60 Jahre Gymnasium am Stoppenberg: 950 Schülerinnen und Schüler pilgern zu Fuß zum Essener Dom
Gruppenfoto mit Bischof: Rund 1000 Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte des Gymnasiums am Stoppenberg posieren neben dem Essener Dom auf dem Stufen des Burgplatzes. Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen
Fünf Kilometer – das dürfte deutlich länger sein als die meisten Schulwege zu Fuß, die die rund 950 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Stoppenberg täglich zurücklegen. Zum 60-jährigen Bestehen ihrer Schule sind sie am Dienstagvormittag von ihrer Schule zum Essener Dom gelaufen, um dort gemeinsam mit Bischof Franz-Josef Overbeck einen Gottesdienst zu feiern.
So voll ist die Bischofskirche selten: In allen Bänken und Gängen, im Chorgestühl hinter dem Altar, vor der Goldenen Madonna – überall sitzen und stehen an diesem Vormittag Kinder, Jugendliche und ihre Lehrkräfte im Dom. Gemeinsam singen sie mit der Band ihrer Lehrerinnen und Lehrer, danken Gott für ihre Schulgemeinschaft und beten für Frieden und Gerechtigkeit, ein gesundes Klima und eine gute Zukunft für ihre Schule.
Was der Weg der Jünger nach Emmaus mit der Schule zu tun hat
60 Jahre Gymnasium am Stoppenberg
Mitte der 1960er Jahre war die heutige Weltkulturerbe-Zeche Zollverein das größte Bergwerk der Welt und die benachbarte Kokerei erst wenige Jahre alt. Ganz bewusst in Stoppenberg eröffnete das Bistum Essen 1966 die erste Bistumsschule seit Gründung der Diözese und das erste Ganztagsgymnasium in Nordrhein-Westfalen – ziemlich genau in der Mitte der jeweils nur wenige hundert Meter entfernten Bereiche des gewaltigen Zollverein-Industriekomplexes auf der einen und der 950 Jahre alten Stiftskirche des heutigen Karmelitinnenklosters auf der anderen Seite. Ziel war es, die Bildungschancen für Kinder der Arbeiterfamilien im industriell geprägten Essener Norden deutlich zu verbessern. Bis heute ist die Schule das einige Gymnasium im dichtbesiedelten Stadtbezirk VI (Schonnebeck, Stoppenberg, Katernberg) - viele der aktuell rund 950 Schülerinnen und Schüler kommen aber auch aus anderen Stadtteilen in die Schule, weil sie das Ganztagskonzept und das christliche Profil schätzen. Das Schulgelände teilt sich das Gymnasium mit der benachbarten Bischöflichen Sekundarschule am Stoppenberg. Die einzige Sekundarschule in Essen ist 2012 aus den beiden ebenfalls im Schulzentrum untergebrachten Real- und Hauptschulen hervorgegangen.
In seiner Predigt verweist Bischof Overbeck auf die bekannte Bibelgeschichte von den beiden Jüngern, die nach Jesu Kreuzigung frustriert und verzweifelt in das Dorf Emmaus laufen und dabei nicht erkennen, dass Jesus sie die ganze Zeit begleitet. Ähnlich wie die Jünger bei den Ausführungen Jesu „habe ich früher in der Schule auch nicht immer gleich verstanden, was die Lehrer mir gesagt haben“, sagt Overbeck und vermutet, dass das auch manchen der Kinder und Jugendlichen heute so geht. „Doch es lohnt sich, gut zuzuhören“, so der Bischof aus eigener Erfahrung. Oft habe er erst viel später erkannt, was man ihm erklären wollte. So wie die Jünger in Emmaus, die erst nach Jesu Verschwinden verstehen, was er ihnen gesagt hat.
NRW-weit einzigartiges Schulkonzept
Von langen Wegen ist an diesem Morgen häufiger die Rede: beim Lernen, beim Fußweg von Stoppenberg zum Dom – und in der 60-jährigen Geschichte der Schule. „Ich bin dankbar, dass meine Vorgänger diesen Weg gegangen sind“, sagt Overbeck. Er erinnert an die Entscheidung im Bistum Essen, nur acht Jahre nach der Bistumsgründung 1966 ein Gymnasium im bildungsschwachen Essener Norden zu eröffnen – und zugleich mit einer sogenannten Tagesheimschule mit Mittagsverpflegung ein damals NRW-weit einzigartiges Schulkonzept.
Diese Schulgemeinde möge auch künftig „so leben, dass da, wo Gemeinschaft ist, immer auch eine Ahnung von Jesus ist“, wünscht der Bischof. Ob bei der Tischgemeinschaft in einer der größten Kantinen der Stadt Essen, im Klassen- oder Kursverband, bei ruhigen Gottesdiensten im „COM“-Gebäude des Schulzentrums oder bei der schuleigenen Vorbereitung auf das Sakrament der Firmung: Gemeinschaft ist im Gymnasium am Stoppenberg ein großes Thema – und immer wieder auch der christliche Glaube. So wie am Dienstag, nicht nur im Gottesdienst im Dom, sondern auch danach, als es erst ein Gruppenfoto auf dem Burgplatz gibt, dann viele Selfies mit dem Bischof – und schließlich geht es wieder zu Fuß zurück zur Schule.
Das Programm zum Schuljubiläum am Stoppenberg
Den eigentlichen Geburtstag ihrer Schule, den 20. April, hat die Schulgemeinschaft des Gymnasiums am Stoppenberg am Montag mit einem besonderen Mittagessen gefeiert. Nach dem „Church-Walk“ am Dienstag samt Gottesdienst im Dom geht die Jubiläumsfeier am Samstag, 25. April, mit der (ausverkauften) Premiere der „Jubiläums-Revue“ der Schule weiter: Motiviert vom großen Erfolg des Musicals zum 50-jährigen Jubiläum hat der aktuelle Literaturkurs der Jahrgangsstufe Q1 ein neues Stück zur Schulgeschichte geschrieben und begibt sich mit einem 90-köpfigen Chor, vielen beteiligten Eltern und Ehemaligen sowie einer Band auf eine musikalische Reise in die 1970er Jahre. Wer miterleben möchte, was die Menschen im Ruhrgebiet und am Stoppenberg 1976, zehn Jahre nach der Schulgründung, bewegt hat, kann für die Aufführungen am Dienstag, 28. und Mittwoch, 29. April – jeweils 19.30 Uhr, noch Karten erwerben (8 Euro für Erwachsene, 6 Euro für Schülerinnen und Schüler) - Reservierungen sind entweder telefonisch, Tel.: 0201 / 831 003 oder per E-Mail möglich.
Am Donnerstag, 25. Juni, feiert die Schule ihr Jubiläum mit einem Drachenboot-Tag am Baldeneysee, bevor nach den Sommerferien am Mittwoch, 23. September, ein großes Schulfest und am Samstag, 7. November, ein Treffen der Ehemaligen das Jubiläumsjahr abrunden.








