von Thomas Rünker

50 Jahre Katholische Schule für Pflegeberufe Essen

Mit über 1100 Auszubildenden, modernen Skills-Labs und einem breitem Ausbildungsangebot feiert die Katholische Schule für Pflegeberufe Essen ihr 50-jähriges Jubiläum. Kulturelle und religiöse Vielfalt haben an der Schule Tradition, die in der umgebauten Kirche St. Peter in Essen und in der Mülheimer Parkstadt unterrichtet. Mit Professionalität und Stolz auf den eigenen Beruf will die KKS das Image der Pflege verbessern.

Der Person im Bett vorne rechts scheint nicht so recht zum Feiern zumute zu sein. Da können Geschäftsführer Florian Jeserich und Gesamtschulleiterin Elia Garcia noch so viel vom 50-jährigen Geburtstag des Hauses sprechen, von einer tollen Feier und davon, dass eben diese Person gewissermaßen zum Spitzenpersonal der Einrichtung gehört. Die dunkelhäutige Figur im ersten Bett des Raums bleibt genauso regungslos wie ihre drei ebenfalls bettlägerigen Zimmernachbarn. Dabei könnten die vier auch anders, zum Beispiel vor Schmerzen stöhnen, per Klingel das Pflegepersonal rufen oder um eine Schlaftablette bitten. Willkommen im „Skills Lab“ der KKS, der Katholischen Schule für Pflegeberufe Essen! Hier lernen künftige Pflegekräfte an möglichst realistischen Simulatoren, wie Münder gepflegt, Schutzhosen gewechselt oder Spritzen gesetzt werden – zum Wohle der echten pflegebedürftigen Menschen, denen die Auszubildenden in ihren Praxiseinsätzen begegnen.

Seit 50 Jahren gibt es die KKS jetzt. Die Abkürzung erinnert noch heute daran, dass die Katholische Schule für Pflegeberufe einst als Katholische Krankenpflegeschule gegründet wurde – von drei Essener Ordensgemeinschaften, die jeweils ein Krankenhaus betrieben haben und qualifizierten Pflege-Nachwuchs suchten. Später kamen die Alten- und die Kinderkrankenpflege als Themen für die KKS hinzu. So entstanden beste Voraussetzungen, um in der Einrichtung schon vor rund zehn Jahren in Modellversuchen die integrierte Pflegeausbildung zu testen. Als diese neue Ausbildung, die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege in einem Beruf vereint, 2020 in NRW Standard wird, ist die KKS von Beginn an voller Überzeugung dabei – schließlich hatte man alle Ausbildungs-Inhalte ohnehin schon im Haus.

Mehr als 1100 Auszubildende, gut 400 mehr als vor zehn Jahren

Mehr als 1100 Auszubildende zählt die Schule derzeit im Verlauf eines Jahres. „Vor zehn Jahren waren es noch 680“, verweist Geschäftsführer Jeserich auf das stetige Wachstum in den vergangenen Jahren. Dies liegt nicht nur an einer zunehmenden Zahl von Auszubildenden in der dreijährigen Ausbildung zur Pflegefachperson oder in der einjährigen Ausbildung zur Pflegefachassistenz. Vielmehr hat sich die Schule in den vergangenen Jahren auch in weitere Gesundheitsbereiche ausgedehnt. Unter anderem bildet die KKS nun auch zur operationstechnischen oder anästhesietechnischen Assistenz aus, zu Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten oder Alltagsbegleiterinnen und -begleitern aus. Außerdem gibt es jede Menge Fort- und Weiterbildungskurse, zum Beispiel für das Personal, das die Pflege-Azubis in Kliniken und Pflegeheimen in der Praxis anleitet. „Wir machen uns flexibel und mutig auf den Weg“, beschreibt Schulleiterin Elia Garcia die Strategie der katholischen Schule, die neben dem Standort im Essener Eltingviertel nahe der Innenstadt seit fast zwei Jahren auch einen zweiten Standort in der Mülheimer Parkstadt umfasst. Und Geschäftsführer Jeserich findet, dass Flexibilität und Weite im Denken ohnehin „schon immer zu KKS-DNA“ gehört hätten.

Wer steht hinter der KKS?

