von Thomas Rünker

‎20 Jahre KiTa Zweckverband im Bistum Essen: Vom Strukturwandel zum ‎Erfolgsmodell

Im größten Strukturwandel der Bistumsgeschichte ist im Sommer 2006 der KiTa ‎Zweckverband des Bistums Essen gestartet. Mit rund 3500 Mitarbeitenden begleitet ‎er heute rund 15.000 Kinder und gilt mit seinen 224 Kindertagesstätten zwischen ‎Duisburg, Bochum und Meinerzhagen als Vorbild für viele katholische Träger in ‎Deutschland.‎

Er ist ein Kind des kirchlichen Strukturwandels im Ruhrbistum und wurde zum Erfolgsmodell für katholische KiTas in vielen Teilen Deutschlands: Vor 20 Jahren fasste die katholische Kirche im Bistum Essen fast alle Kindertagesstätten zwischen Duisburg, Bochum und dem Märkischen Sauerland im neu gegründeten KiTa Zweckverband zusammen. Als Teil der bislang größten Strukturreform des Bistums entstand so einer der größten KiTa-Träger der Republik. „Die Verantwortlichen in unserem Bistum haben früh die Vorteile zentraler Strukturen für unsere Kindertagesstätten erkannt“, sagt Generalvikar Klaus Pfeffer. Diese ermöglichten nicht nur einen wirtschaftlicheren Betrieb der KiTas, sondern stärkten auch deren pädagogische Qualität.

Diesen Schritt gingen die Kirchengemeinden des Bistums damals nicht ganz freiwillig: Vor allem ein massiver Spardruck sorgte dafür, dass parallel zum Zusammenschluss der 259 Kirchengemeinden zu 43 neuen Pfarreien auch die ehemals von jeder Kirchengemeinde selbstständig betriebenen KiTas in die Trägerschaft des neuen Zweckverbands wechselten. Bei Kirchengebäuden wie bei den KiTas gingen diese Schritte auch mit Schließungen einher. Zugleich blieben die Kirchengemeinden „ihren“ KiTas natürlich verbunden – denn der KiTa Zweckverband wird ausdrücklich von den Kirchengemeinden getragen.

INFO: Eltern sind mit katholischen KiTas im Bistum Essen sehr zufrieden

Der KiTa Zweckverband hat in einer ersten bistumsweiten Familienumfrage die Zufriedenheit der Familien in den katholischen Kindertageseinrichtungen abgefragt. 2870 Menschen haben sich beteiligt, so sehen die wichtigsten Ergebnisse aus:

  • 75 % sind mit der Wahl ihrer KiTa sehr zufrieden.‎
  • ‎84 % geben an, dass sich ihr Kind in der KiTa sehr wohl fühlt.‎
  • 60 % der Befragten haben sich bewusst für eine katholische KiTa ‎entschieden.

15.000 Kinder, 3500 Mitarbeitende, 224 KiTas

Entstanden ist mit dem KiTa Zweckverband ein stabiler, professionell aufgestellter Verband mit aktuell rund 15.000 Kindern, etwa 3500 Mitarbeitenden und 224 Kindertagesstätten – und ein Vorreiter für andere Regionen: „Viele Bistümer sind unserem Beispiel in den vergangenen Jahren gefolgt oder führen ihre KiTas derzeit ebenfalls in einem oder mehrere zentrale Träger zusammen“, berichtet Pfeffer. „Mit Stolz können wir den KiTa Zweckverband daher als Erfolgsmodell bezeichnen.“

Der KiTa Zweckverband habe sich in zwei Jahrzehnten „vor allem auf inhaltlicher Ebene für die Kinder und ihre Familien zu einem starken Verband entwickelt und zu einem wichtigen Partner für unsere Kommunen“, betont Verena kleine Holthaus, die den Verband seit über drei Jahren als Geschäftsführerin leitet. „Wir haben für viele Bistümer als Vorreiter fungiert“, sagt sie. Gleichzeitig profitiere der KiTa Zweckverband nun von den neu entstandenen Strukturen zum Beispiel in Berlin, Münster oder Köln, „weil wir uns über Erfahrungen austauschen und voneinander lernen können, beispielsweise im Bereich der Digitalisierung.“

Frühkindliche Bildung hat sich stark professionalisiert

Dass das Ruhrbistum mit seinem KiTa Zweckverband derart zum Vorbild wurde, hat für kleine Holthaus nicht nur mit den Veränderungen in der Kirche zu tun, sondern auch im KiTa-Bereich: „Die frühkindliche Bildung hat sich in den vergangenen 20 Jahren sehr stark professionalisiert. Dadurch sind die Anforderungen immens gestiegen, sodass kleine KiTa-Trägerschaften auch in anderen Regionen immer weniger sinnvoll sind.“ In einem großen Verband ließen sich nicht nur immer neue Landes- und Bundesgesetze einfacher umsetzen, sondern auch andere Themen besser gestalten. „Für Fachberatung, wozu zum Beispiel das Thema Kinderschutz zählt, können kleine Träger vielleicht nur eine halbe Stelle einrichten – wir haben einen ganzen Bereich, der vielfältige Materialien für unsere KiTas bereitstellt und Anlaufstelle für unsere KiTa-Teams vor Ort ist“, beschreibt kleine Holthaus. Auch beim Thema Raumgestaltung könne der Zweckverband die KiTas mit vielfältigen Konzepten unterstützen. Gleichzeitig gehe es weder dabei noch bei anderen Themen um eine Zentralisierung nach dem Prinzip „eine Lösung für alle“. „Wir sind in allen Bereichen des Ruhrgebiets und des Märkischen Sauerlands mit so unterschiedlichen Sozialräumen konfrontiert, dass es gut ist, unsere KiTas hier mit einem breiten Spektrum von Angeboten unterstützen zu können.“ Gerade die sehr unterschiedlichen sozialen Situationen vieler Familien seien in vielen Kindertagesstätten ein Thema, dem mit professioneller sozialraumorientierter Arbeit begegnet wird.

