Bischöfe bekräftigen den Zölibat und distanzieren sich von der AfD

Am Ende ihrer viertägigen Vollversammlung in Bergisch Gladbach formulierte die Bischofskonferenz Positionen zu einigen heiß diskutierten Themen.

"Viri probati"-Vorstoß des Papstes für entlegenen Weltgegenden

Die deutschen Bischöfe haben klare Positionen zu vieldiskutierten Themen geäußert. Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung ging es unter anderem um die Ehelosigkeit von katholischen Priestern, die anstehenden Wahlen in Deutschland sowie die Entwicklung von Armut und Reichtum.

Kardinal Reinhard Marx sprach sich gegen Änderungen beim Zölibat aus. Eine Abschaffung wäre ein „gravierender Einschnitt in die Geschichte und Spiritualität der Kirche“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag in Bergisch Gladbach. So etwas dürfe man nicht einfach ausprobieren, und man dürfe auch nicht den Eindruck erwecken, als stehe eine solche Änderung bald bevor. Der Impuls des Papstes, über die Weihe von „viri probati“ - verheiratete, im Glauben besonders "bewährte" Männer -  nachzudenken, beziehe sich auf Extremsituationen in entlegenen Weltgegenden, erklärte Marx.

AfD-Positionen nicht mit christlicher Perspektive vereinbar

Von Inhalten und Methoden der AfD distanzierten sich die Bischöfe ausdrücklich. Marx erklärte, es gehe dabei nicht um eine „Stigmatisierung“ dieser Partei. Aber „das Schüren von Fremdenfeindlichkeit, von Ängsten gegen Überfremdung, von einseitiger Betonung nationaler Interessen“ seien mit einer christlichen Perspektive nicht vereinbar.

In der politischen Debatte gebe es für Christen „rote Linien“, betonte der Kardinal. Als Beispiele nannte er „Ausländerfeindlichkeit, Verunglimpfung anderer Religionsgemeinschaften, die Überhöhung der eigenen Nation, Rassismus, Antisemitismus, Gleichgültigkeit gegenüber der Armut in der Welt, aber auch eine abschätzige oder feindselige Art und Weise miteinander zu reden.“ Marx betonte, Christen dürften nicht den Stil von Scharfmachern und Fundamentalisten übernehmen.

Bischöfe fordern intensivere Armutsbekämpfung

Mehr Anstrengungen forderten die Bischöfe im Hinblick auf Armutsbekämpfung in Deutschland. Trotz guter wirtschaftlicher Lage habe sich die Situation seit dem letzten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung im Jahr 2013 „nicht grundlegend verändert“, kritisierte Marx. Bei ihrem Treffen hatten die Bischöfe auch über den noch nicht verabschiedeten fünften Bericht der Bundesregierung berichtet.

Zwar seien in den vergangenen fünf Jahren keine weiteren Zuspitzungen des Armutsrisikos sowie der Einkommens- und Vermögensverteilung zu konstatieren, so der Vorsitzende. Doch liege die Armutsrisikoquote seit 2005 stabil zwischen 14 und 16 Prozent. Auch die Einkommens- und Vermögensverteilung stagniere seit etwa fünf Jahren. Zu den besonders armutsgefährdeten Personengruppen gehörten wie bisher Jugendliche, junge Erwachsene, Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Migranten und Behinderte. Neuere Armutsentwicklungen seien im Bereich der Wohnungslosigkeit in Ballungsräumen und überschuldeter Haushalte zu beobachten.

Die Bischöfe verlangen darüber hinaus Untersuchungen zur verdeckten Armut und Analysen von längerfristigen Armutsgefährdungen, etwa zu den Auswirkungen steigender Pflegebedürftigkeit. Diese Aspekte seien beim nächsten Armuts- und Reichtumsbericht zu berücksichtigen, der in Kürze vorgestellt werden soll.

Neue Aufgabe für Weihbischof Schepers

Die Bischöfe haben auch einige Personalien entschieden und einige Aufgaben neu verteilt. So arbeitet der Essener Weihbischof Ludger Schepers künftig in der Koordinierungskonferenz zwischen Bischofskonferenz und der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) mit, wie es zum Abschluss des Frühjahrstreffens der Bischöfe am Donnerstag in Bergisch Gladbach hieß. Im Ruhrbistum ist Schepers als Bischofsvikar für die Themen Weltkirche, Mission, Orden und geistliche Gemeinschaften verantwortlich. (kna, tr)

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