1975 gegründet von drei Ordensgemeinschaften, die seinerzeit das Elisabeth- und das Franziskuskrankenhaus sowie das Philippusstift in Essen betrieben haben, ist heute die Contilia der mit Abstand größte Träger der Katholische Schule für Pflegeberufe Essen. Hinzu kommt rund ein Dutzend kleinerer Betreiber von Alten- und Pflegereinrichtungen und ambulanten Diensten. Neben den Trägern lassen auch viele andere Betreiber von Kliniken und Pflegeeinrichtungen ihre Belegschaft an der KKS aus- und weiterbilden. Hier arbeitet die Schule mit mehr als 100 Kooperationspartnern zusammen.

In Essen unterrichtet das insgesamt gut 60-köpfige KKS-Team seit 2008 in der ehemaligen und umgebauten Kirche St. Peter, einem stattlichen Backsteinbau mit noch stattlicherem Eingangsportal, über dem ein großes, steinernes Kruzifix hängt. Für die vielfach nicht getauften Auszubildenden sei das ebenso wenig eine Hürde wie das „Katholische“ im Namen der Schule, sagt Jeserich – und Garcia stimmt ihm zu. Sie spricht mit allen, die die Schule besuchen möchten und sich entweder bei der KKS oder in einer Pflegeeinrichtung bewerben. „Unser christlicher Hintergrund hat noch niemanden abgeschreckt.“ Ganz im Gegenteil: „Im Gesundheitswesen ist das Katholische eine Marke, ein Qualitätsmerkmal“, betont Jeserich. Und im Alltag der Schule sei die kulturelle und religiöse Vielfalt ohnehin ein Gewinn. „Wir gehen mit Religion ganz selbstverständlich um – wir leben sie einfach“, sagt Jeserich. Regelmäßig gebe es Schul-Gottesdienste, in denen gelegentlich auch islamische Texte vorgetragen würden. „Wir feiern St. Martin und Weihnachten genauso wie unseren Tag der Pflege“, zählt Garcia auf. Und bei ethischen Fragen in der Pflegeausbildung, dann wenn es um Nächstenliebe und Barmherzigkeit, um Fürsorge und Solidarität geht, gebe es zwischen den großen Weltreligionen ohnehin viele Gemeinsamkeiten.

Vielfältige Schulkultur hat an der KKS Tradition

Eine kulturell bunte Schulgemeinschaft hat an der KKS Tradition: Erst waren es die Gastarbeiterkinder, die neben Sabine und Markus die Pflegeschulbank drückten, später kamen Geflüchtete hinzu – und heute rekrutiert der größte KKS-Träger Contilia mit „Contilia.Global“ aktiv internationale Fachkräfte im Gesundheitswesen. So kommen Pflegekräfte heute zum Beispiel aus Marokko, den Balkan-Ländern, Indien oder Ägypten an die KKS und lernen dort in Anpassungslehrgängen die hiesigen Pflege-Standards sowie – falls nötig – auch noch die deutsche Sprache.

„Viele dieser Menschen erleben wir hochmotiviert“, berichtet Garcia. Das liege auch daran, dass das Image von Pflegeberufen im Ausland vielfach besser sei, als dies gemeinhin in Deutschland diskutiert werde. Die Schulleiterin sieht das Ansehen der Pflegeberufe auch als eine Aufgabe ihrer Schule: „Zusammen mit den professionellen Kenntnissen vermitteln wir unseren Auszubildenden auch einen Stolz auf ihren Beruf.“ Jeserich bekräftigt das: „Wir brauchen diese Menschen. Das sind die, die uns künftig pflegen werden!“ Zugleich betont er, dass Pflegeberufe immer attraktiver werden. Neben einer in den vergangenen Jahren spürbar gestiegenen Bezahlung profitiere die Pflege auch durch eine wachsende Akzeptanz, wenn immer mehr Häuser ihre Strukturen professionalisierten hin zu multiprofessionellen Teams und einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Dunkle Haut mit besonderen Herausforderungen

Davon sollen letztlich natürlich vor allem auch Patientinnen und Patienten oder die Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegereinrichtung profitieren – Menschen wie der stumme Herr im „Skills-Lab“-Bett Nummer 1. Dass dieser Simulator eine deutlich dunklere Haut hat als die anderen „Patienten“ im Raum zeigt, wie sich auch die Medizin-Branche weiterentwickelt. Dabei habe die Hautfarbe überhaupt nichts mit politischen Diskussionen zu tun, sagt Garcia. „Hier geht es um ganz praktische Herausforderungen, zum Beispiel sind die Venen bei dunkelhäutigen Menschen schwerer zu finden.‎“

Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen