Bischof: In Corona-Krise sind Gemeinwohl und Solidarität entscheidend

Bistum Essen

Niemand dürfe glauben, dass Deutschland sich als „Insel der Seligen“ abgrenzen könne, schreibt Franz-Josef Overbeck in einem Gastbeitrag für die „Herder“-Korrespondenz.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck wirbt für einen solidarischen Ausgleich zwischen Einzelinteressen und Gemeinwohl in der Corona-Krise. „Wenn die Welt in dieser Pandemie in Nationalismus und Egoismus zurückfiele, wären die Folgen verheerend. Solidarität ist das Gebot der Stunde in Deutschland, in Europa und weltweit“, schreibt Overbeck in einem Beitrag für die in Freiburg erscheinende Zeitschrift „Herder Korrespondenz“. Niemand dürfe glauben, dass Deutschland sich als „Insel der Seligen“ abgrenzen könne.

Der Bischof spricht sich zudem für eine „lebendige Debatte“ über den weiteren Umgang mit der Pandemie aus. Dies sei in einer freiheitlichen Demokratie unverzichtbar. Unverantwortlich sei es aber, wenn Antidemokraten, Impfgegner und Verschwörungstheoretiker die aktuelle Verunsicherung der Menschen ausnutzten, um ihre eigenen Ideologien zu verfechten.

Kritik an "kruden Verschwörungstheorien" mit "christlich-religiösem Anstrich"

Scharf kritisiert Overbeck erneut die von mehreren katholischen Bischöfen und Kardinälen unterzeichnete Interneterklärung zur Corona-Krise. „Wie viele andere Menschen bin ich auch über den Inhalt und die Sprache des Aufrufs entsetzt“, betont Overbeck. Das Papier versuche „krude Verschwörungstheorien durch einen christlich-religiösen Anstrich für Katholiken anschlussfähig“ zu machen. Er wirft den Unterzeichnern, darunter dem deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, vor, Ängste zu schüren und Feindbilder zu zeichnen, statt sich für soziale Gerechtigkeit und das Gemeinwohl einzusetzen.

Overbeck verweist zugleich auf die christliche Soziallehre als Kompass für gesellschaftliches und staatliches Handeln in der Corona-Krise. Demnach ziele Solidarität als Sozialprinzip nicht auf bloße Gruppensolidarität, sondern auf den Ausgleich zwischen dem Wohl des Einzelnen und dem Gemeinwohl.

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