von Thomas Rünker

Bistum zeigt Oscar-prämierten „Ein Nobody gegen Putin“ in Mülheim und Essen

Er sollte Propaganda an seiner Schule dokumentieren – und machte daraus einen Oscar-prämierten Film über Indoktrination und Militarisierung des russischen Bildungssystems. Pawel Talankin kommt Anfang Oktober mit „Ein Nobody gegen Putin“ in die Mülheimer Bistumsakademie Die Wolfsburg und an zwei Essener Schulen und erzählt seine Geschichte.

Pawel Talankin ist der „Nobody gegen Putin“. In der kommenden Woche kommt der russische Lehrer und Videograf mit seinem Oscar-prämierten Dokumentarfilm „Mr. Nobody Against Putin“ über staatliche Propaganda im russischen Schulsystem nach Mülheim und Essen und spricht über seine Arbeit, die Situation in Russland und sein Leben im Exil.

Der 1991 geborene Talankin ist Lehrer, Videograf und Veranstaltungskoordinator an der Schule Nr. 1 in Karabasch im Ural. Er stammt aus dieser Kleinstadt in der Oblast Tscheljabinsk, südlich von Jekaterinburg, und war früher selbst Schüler der Schule Nr. 1. Mit dem Überfall der russischen Streitkräfte auf die Ukraine beginnt auch an seiner Schule eine Propaganda-Offensive. Im neu eingeführten Schulfach „Gespräche über Wichtiges“ werden die Schülerinnen und Schüler nun regelmäßig mit staatlich vorgegebenen patriotischen Inhalten konfrontiert, die den russischen Angriff auf die Ukraine als „militärische Spezialoperation“ rechtfertigen sollen.

Talankin soll die Propaganda dokumentieren

Als Videograf der Schule erhält Talankin die Aufgabe, diesen besonderen Unterricht zu dokumentieren, um gegenüber den Behörden die Umsetzung des speziellen Lehrplans zu belegen. Dadurch gelingt es ihm, Videoaufnahmen zu machen, „für die jeder Journalist sofort im Gefängnis gelandet wäre“, so Talankin. Er dokumentiert nicht nur die neuen patriotischen Töne, die seit 2022 in der Schule Nr. 1 Einzug halten, sondern zeigt auch, wie die Schule zu einem Instrument der staatlichen Militarisierung wird. So liefert Talankin mit seinen Bildern aus der tiefsten russischen Provinz einen Beleg für die Aussage von Russlands Präsident Wladimir Putin Ende 2023 bei einer Bürgersprechstunde: „Kriege werden nicht von Feldherren gewonnen, sondern von Lehrern an den Schulen.“

Flucht ins Exil

Talankin filmt in staatlichem Auftrag – und entwickelt doch schnell die Idee, dass seine Bilder nicht nur die Behörden interessieren könnten, sondern für die Zukunft bewahrt werden müssten. Er findet Kontakt zu US-Filmregisseur David Borenstein, mit dem Talankin für „Mr. Nobody against Putin“ („Ein Nobody gegen Putin“) schließlich gemeinsam Regie führt. Doch bis dahin filmt der russische Lehrer zunächst rund zwei Jahre lang weiter – als vermeintlicher Dokumentator. Erst im Sommer 2024 bekommt er den Eindruck, dass die Gefahr für ihn wächst. Plötzlich steht ein Polizei-Auto vor seinem Haus, und seine kritische Haltung zum Krieg scheint sich herumzusprechen. Ohne sich von irgendjemandem zu verabschieden, bucht Talankin eine Urlaubsreise und flieht – mit seinen Festplatten voller Videoaufnahmen im Gepäck.

Preise für den Dokumentarfilm

Im Exil stellt er zusammen mit Borenstein aus seinem Material einen 90-minütigen Kinofilm zusammen, der Anfang 2025 beim US-amerikanischen Sundance-Festival Premiere feiert – und dort im Wettbewerb Ausländischer Dokumentarfilm den Sonderpreis der Jury gewinnt. Im vergangenen März wird „Mr. Nobody Against Putin“ bei den Academy Awards als bester Dokumentarfilm mit dem Oscar ausgezeichnet.

Am Freitag, 9. Oktober, präsentiert Talankin den Film in der Mülheimer Bistumsakademie „Die Wolfsburg“. Ab 17.15 Uhr läuft zunächst der Film. Nach einer Pause mit Imbiss diskutiert Talankin gemeinsam mit dem Journalisten, Schriftsteller und Dolmetscher Artur Weigandt und Akademiedozent Jens Oboth über die Hintergründe, die politische Situation in Russland und die Wirkung dokumentarischen Erzählens. Der Tagungsbeitrag beträgt 19 Euro, ermäßigt 11,40 Euro, für Schülerinnen und Schüler ist der Besuch gemeinsam mit ihren Lehrkräften kostenfrei. Anmeldung mit der Tagungsnummer A26173 per E-Mail oder telefonisch: 0208 / 99919-981.

Talankin besucht das Mariengymnasium und das Gymnasium am Stoppenberg

Bereits am Mittwoch, 7. Oktober, präsentieren Talankin und Weigandt den Film ab 18 Uhr im Bischöflichen Mariengymnasium, Brückstraße 108 in Essen-Werden. Während an diesem Abend neben Schülerinnen und Schülern auch weitere Interessierte willkommen sind, zeigt Talankin „Ein Nobody gegen Putin“ am Donnerstag, 8. Oktober, im Essener Gymnasium am Stoppenberg als reine Schulveranstaltung.

Pressestelle Bistum Essen

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45127 Essen