Wie in den vergangenen 20 Jahren werde es auch in Zukunft immer wieder neu darum gehen, das Verhältnis zwischen den KiTas vor Ort und der Zentrale des Verbands in der Essener Innenstadt zu gestalten, sagt die Geschäftsführerin. Entscheidend dafür seien unter anderem die Gebietsleitungen, die jeweils in einer Stadt oder einem Landkreis die KiTas des Verbands koordinieren. Hinzu kommen speziell qualifizierte Fachberaterinnen, zum Beispiel für Themen wie Sprache, Religion oder Kinderschutz, die das Personal vor Ort fachlich unterstützen. „Außerdem versuchen wir, durch gemeinsame Veranstaltungen das Zusammengehörigkeitsgefühl in unserem Verband zu stärken.“ Jährlich treffen sich die KiTa-Teams in der Essener Grugahalle zur großen ‎Mitarbeitendenversammlung. In diesem Jahr runden ein Festakt und eine Feier die ‎Veranstaltung und damit auch das Jubiläumsjahr ab.‎

Fehlende Finanzierung bleibt zentrale Herausforderung

Wer sich um Kinder kümmert, steht beim Blick in die Zukunft immer vor Herausforderungen – das ist beim KiTa Zweckverband nicht anders: Auch künftig wird eine nicht kostendeckende Finanzierung über die Landesgesetzgebung den Verband ebenso beschäftigen wie sinkende Kirchensteuereinnahmen und die schwierige Finanzlage vieler Kommunen. Zudem verändern sich die Geburten- und Kinderzahlen: Nach Jahren mit Engpässen bei KiTa-Plätzen gebe es nun in den ersten Orten eine Trendwende. „Gerade in ländlichen Kommunen gehen die Zahlen bereits zurück“, so kleine Holthaus. Der Zweckverband sei hier auf die Bedarfsplanungen der Kommunen angewiesen, um seine KiTas darauf einzustellen. Ohnehin arbeitet der KiTa Zweckverband seit Jahren daran, seinen Gebäudebestand zu modernisieren. „Um die Vision zukunftsfähiger und moderner Bildungseinrichtungen zu erfüllen, werden in ‎diesem Rahmen die Räume an die Anforderungen einer zeitgemäßen Pädagogik angepasst“, sagt kleine Holthaus. So wie seinerzeit bei der Verbandsgründung gelte auch hier: Größere Einheiten seien wirtschaftlicher zu betreiben und könnten pädagogisch anders arbeiten als kleine. Ein Beispiel dafür ist die neue KiTa Hof Holz in Gelsenkirchen, wo künftig aus zwei bisher kleinen Kindertagesstätten eine neue gemeinsame Natur- und Erlebnis-Kindertagesstätte wird.

Wie die KiTas die Kirche vor Ort mitgestalten

„Gleichzeitig sind wir eingebettet in die Entwicklung des Bistums.“ Wie vor 20 Jahren, als mit den Pfarrei-Fusionen der Zweckverband entstand, gibt es bis heute nicht nur eine enge inhaltliche, sondern auch eine strukturelle Verbindung vor allem mit den Pfarreien vor Ort. Sie zeigt sich bei zahlreichen Immobilienprojekten, wenn zum Beispiel eine Kirche zur KiTa umgebaut wird, wie in St. Theresia in Essen-Stadtwald oder demnächst in der Heimkehrer-Dankeskirche im Bochumer Süden. Sie zeigt sich aber auch beim Programm „Christlich leben. Mittendrin.“, das die kirchlichen Einrichtungen im Bistum Essen vor allem auf der kommunalen Ebene stärker miteinander verbinden will. „Mit Christlich leben. Mittendrin. können sich ganz neue Chancen für unsere Kirche ergeben“, sagt kleine Holthaus. „Als KiTa Zweckverband sind wir ein eigenständiges Angebot im Bereich der Sendung und Verkündigung. Wir entdecken mit den Kindern den christlichen Glauben, feiern gemeinsam Gottesdienste und Feste im Kirchenjahr. Außerdem sind wir lange mit unseren Familien verbunden.“ Diese Erfahrungen und Beziehungen bringen die KiTas in die Arbeitsgruppen der künftigen Stadtkirchen ein. Und vielleicht vermitteln sie dort auch die Zuversicht, dass Strukturveränderungen zwar Kraft kosten, am Ende aber neue Chancen bieten können – so wie vor 20 Jahren bei der Gründung des KiTa Zweckverbands.

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