Bischof Overbeck weiht neugestaltete Kirche im Jugendhaus St. Altfrid
Bischof Franz-Josef Overbeck klopft mit seinem Bischofsstab an die Tür der neu gestalteten Kirche des Jugendhauses St. Altfrid. Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen
Helle, offene Raumgestaltung lädt zum Verweilen und zur Begegnung ein
Kirche steht vor allem jungen Menschen und Gruppen als spiritueller Ort offen
Zwölf Wandleuchter stehen für die Apostel - und ein 13. für Maria Magdalena
Mit seinem Bischofsstab klopft Franz-Josef Overbeck dreimal kräftig an die massive Holztür. Die mit rostrotem Metall beschlagene Pforte wird geöffnet, und auf den Ruhrhöhen von Essen-Kettwig beginnt ein Gottesdienst, wie er in der katholischen Kirche in Deutschland derzeit nur ganz selten gefeiert wird: Overbeck feiert mit der Gemeinde die Einweihung eines neuen Gotteshauses. Und auch wenn die Fachleute, die den rund dreijährigen Planungs- und Bauprozess begleitet haben, wohl eher von einer umfassenden Sanierung samt Entkernung und Neugestaltung der erstmals 1981 geweihten Kirche des Jugendhauses St. Altfrid sprechen – gemeinsam mit dem Kirchenrektor Sven Christer Scholven möchte Overbeck mit dem vielfältigen Ritus der Kirchen- und Altarweihe betonen: „Es ist wirklich ganz neu geworden“, wie er der vor der Kirche wartenden Gemeinde zuruft.
Das spüren die Gäste, die kurz darauf mit dem Bischof in die leere Kirche strömen und sich auf den hellen Holzstühlen verteilen, die rings um den neuen Altar stehen. Alles wirkt freundlich, einladend, vor allem viel heller und in einer ganz anderen Farben- und Formensprache gestaltet als die Vorgängerkirche. Viele schauen sich um, staunen über die neuen Fenster im Dach und an der Rückwand und über die gemütlichen Sitznischen in den Wänden. Verantwortlich dafür sind die Innenarchitektin Claudia Ronge vom Büro „Helle Freude“, die mit einer Bistums-Projektgruppe die Neugestaltung geplant hat, sowie Christian Wiechers (Architekten Rein Wiechers aus Essen), der diese Pläne mit Dombaumeister Ralf Meyers als Projektleiter umgesetzt hat. Bischof Overbeck dankt ihnen zu Beginn der Feier für ihre Kreativität und Zuversicht.
Bischof erläutert die vielen ungewöhnliche Zeichen
In den folgenden rund zweieinhalb Stunden ist der Bischof gut beschäftigt. Dabei ist es ihm wichtig, den Menschen die zahlreichen und ungewöhnlichen Zeichen des Weihegottesdienstes zu erläutern. So solle das bewusste Eintreten in die neue Kirche „deutlich machen, was passiert, wenn wir Christen werden: Wir betreten einen neuen Raum“. Zudem sage Jesus selbst über sich: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“
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In seiner Predigt lädt Overbeck die Gäste ein, sich in der Kirche umzuschauen und die durch die neuen Fenster nun mögliche Verbindung zwischen dem Kirchenraum mit den beiden stilisierten Bäumen und der grünen Natur in der Umgebung wahrzunehmen. Zugleich stellt er seine Predigt unter das Thema Freundschaft, die gerade für viele Kinder und Jugendliche so wichtig sei, die mit ihrer Jugendgruppe oder Schulklasse das Jugendhaus besuchen. Overbeck wünscht, dass die neue Kirche den Besucherinnen und Besuchern helfe „Freundinnen und Freunde von Jesus sowie Freundinnen und Freunde ganz vieler Menschen zu werden“. Zugleich wünscht er, dass „an diesem Ort viele junge Menschen die vielfältigsten Formen geistlichen Lebens, Gebet, Spiritualität und Meditation kennenlernen“.
Reliquien des Heiligen Altfrid und des Heiligen Ludgerus ruhen im Altar
Dann wird es für den Bischof ein wenig sportlich: Gemeinsam mit Pastor Scholven beugt er sich tief unter die Glasplatte des neuen Altars, um zwei Reliquien in ein goldfarbenes Metallkästchen zu schieben, das in der stählernen Trägerkonstruktion des Altars angebracht ist. Overbeck beschreibt, dass die heute nur schwer verständliche Reliquientradition aus der ganz frühen Kirche stamme, als sich Christinnen und Christen über sterbliche Überreste in den Altären mit Glaubenszeuginnen und -zeugen verbunden hätten. Im neuen Altar der St.-Altfrid-Kirche ruhen Reliquien des Heiligen Altfrid – Gründer von Stadt und Stift Essen – und des Heiligen Ludgerus aus dem benachbarten Essen-Werden.
