von Cordula Spangenberg

Overbeck: „Eine glaubwürdige Kirche, ein plausibler Glaube“

In seiner Predigt zum Gedächtnis des Leidens und Sterbens Jesu am Karfreitag ruft der Essener Bischof dazu auf, sich in Demut zu üben statt in falscher Gewissheit zu wiegen über Gottes Willen und Gottes Segen

Angesichts des Bildes, das die katholische Kirche in diesen Tagen abgibt, sieht Bischof Franz-Josef Overbeck die Botschaft des Evangeliums selbst in Gefahr. Grund dafür sei, dass die Kirche derzeit nicht als glaubwürdig wahrgenommen und der christliche Glaube nicht mehr für plausibel gehalten werde, sagte Overbeck in seiner Predigt am Karfreitag im Gottesdienst vom Leiden und Sterben Jesu Christi.

„Oft hilflos daherkommende Gutachten“

Viele Menschen glaubten der Kirche nicht mehr, im Missbrauchsskandal redlich um Entschuldigung bitten und Konsequenzen ziehen zu wollen. „Diese Perspektiven beschäftigen mich angesichts der öffentlichen Meinung der vergangenen Wochen und Monate, angesichts der oft hilflos daherkommenden Gutachten, die zwar manche Schuld und Verantwortungsbezüge aufweisen können, aber doch mehr als unvollständig sind und hohl zu werden drohen, wenn nicht alle systemischen Zusammenhänge und die moralische Verantwortung, die damit einhergeht, benannt werden“, so Overbeck. 

Info zur Karfreitags-Liturgie 

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes am Karfreitag steht die Kreuzverehrung. Die Feier beginnt traditionell um 15 Uhr zur Todesstunde Jesu. Nach der Verlesung der Leidensgeschichte wird in zehn langen Fürbitten nicht nur für die katholische Kirche gebetet, sondern auch für die anderen christlichen Konfessionen, andere Religionen und die ganze Welt. Im Anschluss an die Kreuzverehrung wird die Kommunion mit den am Vortag konsekrierten Hostien ausgeteilt.

„Unsere falsche Gewissheit darüber, was und wen Gott segnet

Mehrfach rief Overbeck dazu auf, sich in Demut zu üben, statt Recht haben zu wollen und sich in Sicherheit zu wiegen über das, was man von Gott zu wissen meine. Die öffentliche Sprache sei giftig und verstörend, oft widersprüchlich und dadurch wenig glaubwürdig. „Wie handeln wir, wenn durch Worte Menschen mundtot gemacht werden, die Lüge als scheinbare Wahrheit verkauft und dort Unschuld gepriesen wird, wo es nur Schuldzusammenhänge gibt?“, fragte der Essener Bischof. Gottes Schweigen in der Stille und Leere am Karsamstag übertöne jedoch „unsere falsche Gewissheit darüber, was und wen er segnet und wen nicht, wo doch Solidarität mit allen angesagt ist, die seines Segens bedürfen“.

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