weltfriedenskirche in Hiroshima. 1965 starb Mataré.

Das „Hospital“ für den Mataré-Engel und allerlei andere metallene Skulpturen ist die Kunstgießerei Kayser in Düsseldorf. Dort war in den vergangenen Wochen bereits ein Zwilling des Essener Mataré-Engels zu Gast, den das Museum Kurhaus Kleve ausgeliehen hatte. Mit einem Abguss vom Klever Engel wollen die Kunstgießer dem Mataré-Engel nun einen neuen rechten Arm erstellen.

Dass auf dem Weg von Essen nach Düsseldorf nichts zu Bruch geht, ist Aufgabe der Kölner Kunstspedition Brandl. Zentimeter für Zentimeter lässt der Kranführer den Engel langsam in eine gut gepolsterte Holzkiste herab. Zwei Brandl-Mitarbeiter halten die Figur, bis sie auf dem Bauch zu liegen kommt. Praktisch: Die passend geschreinerte Kiste kommt bereits zum zweiten Mal zum Einsatz. Zwischen Kleve und Düsseldorf ist darin auch schon der Zwillings-Engel gereist. Jetzt wird sein vergoldetes Pendant aus Essen mit jeder Menge Schaumstoff unterfüttert und mit gut gepolsterten Bändern verschnürt, damit er sich im Transporter der Spedition nicht bewegt.

Auf dem Essener Bischofshaus markiert nun nur eine dünne Metallstange die Stelle, an der – wenn alles klappt – spätestens im Advent der Mataré-Engel wieder seinen Platz einnehmen soll: Mit neuem Arm, frisch vergoldet und hier und da vielleicht auch etwas verstärkt soll er dann auf dem Dach über dem Eingang mindestens die nächsten 65 Jahre Wind und Wetter trotzen und Besuchern des Burgplatzes einen echten Lichtblick bescheren, wenn sie in den Himmel schauen.

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