Bistums-Schulen fördern junge Talente

Als Gymnasiast zum Frühstudium an die Uni oder als „Ruhrtalent“ auf dem Weg zur maßgeschneiderten Förderung – Begabungsförderung an der Bischöflichen Sekundarschule und am Mariengymnasium in Essen.

Verschiedene Talent- und Begabungsförderangebote an den Bischöflichen Schulen im Ruhrbistum verfolgen unterschiedliche Ansätze

Das Frühstudium-Programm der Uni Duisburg-Essen ermöglicht guten Schülern des Mariengymnasiums, schon vor dem Abi Vorlesungen und Kurse zu belegen

Das Programm "Ruhrtalente" unterstützt Schüler der Sekundarschule am Stoppenberg mit maßgeschneiderten Programmen

Die eine managt neben der Schule einen Großteil des Lebens ihrer Familie, weil sie als einzige gut Deutsch spricht – die andere büffelt nach ihren Oberstufen-Kursen freiwillig für eine Biologieklausur an der Uni, um als Elftklässlerin schon mal Hochschul-Luft zu schnuppern. Zwei von mehreren Schülerinnen und Schülern an Bistums-Schulen, die dank gezielter Förderung noch stärker werden: Die aus dem Irak stammende Maryam besucht in Essen-Stoppenberg die zehnte Klasse der Bischöflichen Sekundarschule und wurde nun zusammen mit dem aus Ghana stammenden Neuntklässler Nelson in das Schülerstipendienprogramm „Ruhrtalente“ aufgenommen. Rund zehn Kilometer weiter südlich war Luisa vor zwei Jahren noch die erste Frühstudentin am Mariengymnasium in Essen-Werden. Nun ist sie in Jahrgangsstufe elf und zusammen mit drei Mitschülern – und dem Segen der Schule – regelmäßig in Hörsälen und Seminarräumen der Universität Duisburg-Essen unterwegs.

Wer tut sich diesen Stress an, neben Klausuren, die fürs Abi zählen, auch noch die Hörsaalbank zu drücken? Luisa mag von „Stress“ nicht sprechen, sondern sagt „mir macht das unglaublich viel Spaß“. Im aktuellen Semester hat sie Kurse in Biologie und Medizin belegt. Am liebsten möchte sie später Medizin studieren – allerdings können Frühstudenten in den Veranstaltungen für angehende Ärztinnen noch keine Klausuren schreiben. Immerhin gab’s zuletzt einen Kurs in Ostheologie, der Lehre von den Knochen – „da habe ich mir dann wie die Mediziner alle Knochen auf die Hand gemalt, um sie zu lernen“, erzählt Luisa mit einem Lachen.

Schüler freuen sich über anspruchsvolles Fachwissen

Zehntklässler Jonas ist da vor einigen Wochen ein wenig nüchterner ins Frühstudium gestartet – aber seitdem nicht weniger begeistert: Er belegt „Internationale Beziehungen“ am Campus Duisburg und urteilt ähnlich wie Luisa: „Fachlich ist das super cool. Es ist total spannend, sich das anzuhören und geht weit über das hinaus, was ich an der Schule lerne.“ Doch das Fachwissen ist nicht der einzige Ertrag des Frühstudiums, sind sich Luisa und Jonas einig: „Wir lernen auch die Uni kennen und wissen jetzt schon wie das alles hier funktioniert.“ Ein Know-how, das sich reguläre Erstsemester erst erarbeiten müssen.

Das Bischöfliche Mariengymnasium wirbt mit seiner Begabungsförderung offensiv für die Möglichkeit, schon als Schüler studieren zu gehen. Infrage kommen dabei nur Jugendliche, die in allen Fächern gute bis sehr gute Noten haben. Das gilt gerade dann, wenn Frühstudenten ausnahmsweise Schulstunden ausfallen lassen müssen, weil der Uni-Stundenplan es nicht anders möglich macht, sagt Jonas. „Dann müssen wir den Stoff natürlich nacharbeiten.“ An der Uni Duisburg-Essen gibt es das Frühstudium bereits seit 16 Jahren. An der Hochschule gibt es ein eigenes Team, das das Verzeichnis mit den Vorlesungen und Übungen erstellt, die den Schülern offen stehen, und auch sonst für alle Fragen der Frühstudenten ansprechbar ist.

„Ruhrtalente“-Programm fördert „Bildungsaufsteiger“

Herausragende Noten sind bei den „Ruhrtalenten“ nicht unbedingt ausschlaggebend für eine Aufnahme in das Stipendienprogramm – zentral ist der Begriff der „Bildungsaufsteiger“: Kinder, die trotz oft denkbar schlechter Startchancen in der Schule und im Leben ihren Weg gemacht haben – und nun dank „Ruhrtalente“ eine zusätzliche maßgeschneiderte Förderung in Richtung Job erhalten. Unterstützt werden Maryam, Nelson und die aktuell 300 weiteren Stipendiaten mindestens bis zum Start einer Berufsausbildung oder eines Studiums, zum Teil sogar darüber hinaus. „Die Unterstützung läuft ganz individuell“, berichtet Benedikt Bahrfeck, stellvertretender Schulleiter der Sekundarschule, von der sich schon mehrere Schüler als „Ruhrtalent“ qualifizieren konnten.

Wer als Stipendiat aufgenommen werden möchte, muss sich mit einem persönlichen Schreiben bewerben, Empfehlungen von Lehrern vorweisen und sich in einem Auswahlgespräch vorstellen. Wer wie Maryam und Nelson den Sprung ins Stipendiatenprogramm geschafft hat, bekommt nun wöchentlich eine E-Mail vom persönlichen Talentscout mit Angeboten zu Workshops, Praktika und Exkursionen. „Die öffnen den jungen Leuten wirklich Türen“, betont Bahrfeck und lobt den ganzheitlichen Ansatz des Programms. So stehen neben Tipps zum Lernen und Arbeiten zum Beispiel auch Kurse zu gesunder Ernährung oder Demokratie auf dem Programm.

Größtes Schülerstipendienprogramm in Nordrhein-Westfalen

Knapp fünf Jahre nach dem Start ist das von der RAG-Stiftung initiierte und maßgeblich finanzierte „Ruhrtalente“-Programm nach eigenen Angaben das größte Schülerstipendienprogramm in Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen der Ruhr-Konferenz wurde das Programm jüngst als eines der Zukunftsprojekte für beste Bildung im Ruhrgebiet ausgewählt und wird ab dem kommenden Jahr nun auch vom Land NRW finanziell unterstützt.

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