„Wo wir den Menschen sehen, da sehen wir Gott“

Bischof Overbeck ruft die Gläubigen an Fronleichnam zu Offenheit und Aufgeschlossenheit gegenüber anderen auf. Freiluftmesse und Prozession durch die Essener Innenstadt mit mehr als 1500 Gläubigen.

"Es dürfen keine Mauern gebaut und keine Türen zugeschlagen werden."

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck hat die Menschen an Fronleichnam zu Offenheit und Aufgeschlossenheit gegenüber anderen aufgerufen. Es dürften „keine Mauern gebaut und keine Türen zugeschlagen werden“, sagte Overbeck beim zentralen Fronleichnamsgottesdienst am Donnerstag in der Essener Innenstadt. „Wo der Mensch steht, klopft Gott an“, so der Bischof. Overbeck feierte mit den Gläubigen auf dem Burgplatz eine Messe unter freiem Himmel und zog anschließen mit den mehr als 1500 Teilnehmern in einer langen Prozession durch die Essener Innenstadt – begleitet von den Eucharistischen Ehrengarden, zahlreichen katholischen Gruppen und Verbänden, Vertretern aus Politik und Verwaltung sowie Abordnungen von Polizei und Feuerwehr. Für ein besonders buntes und vielfältiges Bild der katholischen Kirche in Essen sorgten neben vielen Messdienern und Kommunionkindern in ihren Gewändern und festlichen Kleidern auch die Vertreter der muttersprachlichen Gemeinden: Unter anderem Italiener, Kroaten, Spanier, Polen, Koreaner und Ungarn in ihren typischen Landestrachten sangen während der Prozession Lieder in ihrer jeweiligen Muttersprache. Gemeinsam mit Bläsern der Essener Philharmoniker übernahmen zudem die Chöre am Essener Dom die musikalische Gestaltung. Traditionell stimmte zum Schlusssegen das Schönebecker Jugendblasorchester „Tochter Zion“ und „Großer Gott wir loben dich“ an – unter der Leitung von Ehrendirigent Günter Eggert, der in diesem Jahr zum 70. Mal bei der Essener Fronleichnamsprozession mit dabei war.

Brücke zum Katholikentag in Leipzig

In seiner Predigt schlug Overbeck eine Brücke zu dem am Mittwochabend eröffneten 100. Katholikentag in Leipzig. Er orientierte sich am Katholikentags-Motto „Seht, da ist der Mensch“ und erinnerte nicht nur an die Bibelstelle im Johannes-Evangelium, in der Pontius Pilatus mit diesen Worten den gefolterten Jesus der wartenden Menge präsentiert. Overbeck betonte auch ganz grundsätzlich. „Da, wo wir den Menschen sehen, da sehen wir Gott.“ Der Mensch sei nach Gottes Ebenbild geschaffen – dies sei „die größte Garantie für Freiheit und Gleichheit aller“, sagte der Bischof. So lade das Katholikentags-Motto zu einem Perspektivwechsel ein: „Seht, da ist der Mensch – Seht, da ist Gott“. Andere Menschen im Lichte Gottes zu sehen, der, „das ermöglicht echte Menschlichkeit“, so Overbeck.

Segen für die Stadt Essen und jeden einzelnen Menschen

Auch das Fronleichnamsfest, bei dem die Katholiken eine geweihte Hostie durch die Straßen tragen, stehe für diese Verbindung: „Da wir Katholiken in der Hostie Christus unter uns gegenwärtig glauben, wissen wir ihn gegenwärtig als den, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist“, so Overbeck. Bei der Fronleichnamsprozession bezeugten die Katholiken, „den Segen Gottes, den wir nicht nur unserer Stadt Essen, sondern jedem einzelnen Menschen wünschen“.

Prozession mit langer Geschichte

Dabei blickt die Essener Stadtprozession auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im 14. Jahrhundert lassen sich Fronleichnamsprozessionen auf dem Essener Stadtgebiet nachweisen. Nach einer Unterbrechung im Zweiten Weltkrieg zogen bereits 1946, als die Stadt noch in Trümmern lag, wieder Essener Katholiken durch ihre Stadt. Eine neue Bedeutung erhielt die Stadtprozession, als Essen 1958 zum Bischofssitz erhoben wurde.

Die Predigt von Bischof Overbeck als pdf zum Download:

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