von Thomas Rünker

„Christlich leben. Mittendrin.“: Bistum gibt Entwicklung mehr Zeit und stärkt ehrenamtliche Mitverantwortung

Das Bistum Essen hat sein Programm „Christlich leben. Mittendrin.“ weiterentwickelt: Erst sollen die Stadt- und Kreispfarreien, dann die neuen lokalen Kirchennetzwerke entstehen, die ehrenamtliche Mitverantwortung soll in den neuen Gremien gestärkt werden und die Stadt- und Kreiskirchen bekommen mehr Zeit für eine flexible Entwicklung.

Mehr Verantwortung fürs Ehrenamt, mehr Flexibilität vor Ort und insgesamt mehr Zeit – diese Schwerpunkte prägen die Weiterentwicklung des Programms „Christlich leben. Mittendrin.“ Künftig sollen zunächst die neuen, größeren Pfarreien gebildet werden, bevor die Netzwerke der Stadt- und Kreiskirchen entstehen. Ab 2029 wird es in den Pfarreien zudem neue Gremien geben, in denen Ehrenamtliche mehr Verantwortung übernehmen können als dies bislang geplant war.

Im März hatte der Gemeinsame Rat im Bistum Essen sieben Empfehlungen zu „Christlich leben. Mittendrin.“ vorgelegt. Auf dieser Basis haben die Bistums-Verantwortlichen das Programm weiterentwickelt, das die katholischen Organisationen und Einrichtungen in den Städten und Kreisen des Bistums zu sichtbaren Netzwerken als Stadt- oder Kreiskirche verbinden will. In diesen kommunalen Netzwerken sollen Pfarreien in deutlich größeren Einheiten als bislang eine wichtige Rolle spielen. „Mit dieser Weiterentwicklung nehmen wir die Hinweise des Gemeinsamen Rates ernst, aber auch die vielen Rückmeldungen, die wir Anfang des Jahres nach der Vorstellung der ersten Modellvorschläge erhalten haben“, erläutert Generalvikar Klaus Pfeffer. „Gleichzeitig erden wir unsere Vision und passen die ersten Entwicklungsideen an die tatsächlich vorhandenen strukturellen, finanziellen und personellen Möglichkeiten in unserem Bistum an.“

Erst die Pfarreien, dann die Stadt- und Kreiskirchen

Um hauptberuflich und ehrenamtlich Engagierte vor Ort nicht zu überlasten, heißt es bei der Umsetzung von „Christlich leben. Mittendrin.“ nun „eins nach dem anderen“: Zunächst werden die neuen Stadt- oder Kreispfarreien gebildet, so wie sich bereits Anfang des Jahres die Pfarreien in Bottrop und Oberhausen zusammengeschlossen haben. Die bisherigen Zeitpläne hierfür bleiben in Kraft. Anschließend – und mit mehr Zeit als bislang vorgesehen – sollen die Stadt- und Kreiskirchen-Netzwerke mit den Pfarreien und den weiteren katholischen Einrichtungen und Organisationen vor Ort entstehen.

Ehrenamtliche Mitverantwortung auch im Pfarreivorstand

Viele Diskussionen hatte es in den vergangenen Monaten um die künftige Gremienstruktur der neuen Pfarreien gegeben. Nun steht fest: Anstelle der bisher getrennten Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände wählen die Kirchenmitglieder künftig nur noch ein Gremium: den Pfarrsynodalrat, der pastorale, wirtschaftliche und strategische Fragen der Pfarrei zusammenführt und im Rahmen seiner Zuständigkeiten mitentscheidet. Mit ihm zusammen bildet der Pfarreivorstand als Rechtsträger- und Managementorgan die künftige Leitungsarchitektur der Kirchengemeinde. Anders als bislang geplant, wird dieser nicht nur mit dem Pfarrer, der Verwaltungsleitung und weiteren hauptamtlich Beschäftigten besetzt, sondern auch für Ehrenamtliche offenstehen. Künftig wird der gewählte Pfarrsynodalrat die Mehrheit der Mitglieder des Pfarreivorstands bestimmen. Eingeführt wird die neue Gremienstruktur 2029, wenn die Amtszeit der im vergangenen Jahr gewählten Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände endet.

Projekte vor Ort bleiben auch in größeren Pfarrei-Strukturen im Blick

Trotz größer werdender Strukturen bleibe es die zentrale Aufgabe der Pfarreien, „pastorale Nähe, klare Verantwortung, subsidiäre Beteiligung und starke Kooperation verlässlich miteinander zu verbinden“, sagt Johannes Vutz, Manager für das Programm „Christlich leben. Mittendrin.“ Entscheidend sei bei der Bildung der Stadt- und Kreispfarreien, „Erreichbarkeit, Kommunikation, Beteiligung und Verantwortung vor Ort gut zu organisieren“. Initiativen und bestehende Angebote, bei denen sich Ehrenamtliche zum Beispiel an einem Kirchort oder in ihrem Quartier engagieren, sollen deshalb in der weiteren Entwicklung berücksichtigt werden.

Stadt- und Kreiskirche-Netzwerke entstehen aus den Erfahrungen vor Ort

Auch wenn die Stadt- und Kreiskirchen als offene Netzwerke christlichen Lebens jetzt erst nach den Stadt- und Kreispfarreien entstehen werden, „bleiben sie das zentrale Bild von ‚Christlich leben. Mittendrin.‘“, betont Vutz. Die Netzwerke sollen nun stärker aus der Praxis heraus entwickelt werden. Das Bistum verzichtet vorerst darauf, den Akteuren vor Ort Rahmenordnungen und ähnliche Vorgaben zu machen. Mögliche Ressourcen – zum Beispiel für ein Koordinierungsbüro – müssen die Netzwerkpartner in der jeweiligen Kommune aus eigenen Mitteln zur Verfügung stellen. „Zusätzliche Finanzmittel oder Personal auf Bistumsebene sind nicht vorhanden“, betont Vutz.

In den kommenden Monaten sollen im Bischöflichen Generalvikariat die weiteren Modelle und Ordnungen erarbeitet werden, die im November erneut dem Gemeinsamen Rat vorgelegt werden. Parallel dazu wird das Bistum die finanziellen und personellen Rahmenbedingungen für die kommenden Jahre konkreter ausarbeiten. Damit wolle das Bistum helfen, „Erwartungen, Aufgaben und Möglichkeiten realistisch miteinander zu verbinden“, so Vutz.

Ansprechperson

Programm-Manager Christlich leben. Mittendrin.

Johannes Vutz

Zwölfling 16
45127 Essen

Pressestelle Bistum Essen

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