Zwischen neuem Priesterbild und wachsendem Populismus

Die katholischen Bischöfe treffen sich von Montag bis Donnerstag zur Frühjahrsvollversammlung in Bensberg. Sorgen bereiten nicht zuletzt die nationalistischen und populistischen Töne im Land.

Breit gefächerte Themenpalette

Mit einem Gottesdienst im Kölner Dom beginnen die katholischen Bischöfe Deutschlands am Montag ihr diesjähriges Frühjahrstreffen. Als Gäste des Erzbistums Köln werden die 65 Oberhirten aber bis Donnerstag im Kardinal Schulte Haus im Bergisch Gladbacher Stadtteil Bensberg abhalten: Von der Tagungsstätte, im Volksmund „bergischer Balkon“ genannt, haben sie aber einen weiten Blick auf die Silhouette der rheinischen Metropole mit den beiden Kathedraltürmen.

Das Haus wurde einst als Priesterseminar erbaut. Das passt zur Themenplanung für die Vollversammlung. Denn bei einem Studientag befassen sich die Oberhirten mit der „Zukunft und der Lebensweise des priesterlichen und bischöflichen Dienstes“. Der imposante Bau zeugt von Zeiten, in denen sich noch viele Männer zu Priestern berufen fühlten. Doch das ist lange vorbei. Heute leiten manche Geistliche oft große Pfarreien mit vielen Gemeinden und einem stattlichen Seelsorgeteam – und brauchen dazu schon Managerqualitäten. Diesem gravierenden Wandel auch für die Lebensform der Priester wollen die Bischöfe nachgehen.

Dabei stellt sich vor allem die Frage, wie Priester unter diesen Bedingungen noch eine den Menschen nahe Kirche gestalten können. Viele Verantwortliche in der Priesterseelsorge setzen auf das Engagement und die Kooperation mit Laien. „Jeder Getaufte ist für den anderen Seelsorger“, betonte jüngst Hartmut Niehues. Er ist Vorsitzender der Deutschen Regentenkonferenz, dem die Leiter der Priesterseminare angehören. Aufgabe des Priesters müsse es in Zukunft sein, „die Getauften in ihrem Christsein und in ihrem Dienst für die anderen zu stärken“.

Weiter wollen die Bischöfe bei ihren Beratungen eine erste Bilanz ziehen zum bisherigen Reformationsgedenken. Aber auch aktuelle politische Entwicklungen regieren in die Tagesordnung hinein. So informieren sich die Bischöfe über den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, gibt einen Lagebericht über die Herausforderungen und aktuellen Aktivitäten angesichts der Zuwanderung. Im vergangenen Jahr hatten nach Angaben des Konferenz-Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, 28.000 Flüchtlinge in kirchlichen Gebäuden eine Bleibe gefunden. Die Zahl der Hauptamtlichen in diesem Bereich wurde von 5.100 auf 5.900 aufgestockt; die Zahl der ehrenamtlichen Helfer bezifferte er auf rund 100.000.

Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und vor der Bundestagswahl im Herbst machen sich die Bischöfe auch Gedanken über nationalistische und populistische Tendenzen im In- und Ausland. Bei ihnen wachsen die Sorgen vor faktenloser Stimmungsmache, wie viele Stellungnahmen in den zurückliegenden Monaten belegen. Marx rief dazu auf, angesichts einer drohenden Zeitenwende den Geist der westlichen Ideen wieder stärker hervorzuheben: „Ich möchte versprechen, dass ich in den kommenden Auseinandersetzungen um eine Erneuerung der Gesellschaft – und die werden nicht ohne sein – für die Idee der verantwortlichen Freiheit kämpfen werde.“

In Bensberg werden Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck als Sozialbischof der Deutschen Bischofskonferenz und der deutsche Caritas-Präsident Peter Neher daran anknüpfen, wenn sie sich am Dienstag zum Spannungsfeld zwischen wachsendem Populismus und sozialer Gerechtigkeit in einem Pressegespräch äußern.

Der Blick der Oberhirten richtet sich auch auf ein besonderes Anliegen von Papst Franziskus. Nach seinem Willen befasst sich die Weltbischofssynode im Herbst nächsten Jahres mit der Jugend. Der Papst will eine stärkere Mitgestaltung junger Menschen in Kirche und Gesellschaft. Während des Frühjahrstreffens will sich der Jugendbischof, der Passauer Oberhirte Stefan Oster, zur Initiative des Papstes und den Herausforderungen der Jugendpastoral äußern.

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