von Sandra Gerke

Artemis II: So erlebte die Essener Wissenschaftlerin Juliane Groß die NASA-Crew ‎auf dem Weg zum Mond

Sie bereitete die Astronautinnen und Astronauten auf ihre historische Mondmission ‎vor und betreute sie während des Flugs aus dem NASA-Kontrollzentrum in Houston: ‎Die Essener Geologin Juliane Groß spricht im Interview über ihre Arbeit bei „Artemis ‎II“, bewegende Momente und neue Erkenntnisse über den Mond.‎

Wenn der Mond in der Nacht auf Freitag, 28. August 2028, wieder zum Vollmond wird, lässt sich bestenfalls seine erdzugewandte Seite sehen. Die Astronautinnen und Astronauten der „Artemis II“-Mission haben im April erstmals auch die Mond-Rückseite zu Gesicht bekommen. Vom Johnson Space Center in Houston (Texas) aus hat die Essenerin Juliane Groß die Crew mit auf ihrer elftägigen Reise betreut. Die Geologin, die an der Ruhr-Universität Bochum studiert hat und seit 2009 in den USA lebt, hatte die Crew zuvor mit auf die Mission vorbereitet. „Teil eines so historischen Moments gewesen zu sein, dazu beigetragen zu haben, ihn wahr zu machen, das hat meine kühnsten Träume übertroffen“, sagt sie im Interview mit BENE-Redakteurin Sandra Gerke:

BENE: Wie können wir uns Ihren Arbeitsalltag während der „Artemis II“-Mission vorstellen?

Juliane Groß: Ich war die ganze Zeit im Mission-Control-Zentrum der NASA in Houston als eine von fünf wissenschaftlichen Leitenden. Wir haben zum Beispiel einen Plan für die Crew erstellt, damit sie wusste, was sie wie und wie lange auf dem Mond beobachten, beschreiben und fotografieren soll. Während des Vorbeiflugs am Mond haben wir mit der Analyse der übermittelten Daten begonnen. Und wir haben gezielte Fragen an die Crew vorbereitet. Wenn wiederum sie oder der Flugdirektor Fragen hatten, recherchierten wir die Antworten und leiteten sie weiter. Wenn die Crew schlief, schliefen auch wir. Wenn die Crew wieder aufwachte, haben wir schon eine Stunde gearbeitet.

Was war der spannendste Moment?

Groß: Start und Landung waren sehr stressig. Spannend war, die aufgeregten Stimmen der Crew beim Beschreiben des Mondes zu hören oder die ersten Bilder zu sehen. Wir hatten die Crew fast drei Jahre lang vorbereitet – im Klassenzimmer, in Simulationen und vielem mehr. Sie hat fantastische Arbeit geleistet. Die Mission übertraf unsere Erwartungen. Dass wir eine Sonnenfinsternis erleben würden, hatten wir nur einmal trainiert – es hat uns völlig umgehauen.

INFO: Artemis IV

Nach der „Artemis II"-Mission und einer weiteren bemannten Mondumrundung „Artemis III" (vermutlich im Herbst nächsten Jahres) soll es bei „Artemis IV" nach derzeitiger Planung 2028 auch eine bemannte Mondlandung geben.

Welche Erkenntnisse hat die Crew mitgebracht?

Groß: Es war eine „Generalprobe“, um zu bestätigen, dass sowohl das Raumfahrzeug als auch der menschliche Körper für längere Missionen zum Mond und schließlich zum Mars bereit sind. Die Crewmitglieder waren die ersten Menschen, die Teile der Mondrückseite mit bloßem Auge gesehen haben. Sie konnten geologische Strukturen wie Einschlagkrater oder urzeitliche Lavaströme beobachten und fotografieren. Das wird uns helfen, die Prozesse zu verstehen, die den Mond und unser Sonnensystem geformt haben.

Konnten Sie in der Zeit auch mit Ihrer Familie in Deutschland Kontakt halten?

Groß: Wir haben uns viele Nachrichten geschickt, ich vor allem Bilder, damit sie wenigstens ein bisschen bei mir sein konnten. Für unser Team spielten auch die Familien und Freunde hier vor Ort eine Rolle: Sie haben uns tatkräftig unterstützt, zum Beispiel mit täglichen Besorgungen oder bei der Umstellung unseres Schlafrhythmus.

Wie geht die Arbeit mit den Ergebnissen und Erkenntnissen weiter?

Groß: Wir analysieren jetzt im Detail die Fotos und Sprachaufnahmen, die die Crew von ihren Beobachtungen der Mondoberfläche gemacht hat. Im Herbst werden wir alles in einem Bericht veröffentlichen. Und dann bin ich Teil des wissenschaftlichen Teams für die nächsten Missionen: Artemis III und IV. Wenn es so weit ist, können wir gerne wieder miteinander sprechen.

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