von Simon Wiggen

Bischöfliche Kirchenmusikschule: Leiter Jörg Stephan Vogel geht in den Ruhestand

Nach mehr als 30 Jahren an der Bischöflichen Kirchenmusikschule geht deren Leiter Jörg Stephan Vogel in den Ruhestand. Er übergibt einen „lebendigen Organismus“ an seinen Nachfolger Dieter Leibold.

Seinen ersten Arbeitstag als Leiter der Bischöflichen Kirchenmusikschule (BKMS) hatte sich Jörg Stephan Vogel damals wohl etwas anders vorgestellt: Gummistiefel statt Notenblätter, Wassereimer statt Orgeletüden. „Wasser-Rohrbruch in der Kirchenmusikschule. Die ganze Etage stand unter Wasser“, erinnert sich Vogel an den Beginn seiner Tätigkeit an der Musikschule an der Klosterstraße im Schatten des Essener Rathauses. Oder wie Vogel selbst manchmal mit einem Augenzwinkern sagt: „Bei uns in der Krachmacherstraße.“ Unter einem Dach vereint waren Mitte der 1990erJahre nicht nur die Kirchenmusikschule, sondern auch die Kirchenmusikabteilung, der Cäcilienverband und die Essener Dommusik.

Vogel: „Ich habe versucht, die BKMS programmatisch immer weiter zu öffnen.“

Zertifikat „ökologisch und fair im Bistum Essen“

Zu ihrem 60. Geburtstag ist die Bischöfliche Kirchenmusikschule mit dem Zertifikat „ökologisch und fair im Bistum Essen“ ausgezeichnet worden. Dieses Zertifikat können alle Institutionen und Gruppierungen erhalten, die bestimmte Kriterien aus den Bereichen Ökologie und Nachhaltigkeit erfüllen und Ziele für den weiteren Weg hin zu noch mehr umweltbewusstem und nachhaltigem Handeln definieren. Das Zertifikat „ökologisch und fair im Bistum Essen“ zeigt nach außen, dass die Kirchenmusikschule unter anderem zu Werkwochen bereits seit Jahren mit der Bahn unterwegs ist, im Haus der Kirchenmusik ausschließlich Ökostrom bezieht, bei der Verpflegung von Gästen völlig selbstverständlich auf Einmalbesteck und ähnliches verzichtet oder durch Mehrfachnutzung von Unterrichtsmaterial unnötigen Papiermüll vermeidet.

„Als ich 1995 die Leitung übernahm, war die Kirchenmusikschule recht traditionell aufgestellt“, sagt Vogel. „Ich habe versucht, die BKMS programmatisch immer weiter zu öffnen.“ Beispiel Instrumente: Schon früh schaffte Vogel neben Cembalo und einer gotischen Kleinorgel auch Keyboards und Congas an. Mit den Instrumenten erhielt insgesamt auch mehr Variabilität Einzug in das Angebot der Musikschule: Vogel holte Gregor Linßen, den bekannten Kirchenmusik-Komponisten und Liedermacher aus Neuss, als Dozenten für „Neues Geistliches Lied“ an die BKMS und setzte mit Kommilitoninnen und Kommilitonen der Folkwang-Hochschule auch zeitgenössische musikalische Akzente. „Ich habe persönlich viel gelernt in dieser Zeit. Ich bin ja als recht klassisch ausgebildeter Kantor in den Job gestartet. Sein Fazit: Eine Musikschule sei so etwas wie ein „lebendiger Organismus“, der sich eben stets wandeln und neu ausrichten müsse. Zum Beispiel auch in Richtung neue Partnerinnen und Partner: Seit sechs Jahren läuft die Ausbildung an der BKMS in einem ökumenischen Verbund, getragen vom Bistum Essen, den Evangelischen Kirchenkreisen Essen und An der Ruhr (Mülheim) sowie der Evangelischen Kirche von Westfalen.

WhatsApp-Kanal des Bistums Essen

Die Diversität im Angebot der BKMS hält Vogel für eine dauerhaft wichtige Aufgabe: „Wir wollen lebendig gestaltete Gottesdienste in den Gemeinden, in denen sich möglichst viele Menschen wiederfinden. Gleichzeitig sind die Voraussetzungen – Musikstile und Instrumente vor Ort – aber oft sehr speziell und erfordern immer neue Phantasie und Kreativität.“ Von musikalischen Grabenkämpfen in den Gemeinden hält er nichts: „Es braucht ein Team, das weiß, wie eine Gemeinde oder eine Gottesdienstgemeinschaft tickt. Dafür müssen wir sensibel sein und gleichzeitig bemüht um eine hohe Qualität – in den Gemeinden und eben auch in der Ausbildung der Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker.“

Leibold: „Ich habe einen Sack voller Ideen, die ich umsetzen möchte.“

Das Haus der Kirchenmusik

Die BKMS hat ihren Sitz nach wie vor an der Essener Klosterstraße, aber seit 2021 in einem sanierten und vollkommen neu gestalteten Gebäude. 55 Jahre nach seiner Einweihung hat das Bistum das Haus der Kirchenmusik grundlegend umgebaut, um einerseits Brandschutz, Gebäudetechnik und Energienutzung zu erneuern, andererseits aber vor allem die Lern- und Arbeitsbedingungen für die Schülerinnen und Schüler der BKMS und die Kinder und Jugendlichen der Essener Domsingknaben und des Mädchenchors am Essener Dom zu verbessern. Gut 5 Millionen Euro hat das Bistum Essen in die Sanierung und Neugestaltung des Hauses der Kirchenmusik investiert.

Vogels Nachfolger Dieter Leibold bläst sprichwörtlich „ins gleiche Horn“: „Ich habe einen Sack voller Ideen, die ich umsetzen möchte.“ Leibold, 58 Jahre alt, war zuvor im Erzbistum Köln als Referent für Kirchenmusik für die sogenannte C-Ausbildung der Kirchenmusik zuständig und hat zum 1. Juli die Leitung der Essener Kirchenmusikschule übernommen. Die Veränderungen, die Vogel angefangen hat, setzt er nun fort – mit eigenen neuen Akzenten: angefangen bei der Digitalisierung der Verwaltung bis hin zur Anschaffung von Instrumenten und Equipment für ganze Bands. „Man muss auch erstmal lernen, ein Mischpult zu bedienen, die Verstärkung von Instrumenten richtig einzustellen und den Klang abzumischen“, so Leibold über neue Herausforderungen in der Kirchenmusik. Für die Ausbildung kann er sich auch vorstellen, mehr digitale Unterrichtsformate zu etablieren. „Unsere klassischen Präsenzangebote vertragen sich nicht immer mit dem Alltag von Menschen, die ihre musikalische Ausbildung parallel zu einem anderen Job machen.“

Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen