Bistum wirbt mit Currywurst, Segen und Virtual Reality für mutige Innovationen
In den Kitteln des "Mut-Labors" verteilen der Essener Cityseelsorger Bernd Wolharn (links) und Bistums-Mitarbeiter Hendrik Große-Kreul beim "Essener Abend" auf dem Würzburger Katholikentag Currywurst. Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen
„Bistum Essen + Trinken“ – die handschriftliche Ergänzung am offiziellen Stand des Ruhrbistums auf dem 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg bringt am Donnerstagabend auf den Punkt, weshalb sich ab 17 Uhr über 100 Menschen um das weiße Pagodenzelt am Mainufer drängen. Beim ersten „Essener Abend“ in der jüngeren Katholikentags-Geschichte sorgen Currywurst, Essener Brauereiprodukte und Kaltgetränke für eine Gastlichkeit, die in Würzburg Menschen aus dem Ruhrbistum genauso anspricht wie Katholikentagsgäste aus anderen Regionen. Zumal die Currywurst nicht nur als herzhafter Snack gereicht, sondern garniert wird mit einer Lesung von Gregor Lauenburger. Seit sich der Schulseelsorger am Essener Mariengymnasium mit der Geschichte des Ruhrpott-Kultessens beschäftigt hat, gilt er augenzwinkernd als Deutschlands erster Currywurst-Seelsorger, der sein Lieblingsessen (mit Fleisch oder ohne) gelegentlich auch in seine seelsorgliche Arbeit einbaut.
„Willkommen im Mut-Labor“
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Doch auch ohne Currywurst und Kaltgetränk ist der Essener Bistumsstand an Christi-Himmelfahrt, dem ersten Öffnungstag der Kirchenmeile des Katholikentags, oft dicht umlagert. „Willkommen im Mut-Labor“ rufen die ehrenamtlichen und hauptberuflichen Bistums-Vertreterinnen und -Vertreter den vorbeipilgernden Katholikentagsgästen entgegen. Gekleidet in weiße Kittel vor einer bunten Kulisse aus Reagenzgläsern, Regalen und anderen Laborutensilien laden sie die Menschen zum Beispiel zum virtuellen Spaziergang über das Dach des Essener Doms ein. „Hab Mut, steh auf!“ ist das Motto des Katholikentags, das die Gäste am Stand des Bistums Essen mittels Virtual-Reality-Brille spielerisch angehen können. Die neunjährige Lina ist mutig, setzt sich die Brille auf und spaziert los – während ihre Eltern Christina und Andreas Keller zusammen mit Linas jüngeren Geschwistern Emily (7) und Johanna (4) auf einem großen Bildschirm verfolgen können, wie Lina von oben auf das grüne Domdach schaut. „Das hat Spaß gemacht!“, sagt sie, als sie die Brille zurückgibt – und natürlich wollen Emily und Johanna jetzt auch. „Wir sind aus Schweinfurt“, sagt Vater Andreas. Am Feiertag habe sich die Familie auf den Weg ins gut 40 Kilometer entfernte Würzburg gemacht, um zumindest ein paar Stunden Katholikentags-Atmosphäre zu erleben.
„Mutig + gesegnet“-Aufkleber von traute
Der Essener Stand steht nicht nur bei Familien hoch im Kurs. „Das sieht bei euch so anders aus als an den anderen Ständen, das mussten wir uns anschauen!“, sagen drei junge Frauen aus Bruchsal bei Karlsruhe. Auch sie steuern den Virtual-Reality-Spaziergang über den Essener Dom an. Während der Wartezeit informieren sie sich über traute, das Segensprojekt des Bistums, das dem Stand verschiedene runde Aufkleber beschert hat, die in viele Katholikentags-Taschen wandern: „Mutig + gesegnet“ bekommen Menschen, die den Drahtseilakt über dem Dom absolviert haben. „Verliebt + gesegnet“ gibt es genau wie „traurig + gesegnet“. „Chaotisch + gesegnet“ ist bei einigen der Weißkittel am Stand besonders beliebt. Und andere ahnen, dass spätestens ab Samstagmittag „müde + gesegnet“ auch hoch im Kurs stehen dürfte.
Tiny Houses aus Gelsenkirchen
Katholikentag erwartet 60.000 Gäste
Noch bis Sonntag treffen sich in Würzburg zehntausende Christinnen und Christen zum 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg. Unter dem Motto „Hab Mut, steh auf!“ gibt es hunderte Veranstaltungen zu gesellschaftlichen und kirchlichen Fragen, Gottesdienste, Konzerte und kreative Angebote. Der Katholikentag endet mit einem großen Freiluft-Abschlussgottesdienst vor der Würzburger Residenz, den das ZDF ab 10 Uhr live im Fernsehen überträgt.
Während die drei jungen Frauen über den Dom balancieren, stellen die beiden Seelsorgenden Markus Zingel und Laura Meemann aus Gelsenkirchen nebenan die Tiny Houses vor, die in der Pfarrei St. Urbanus entstanden sind. In einem Sozialprojekt sind diese Unterkünfte für Wohnungslose entstanden, die nun auf dem Gelände einer ehemaligen Gemeindekirche stehen. Wie traute gehören sie zu den innovativen Projekten aus dem Ruhrbistum, die in Würzburg dazu anregen sollen, auch anderswo in Deutschland die Kirche mit guten Ideen nach vorn zu bringen. Dazu gehört auch das Innovationslabor des Ruhrbistums, das kirchliche Initiativen durch Beratung, Vernetzung und finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung innovativer Ideen unterstützt.
Es ist ein buntes und dichtes Paket, das das Bistum Essen mit nach Würzburg gebracht hat: zwischen Currywurst und Virtual Reality, Segensaufklebern und Tiny Houses geht es ums Ausprobieren und Experimentieren – aber vor allem um eine fröhliche Gemeinschaft.