Mit Wasser, Öl und Feuer widmet sich Overbeck anschließend der eigentlichen Altarweihe – zuletzt ist dies im Bistum Essen im Dezember 2013 geschehen, als der Altar in der neugestalteten Kapelle der Bistumsakademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim geweiht wurde. Wie engagiert der Bischof Weihwasser verteilt, hatten die Gläubigen zu Beginn der Feier schon selbst erfahren. Nun besprengt Overbeck den Altar mit reichlich Wasser – und wechselt dann seine Dienstkleidung: Anstelle des Priestergewands legt er die „Gremiale“ genannte liturgische Schürze an sowie zwei weiße Arm-Stulpen. Man habe ihm vorab vorgeschlagen, nicht allzu viel Chrisam zu verwenden, sagt Overbeck mit einem Schmunzeln und zeigt auf das Glaskännchen mit dem Öl, das die Kirche neben Taufen und Firmungen eben auch für Weihen verwendet. Konzentriert gießt Overbeck das Öl auf die Glasplatte, verreibt es mit den bloßen Händen – und hat nicht einmal die halbe Fläche eingeölt, als das Kännchen leer ist. Doch Pastor Scholven weiß Abhilfe: Schnellen Schrittes läuft er in die Sakristei und kommt mit einer Steingut-Flasche zurück. Die erinnert den Bischof, wie er lachend berichtet, an die Schnapsbrennerei seiner Eltern. In der Kirche von St. Altfrid bewahrt man in der Bügelflasche jedoch den Chrisam-Vorrat, dank dem der Bischof die Altarweihe fortsetzen kann.
500.000 Euro beim Bau gespart
Anlass und größter Kostenfaktor beim Umbau der Kirche St. Altfrid war nicht die Umgestaltung im Inneren, sondern vor allem die technischen Erneuerung des Gebäudes. Das Haus wurde baulich ertüchtigt, bis auf den Rohbau entkernt und wieder neu aufgebaut. Die komplette Technik – Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro, Medien – wurde erneuert, insbesondere wurde das Haus energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Die neue Holzfassade ist für Gäste der Kirche besonders sichtbar. Ausführender Architekt des Gesamtprojekts war – unter der Projektleitung von Dombaumeister Ralf Meyers – Christian Wiechers von den Essener Architekten Rein Wiechers. Von den bislang gut 2,6 Millionen Euro Baukosten entfallen rund 400.000 Euro auf die neue Innengestaltung der Kirche. Trotz Inflation und Baukostensteigerungen der vergangenen Jahre liegen die Gesamtkosten rund 500.000 Euro unter dem ursprünglich genehmigten Budget.
Leuchter für 13 Apostel – und Maria Magdalena
Und damit nicht genug: Nach dem Altar salben Overbeck und Scholven auch die 13 Apostelleuchter der Kirche jeweils mit einem Chrisam-Kreuz. „Unsere Kirche ist auf 12 Apostel gegründet – und eine Apostelin“, erläutert Overbeck den Hintergrund – und eine Besonderheit der neuen Kirche: 2016 hatte Papst Franziskus Maria Magdalena, die nach Jesus Kreuzigung als erste den Auferstandenen gesehen hat, mit den 12 Aposteln gleichgestellt. Deshalb gibt es in der Kirche des Jugendhauses nun 13 Wandleuchter.
Zurück am Altar entzündet Overbeck fünf Schalen mit Weihrauch – Zeichen für das Gebet, das aus dieser Kirche wie Weihrauch zu Gott aufsteigen soll. Zugleich stehen die brennenden Feuer für die Wundmale Jesu und die Verwundungen der Menschen, so Overbeck: „Hier werden viele Menschen mit Wunden sein“, sagt der Bischof mit Blick auf künftige Gäste der Kirche und des Jugendhauses. Um diesen Menschen angemessen und heilsam zu begegnen wünscht er, „dass wir in dieser Kirche wundensensibel sind“.
Altar ist der Ort für Eucharistie und Heilige Schrift
Nach dem Weihegebet kommt ein großer Stapel Tücher zum Einsatz, mit dem die Glasplatte gereinigt wird – schließlich soll der Altar danach erstmals als solcher genutzt werden. Als der liturgische Assistent Marcus Mallmann den Altar mit Kerzen und Büchern bestückt wird die ungewöhnliche Doppelfunktion des runden Tischs deutlich: Er ist sowohl der Ort für die Bereitung der Gaben, die in der Eucharistie zu Jesu Leib und Blut gewandelt werden – als auch der Platz, von dem aus die Bibeltexte vorgetragen werden. Dies ist Zeichen der engen Verbindung von Eucharistie und Heiliger Schrift und zugleich Ausdruck der sparsamen Raumgestaltung der neuen Kirche. Die zeigt sich auch im Tabernakel, den Bischof Overbeck am Ende des Gottesdienstes weiht. Das Gefäß, in dem geweihte Hostien aufbewahrt werden, ist in das Wandkreuz der Kirche integriert.
„Die Kirche wird Kirche, wenn ihr sie bespielt“, hat Benediktinerpater Abraham dem Team in St. Altfrid gesagt, der in seiner Schmiede in der Abtei Königsmünster im sauerländischen Meschede alle Metallelemente der neuen Kirche geschaffen hat und am Freitagabend ebenfalls im Weihegottesdienst dabei ist. Dieses „Bespielen“ kann nun beginnen, mit Kinder- und Jugendgruppen oder Familien, die im Haus St. Altfrid zu Gast sind und die Kirche nutzen, mit den wöchentlichen Gottesdiensten am Sonntag um 11 Uhr und mit Besucherinnen und Besuchern, die diesen ungewöhnlichen Ort in der Regel werktags von 9 bis 16.30 Uhr besuchen können.
Die Predigt von Bischof Overbeck im Wortlaut (pdf)
Ansprechpartner
Leitung - Abteilung Kirchenrecht
Domvikar Lic. iur. can. Sven Christer Scholven
Zwölfling 16
45127 Essen
0201/2204-352
Ralf Meyers
Zwöfling 16
45127 Essen















