Adveniat stellt 2,5-Millionen-Euro für Lateinamerika in der Corona-Krise bereit

Bistum Essen

Bischof Overbeck dankt auf der Bilanz-Pressekonferenz des Hilfswerks den Bischöfen Lateinamerikas für schnelles Handeln und für „deutliche, warnende Worte – im Gegensatz zu manchem lateinamerikanischen Politiker“.

Adveniat konnte seine Spendeneinnahmen im vergangenen Jahr konstant halten

Mit insgesamt 36,6 Millionen Euro wurden knapp 2000 Projekte in Lateinamerika und der Karibik unterstützt.

Das Hilfswerk setzt auf langfristige Unterstützung – zum Beispiel in Haiti – hat aber aufgrund der aktuellen Not auch für Venezuela seine Fördersumme erhöht.

„Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen: Deshalb stellt das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat einen Sonderfonds in Höhe von 2,5 Millionen Euro für Projekte im Kontext der Corona-Pandemie zur Verfügung.“ Das hat Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck bei der Bilanzpresskonferenz des in Essen ansässigen Hilfswerks bekannt gegeben. Bereits im März hatte das Lateinamerika-Hilfswerk eine Soforthilfe von 100.000 Euro bereitgestellt. Schnell sei jedoch klargeworden, dass der Bedarf immens ist. Insbesondere, weil die Kirche die Versorgung der Armen mit Grundnahrungsmitteln und medizinischer Hilfe dort übernehmen müsse, wo staatliche Stellen ausfallen oder gar nicht vorhanden sind. „Ich bin den Bischöfen Lateinamerikas dankbar, dass sie von Beginn der Corona-Krise an schnell gehandelt und – im Gegensatz zu manchem lateinamerikanischen Politiker – deutliche, warnende Worte gefunden haben“, so Adveniat-Bischof Overbeck wörtlich. „Kirche handelt: In Argentinien werden derzeit Gotteshäuser mit Betten und medizinischen Geräten ausgestattet, um sie für die eventuell notwendige Aufnahme von Menschen, zum Beispiel aus Altenheimen, vorzubereiten. Kirchliche Krankenhäuser, die Sozialpastoral in den Gemeinden, die zahlreichen Ordensleute und Priester stehen den Menschen bei, insbesondere denjenigen am Rand der Gesellschaft, beispielsweise den Obdachlosen“, berichtete Bischof Overbeck.

„Die Menschen leben in den Armenvierteln dicht an dicht“

Für Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz steht fest: „Die arme Bevölkerungsmehrheit in Lateinamerika ist der Corona-Pandemie schutzlos ausgeliefert.“ Abstandhalten, Hygiene intensivieren, die Gesundheitsvorsorge hochfahren oder Intensivbetten vorhalten – all die Mittel, mit denen in Europa die Kurve der Neuansteckungen in den letzten Wochen abgeflacht und die Versorgung Erkrankter sichergestellt werden konnte, seien in Lateinamerika nicht anwendbar. „Die Menschen leben in den Armenvierteln dicht an dicht auf engstem Raum. Sauberes Wasser und Seife fehlen. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. Das Gesundheitssystem ist in vielen Ländern marode. Gesundheitsversorgung ist nach wie vor eine Frage des Geldbeutels“, erklärte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Heinz. In Venezuela, Guatemala und anderen armen Ländern seien zudem mehr als die Hälfte der Bevölkerung unterernährt. Sie hätten einem Ausbruch der Lungenkrankheit nichts entgegenzusetzen.

Hilfe mit langem Atem

Adveniat unterstützt die Initiativen seiner vertrauenswürdigen Partnerinnen und Partner vor Ort mit langem Atem. „Die Menschen in Lateinamerika und der Karibik können sich darauf verlassen: Adveniat ist auch noch an ihrer Seite, wenn die Karawane der öffentlichen Aufmerksamkeit und der internationalen Hilfszusagen längst weitergezogen ist“, betonte Pater Heinz. Als Beispiel nannte der Adveniat-Hauptgeschäftsführer Haiti: Vor 10 Jahren sind dort infolge eines verheerenden Erdbebens 250.000 Menschen gestorben, Millionen wurden obdachlos. „Die internationale Hilfe kam unkoordiniert von außen und war leider viel zu oft mit wirtschaftlichen Eigeninteressen der Geber verquickt“, so der Adveniat-Hauptgeschäftsführer. „Adveniat hat auch noch im Geschäftsjahr 2019 in Haiti fast 70 Projekte mit fast 2,7 Millionen Euro gefördert. Damit unsere Hilfe nicht zur Beute der korrupten Eliten wird, nutzt Adveniat die kirchlichen Strukturen. Diese reichen bis in die entlegensten Armenviertel des Landes“, erläuterte Pater Heinz.

44 Millionen Euro Einnahmen aus Kollekten, Zuwendungen und Spenden

Erfreut zeigte sich Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens, dass die Einnahmen aus Kollekten, Zuwendungen und Spenden in einer Höhe von 44 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr gehalten werden konnten: „Adveniat kann weiterhin auf die hohe Spendenbereitschaft seiner Spenderinnen und Spender zählen.“ Mit insgesamt 36,6 Millionen Euro konnte Adveniat 1.931 Projekte in Lateinamerika und der Karibik fördern. Vor dem Hintergrund der sich immer weiter verschärfenden humanitären Krise in Venezuela hat Adveniat die Fördersumme in dem Land weiter erhöht. 2019 wurden dort 114 Projekte mit 1,8 Millionen Euro unterstützt. Mit 3,6 Millionen Euro bleibt aber auch Venezuelas Nachbarland Kolumbien ein Förderschwerpunkt. Das Land bangt angesichts von eineinhalb bis zwei Millionen venezolanischen Flüchtlingen um seinen ohnehin fragilen Friedensprozess. Es bedürfe keines großen Vorstellungsvermögens, um sich auszumalen, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die Grenzregion habe, sagte Jentgens. Adveniat hat der Kirche in Kolumbien bisher 193.000 Euro Soforthilfe bereitgestellt.

Große Sorgen um die Menschen auf dem Land

„Angesichts der Corona-Pandemie machen wir uns große Sorgen um die Menschen auf dem Land, die keinen Zugang zu einer Gesundheitsversorgung haben. In vielen ländlichen Regionen gibt es kein einziges Beatmungsgerät“, sagte Jentgens und warnte vor einer bevorstehenden Hungersnot in ländlichen Regionen. „Adveniat vergisst die ländliche Bevölkerung nicht“, betonte der Adveniat-Geschäftsführer. „ÜberLeben auf dem Land“ laute deshalb das Motto der Adveniat-Weihnachtsaktion 2020. „Es ist zu befürchten, dass das Motto schon lange vor Weihnachten zu einer kaum zu stemmenden Herausforderung für viele Armen in ganz Lateinamerika werden wird“, sagte Jentgens. „Wir dürfen trotz der großen Herausforderungen in unserem eigenen Land die Armen und Benachteiligten in Lateinamerika nicht aus dem Blick verlieren: Solidarität und Mitmenschlichkeit dürfen gerade jetzt keine Grenzen kennen.“

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