Aufarbeitungsstudie zu Missbrauch im Kinderheim „Maria in der Drucht“ vorgestellt
Foto: Jens Albers | Bistum Essen
Der Caritasverband Duisburg hat am Freitag, 25. September 2026, eine wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung der sexualisierten, körperlichen oder psychischen Gewalt im ehemaligen Kinderdorf „Maria in der Drucht“ vorgestellt. Das 1983 geschlossene Kinderdorf war zuletzt in der Trägerschaft der Duisburger Caritas, bis 1961 waren dort Ordensschwestern der Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau tätig. In dieser Studie wird unter anderem eine mangelnde Abstimmung zwischen dem Bistum Essen und dem Caritasverband Duisburg als Träger der Einrichtung in der bisherigen Aufarbeitung der Gewalttaten und der gemeinsamen Sorge um die Betroffenen beschrieben.
„Die Kritik ist berechtigt“, so Generalvikar Klaus Pfeffer. Als im Jahr 2015 die ersten Meldungen über mögliche Gewalttaten durch Priester in dem Kinderdorf das Bistum Essen erreichten, habe die Sorge um die einzelnen Betroffenen im Fokus gestanden. Um ihnen zu helfen, habe die damalige Ansprechperson für sexualisierte Gewalt die Meldungen bearbeitet, die Betroffenen angehört und sie bei der Beantragung auf Zahlungen zur Anerkennung des Leids unterstützt. „Eine Aufarbeitung der gesamten Geschichte dieses Kinderdorfes war damals noch nicht im Blick“, so Generalvikar Pfeffer. Zudem gab es zu dieser Zeit auch noch keinen breiter aufgestellten Stabsbereich, der sich mit Fragen der Aufarbeitung umfassender beschäftigte.
Mehr zur Studie
Weiterführende Informationen zu Ergebnisse der Archivrecherche für den Zeitraum 1946 bis 1983, der Interviewstudie mit Betroffenen und Zeitzeug*innen sowie der ergänzenden kritisch-reflexiven Analyse des bisherigen Aufarbeitungsprozesses der Caritas Duisburg im Schwerpunktzeitraum 2021 bis 2025 innerhalb der Aufarbeitungsstudie finden Sie hier: >>Mehr zur Aufarbeitungsstudie
Im Jahr 2019 hatte sich dann die Unabhängige Beauftragte des Bistums erstmals an den Duisburger Caritasverband gewandt und über die bis dahin ersten sechs Fälle mit Bezug zum Kinderdorf informiert. Eine weitere Zusammenarbeit in der Aufarbeitung folgte damals aber nicht. Erst im Zusammenhang mit der ersten Studie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Essen wurde deutlich, dass es einen gesonderten Blick für die Geschichte von früheren Kinderheimen braucht. So kam es dann zu weiteren Gesprächen zwischen dem Bistum Essen und dem Duisburger Caritasverband. „Die Duisburger Caritas verdient hohen Respekt, dass sie sich in den letzten Jahren intensiv der Aufarbeitung des ehemaligen Kinderdorfes angenommen hat“, betont Generalvikar Pfeffer. Die jetzt vorgelegte Studie sei vor allem für alle Betroffenen wichtig, deren Leid endlich öffentlich sichtbar werde und anerkannt werden.
Die Forschenden dokumentieren ein systemisches Versagen, das die massive und jahrzehntelange Gewalt und das daraus resultierende Leid in dem Kinderdorf durch Priester, Ordensfrauen, pädagogische Kräfte und Handwerker ermöglicht hat. Dieses System wurde jedoch erst im Laufe der vergangenen Jahre durch eine wachsende Zahl an Meldungen mit Bezug zu der Einrichtung sichtbar. „Die Duisburger Studie hat auch vorbildlichen Charakter, weil sie für weitere Träger von ehemaligen oder noch bestehenden Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen eine Grundlage zur Realisierung ähnlicher Untersuchungen sein kann“, so Generalvikar Klaus Pfeffer.
„Uns liegt jetzt sehr daran, gemeinsam mit der Caritas die in der Studie beschriebenen Probleme und Mängel in der Zusammenarbeit aufzuarbeiten, damit wir bei der weiteren Aufarbeitung oder künftigen Projekten enger und reibungsloser kooperieren“, betont der Generalvikar. Und für das Bistum selbst sieht Pfeffer einen Verbesserungsbedarf bei der Unterstützung von Forschenden, wenn es um Zugänge zu Archivunterlagen geht. Hier zeigt die Studie erhebliche Verzögerungen, Einschränkungen und verwaltungstechnische Probleme auf. „Da müssen wir einfach besser werden. Deshalb reflektieren wir gerade unsere Prozesse auch in dieser Hinsicht sehr kritisch, damit weitere Aufarbeitungsprozesse bestmöglich unterstützt werden können“, bekräftigt Generalvikar Klaus Pfeffer.