Ashes to go: mit Aschenkreuz und Würde

Schnee und Graupelschauer haben viele Menschen nicht davon abgehalten, sich am Aschermittwoch das Aschenkreuz neben dem Essener Dom und vier weiteren Freiluft-Orten im Bistum auf die Stirn zeichnen zu lassen. Gleichzeitig wurde an die Menschenwürde erinnert.

Aus sicherer Entfernung beobachtet sie die Szenerie, gestützt auf ihr altes Hollandrad, die graue Wollmütze tief in die Stirn gezogen. Ein nasskalter Wind pfeift um den Essener Dom und durchdringt die Klamotten. Plötzlich geht ein Ruck durch Iwone Gmeinder, sie stellt ihr Fahrrad ab und eilt entschlossenen Schrittes auf die kleine Gruppe zu, die sich im Windschatten der Kreuzigungsgruppe versammelt hat. „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“, spricht City-Seelsorger Bernd Wolharn der 42-Jährigen zu und zeichnet ihr mit schwarzer Asche ein Kreuz auf die Stirn. Es ist Aschermittwoch, der Beginn der Fastenzeit. Zeit für „Ashes to go“ – dem Aschenkreuz zum Mitnehmen am Essener Dom und vier weiteren öffentlichen Plätzen in Essen-Steele, Bochum, Gelsenkirchen und Gladbeck.

„Es gibt einige, die sagen, dass es gar nicht geht, dass man sich nur ein Aschenkreuz abholt und dann wieder geht“, äußert sich Wolharn zur Kritik an der Aktion, die zum dritten Mal am Dom stattgefunden hat. „Ich habe aber wieder erlebt, dass die Menschen sehr dankbar sind, dass sie in der Mittagspause das Aschenkreuz empfangen können.“ Es sei an der Zeit, an den Orten als Kirche Präsenz zu zeigen, an denen sie sich aufhalten. „Wir erreichen viele Menschen, die zu ihrer Gemeinde vor Ort keinen Kontakt mehr haben oder in der kein Gottesdienst mehr stattfindet“, freut sich der City-Seelsorger über den Erfolg der Aktion.

„Jeder Mensch ist ein König“

So wie Iwone Gmeinder. „Ich wusste nicht, dass das heute hier stattfindet“, erzählt die Essenerin, die seit fünf Jahren nicht mehr dazu gekommen ist, sich das Aschenkreuz abzuholen. „Ich habe jetzt die Gunst der Stunde genutzt“, freut sie sich über die spontane Möglichkeit dazu. „Denn eigentlich gehört das für mich zum Beginn der Fastenzeit dazu.“

„Für solche Rückmeldungen lohnt sich der Einsatz“, fühlt sich Wolharn für sein Engagement außerhalb der Kirchenmauern bestätigt. „Wir wollen daran erinnern, dass eine andere Zeit beginnt. Deshalb nehme ich auch bewusst viel Asche, um die Menschen zu bezeichnen.“ Der Beginn der Fastenzeit sei eine Zäsur, „nicht nur, weil die tollen Tage vorbei sind. Das Kreuz dient auch als Mahnung, den Weg auf Ostern hin bewusst zu gehen.“

Besonders freut sich der City-Seelsorger darüber, dass er den Menschen zusagen darf, dass jeder Mensch eine von Gott verliehene Würde habe. „Gerade in der Zeit nach dem Anschlag in Hanau ist es wichtig, an die Würde des Menschen zu erinnern, die gerade an so vielen Stellen mit Füßen getreten wird.“ Die Würde eines jeden Einzelnen hervorzuheben hat sich auch die Ausstellung des Bonner Künstlers Ralf Knoblauch zum Ziel gesetzt. Sie präsentiert bis Ostern im Essener Dom Holz-Skulpturen von Königinnen und Königen. „Jeder Mensch ist ein König“, betont Wolharn. „Und diese Figuren erinnern uns daran, dass wir alle wunderbare Könige und Königinnen sind, einzigartig, bemerkenswert, besonders.“ Genau wie das Aschenkreuz zum Mitnehmen.

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