von Thomas Rünker

Bischof Overbeck diskutiert in der Jugendkirche Tabgha über Karriere, Krieg und Kirche

Oberstufenschülerinnen und -schüler haben in der Duisburger Jugendkirche Tabgha mit Bischof Franz-Josef Overbeck diskutiert. Beim „Dialog mit der Jugend“ ging es um Gehalt, Gewissensfragen im Krieg, LGBTQ, Kirchenschließungen – und um Tattoos.

Entspannt in Ton und Atmosphäre, ernsthaft in den Themen: Beim „Dialog mit der Jugend“ in der Duisburger Jugendkirche Tabgha ging es am Donnerstag nicht nur um Berufsorientierung, sondern auch um tiefgehende persönliche und große gesellschaftliche Fragen. Erst konnten sich die gut 50 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Karl-Ziegler-Schule aus Mülheim und des Neuen Gymnasiums Bochum entspannt mit einem Getränk aus dem Kirchencafé aus erster Hand über Berufe wie Personalerin, Musikerin, Rechtsanwalt oder Seelsorgerin informieren. Anschließend stand ihnen Bischof Franz-Josef Overbeeck als Leiter des Ruhrbistums für ihre Fragen zur Verfügung.

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Wieviel Geld verdient ein Bischof?

„Verdienen Sie gut?“ lautete eine Frage der Jugendlichen, die noch am ehesten in Richtung Karriereplanung zielte. „Unsere Priester verdienen ungefähr so viel wie eure Lehrerinnen und Lehrer“, antwortete Overbeck. Als Bischof verdiene er mehr. „Damit lässt es sich sehr gut leben.“ Obwohl er eine große Wohnung unterhalten und viele Gäste bewirten müsse „brauche ich nicht alles Geld für mich und kann vieles spenden“. Dies sei in Deutschland ganz anders als bei Priestern und Bischöfen in anderen Ländern. „Ich bin gerne Priester geworden – und bin es immer noch“, antwortete Overbeck auf die Frage, ob er rückblickend in seinem Leben etwas anders gemacht hätte. Und er wandte sich an die Jugendlichen, die ihre Berufswahl noch vor sich haben: „Ich wünsche euch, dass ihr einen Beruf findet, mit dem ihr ein Leben lang glücklich seid.“

Fasten: nach Kalender oder wann man Lust hat?

Viele Fragen drehten sich um religiöse und politische Themen. Ein Mädchen mit Kopftuch berichtete von christlichen Freunden, die sich ihre Fastenzeit nicht vom Kalender diktieren lassen wollten. Overbeck verwies auf die Besonderheit, dass in diesem Jahr sowohl die christliche Fastenzeit als auch der muslimische Fastenmonat Ramadan beide am Aschermittwoch begonnen haben und sagte: „Religionen sind immer Rahmen, die ganz viele Menschen zusammenbringen. Es ist gut, Zeiten zu haben, in denen man bestimmte Dinge gemeinsam tut.“ Die Fastenzeit und der Ramadan seien solche besonderen Zeiten. Und drumherum könne ja ohnehin jede und jeder fasten, wann und wie sie oder er möchte.

Militärseelsorge unterstützt bei Gewissensentscheidungen

Was er als Militärbischof für die deutsche Bundeswehr denn Soldatinnen und Soldaten sage, wenn diese vielleicht auf andere Menschen schießen müssen, wollte ein anderer Schüler wissen. „Bislang war diese existenzielle Frage für deutsche Soldatinnen und Soldaten weit weg“, sagte der Bischof. Aber mit dem Ukraine-Krieg und neuen Aufgaben für die Bundeswehr müssten sich nun alle Bundeswehrangehörigen die Frage stellen: „Will ich Soldatin oder Soldat bleiben, weil ich mein Leben wirklich einsetzen will?“ Diese Frage müsse jede Soldatin und jeder Soldat mit dem eigenen Gewissen vereinbaren können, so Overbeck. Die Militärseelsorge lasse die Bundeswehrangehörigen bei dieser Entscheidung nicht allein.

Dialog mit der Jugend

In der Gesprächsreihe „Dialog mit der Jugend“ treffen Oberstufenschülerinnen und -schüler in der Regel die Chefin, den Chef oder eine andere leitende Person eines Unternehmens oder einer Organisation aus dem Ruhrgebiet. Das Bistum Essen beteiligt sich bereits seit vielen Jahren an diesem Leitprojekt Bildung des Initiativkreises Ruhr.

Sind Tattoos eine Sünde?

Von der Frage nach Krieg und Frieden über Frauen als Priesterinnen („Ich wäre dafür, finde aber in der katholischen Kirche keine Mehrheit“), LGBTQ („eine kulturelle Befreiung, dass man heute offen über sexuelle Vielfalt sprechen kann – auch in der katholischen Kirche“), Kirchenschließungen („wir benötigen viele Gebäude heute nicht mehr und haben auch nicht das Geld, sie dauerhaft zu erhalten“), die Hölle („nicht die Angst vor einer Hölle, sondern der Glaube an Gott, der gut ist, sollte der Antrieb für das eigene Leben sein“) und Abtreibungen („das droht erneut zu einem Thema zu werden, bei dem es zu großen Spaltungen kommt“) fragte schließlich eine Schülerin nach Tätowierungen: „Ist das eine Sünde?“ „Nein, eine Sünde ist das nicht“, betonte der Bischof mit einem Lachen. Er sei nicht tätowiert und finde auch viele Tätowierungen nicht gerade ästhetisch, „aber wenn Sie das schön finden, machen Sie das“.

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