von Thomas Rünker

Bottrops Dienstags-Messdiener feiert Jubiläum: 1000. Einsatz für Helmut Kewitsch

Mit 87 Jahren steht Helmut Kewitsch noch immer jeden Dienstag am Altar von St. Cyriakus in Bottrop. Heute hat der langjährige Seniorenmessdiener seinen 1000. Einsatz absolviert – und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Vier Jahre lang möchte er mindestens noch weitermachen.

Das war die 1000. Messe. Im schwarz-weißen Gewand schreitet Helmut Kewitsch neben dem früheren Bottroper Propst Paul Neumann die Altarstufen hinunter und biegt links ab Richtung Sakristei. Nur die Rose in der Hand des 87-Jährigen deutet darauf hin, dass dieser vermeintlich ganz normale Gottesdienst heute doch etwas Außergewöhnliches ist: Zum 1000. Mal hat Kewitsch heute in der Bottroper St. Cyriakus-Kirche einen Gottesdienst am Dienstagmorgen als Messdiener begleitet. Ein Seniormessdiener mit viel Erfahrung und großen Plänen.

Neumann – damals Pfarrer von St. Cyriakus – hatte 2003 die Idee, Senioren als Messdiener für die morgendlichen Messen an Dienstagen und Donnerstagen zu gewinnen. Von den vier Rentnern, die seinerzeit begonnen haben, sind inzwischen drei gestorben – nur Helmut Kewitsch übt seinen Dienst mit sichtbarer Freude und erstaunlicher Vitalität aus. „Nur das Hinknieen mache ich nicht mehr. Da komme ich nicht mehr hoch“, sagt der Senior.

Der ehemalige Lehrer hat alle Dienste fein säuberlich protokolliert

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Dass er an diesem Dienstag seinen exakt 1000. Messdiener-Dienst absolviert, weiß er mit Sicherheit. Denn der ehemalige Volks- und Hauptschullehrer hat alle Dienste fein säuberlich protokolliert. Auch den ersten: 16. September 2003, 9 Uhr. Kewitsch war seitdem so gut wie jeden Dienstag da. „Ausnahmen gab es höchstens an Geburtstagen, krank war ich eigentlich nie.“

Messdiener ist Kewitsch allerdings schon viel länger. „Ich möchte das hier noch mindestens vier Jahre machen – dann bin ich 80 Jahre Messdiener“, sagt der 87-Jährige. Nach einer Kindheit in Krieg und Wiederaufbau kam Kewitsch 1950 zu den Messdienern von St. Cyriakus. Kewitsch erinnert sich an Ausflüge, einen tollen Zusammenhalt und das Training für die Messe: lateinische Gebete und die richtige Haltung, zum Beispiel „Fingerspitzen auf Schulterhöhe“ für die gefalteten Hände. Damals wurden die Gottesdienste noch nach der alten Liturgie gefeiert. „Da stand hier noch ein großer Hochaltar, an dem der Priester mit dem Rücken zum Volk gebetet hat“, erinnert sich der Langzeit-Messdiener. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil habe sich das in den 1960er Jahren verändert. „Das ist heute viel besser“, sagt Kewitsch: ein der Gemeinde zugewandter Priester und Texte in einer Sprache, die die Menschen auch verstehen.

„Ich habe im Gottesdienst alles gemacht, was Laien machen dürfen.“

Mit 25 Jahren – also Mitte der 1960er Jahre – ist Kewitsch aus dem aktiven Messdiener-Dienst ausgestiegen. „Da bin ich nur noch eingesprungen, wenn jemand gefehlt hat.“ Doch für seine St. Cyriakus-Gemeinde hat er sich weiter engagiert, wurde Lektor, später Kommunionhelfer und hat Kinder und Jugendliche auf die Erstkommunion und die Firmung vorbereitet. „Ich habe im Gottesdienst alles gemacht, was Laien machen dürfen.“ Daran konnte er als Ruheständler ab 2003 direkt wieder anknüpfen: Kelch und Schale für die Kommunion zum Altar bringen, dazu die Kännchen mit Wein und Wasser, Klingeln während der Wandlung – und nicht nur das: In den Gottesdiensten am Dienstagmorgen liest Kewitsch auch aus der Bibel vor und betet die Fürbitten. Für dieses vielfältige und langjährige Engagement hat das Bistum Essen ihm bereits im vergangenen Dezember sein Ehrenzeichen verliehen. „Sie sind ein kleiner, aber wichtiger Baustein im Haus der Kirche“, würdigte Neumann Kewitsch am Dienstag nach seinem 1000. Einsatz.

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Natürlich betrübt es den Langzeit-Ministranten, dass „der Kirchenbesuch mittlerweile so gering geworden ist“, sagt er. Gerade ein gutes Dutzend Menschen feiert heute seine Jubiläumsmesse mit. Aus eigener Erfahrung empfiehlt Kewitsch: „Wer regelmäßig kommt, versteht immer mehr, was mit dem Glauben gemeint ist“. Für Kewitsch ist der regelmäßige Mess-Dienst auch in Zukunft keine Frage, „vorausgesetzt, ich bin dazu noch körperlich und geistig in der Lage“. Er verabschiedet sich, winkt in die Runde und verschwindet in der Sakristei: „Bis nächsten Dienstag!“

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