Weihbischof Schepers wirbt für neuen Umgang mit Schwulen und Lesben

„Kirche muss ihre Schuldgeschichte anerkennen“, sagte Schepers auf dem Katholikentag in Münster.

Der Essener Weihbischof Ludger Schepers hat einen neuen Umgang der Kirche mit Schwulen und Lesben gefordert. Die Kirche müsse „ihre Schuldgeschichte anerkennen in der Verfolgung und Missachtung dieser Menschen“, sagte Schepers am Freitag bei einem Podiumsgespräch auf dem Katholikentag in Münster. Er wünsche sich, „dass es darüber eine offene Diskussion in der Deutschen Bischofskonferenz, aber auch bei unseren Kontakten in der Weltkirche gibt“, so Schepers, der im Ruhrbistum die Kontakte zu Bistümern in anderen Ländern betreut. Für dieses Gespräch habe Papst Franziskus mit seinem Schreiben „Amoris Laetitia“ und der darin enthaltenen Absage an Diskriminierung eine „Steilvorlage“ geliefert. Gerade im internationalen Kontext erlebe er in der Kirche noch oft eine tabuisierende Haltung und Aussagen wie „Homosexualität gibt es bei uns nicht“, so Schepers, der deutlich machte, dass er sich nicht als Vertreter der Bischofskonferenz, sondern als Essen Weihbischof an der Katholikentags-Debatte beteilige.

Unter der Überschrift „Ernstgemeinte Entschuldigung?“ diskutierte der Weihbischof auf Einladung der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft „Homosexuelle und Kirche“ in Münster mit der ehemaligen Bundesministerin Barbara Hendricks, dem Jesuiten-Pater Klaus Mertes und dem früheren Bundesanwalt Manfred Bruns.

Hendriks betonte mit Blick auf eine mögliche Segnung homosexueller Paare: „Die Kirche darf das Sakrament der Ehe Mann und Frau vorbehalten – aber sie darf einen Segen nicht verweigern!“ Die SPD-Politikerin, die Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken und seit Oktober mit ihrer langjährigen Lebenspartnerin verheiratet ist, äußerte Unverständnis, dass die Kirche „Häuser, Tiere und Motorräder“ segne, aber keine homosexuellen Paare.

„Es muss einen Unterschied machen, ob wir ein Pferd oder Menschen segnen.

Schepers betonte, es müsse „einen Unterschied machen, ober wir ein Pferd oder Menschen segnen“. Er sei dankbar, dass es in der Theologie zuletzt mehrere Anstöße gegeben habe, das Thema Segnung insgesamt differenzierter zu betrachten. Nun hoffe er, dass man auch in der Frage der Segnung homosexueller Paare vorankomme, sagte der Weihbischof.

Der 83-jährige Bruns berichtete von großen Verletzungen in seinem Leben durch die Widersprüche aus seiner katholischen Prägung und seiner homosexuellen Orientierung. Er wünsche sich „eine Kirche, in der nicht nur Heterosexuelle, sondern auch Schwule und Lesben ihren Platz haben“. Versöhnen könne er sich mit der Kirche „wenn sie mir zustimmt, dass die 25-jährige Partnerschaft mit meinen Mann eine große Gnade ist.“ Bruns unterstellte der Kirche ein „moralisches Schisma“ zwischen der moralisch strengen Lehre und einer oft deutlich liberaleren Praxis vor Ort. Moralisch müsse die Kirche aber mit einer Stimme sprechen.

„Kirche machte Homosexuelle pauschal zu Tätern“

„Zu dieser einen Stimme findet die Kirche nur im Konflikt“, betonte Pater Mertes. Der Schulleiter, der 2010 die Aufdeckung zahlreicher Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche in Deutschland ins Rollen brachte, forderte eine Entschuldigung der Kirche, weil sie bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen oft „alle Homosexuellen pauschal zu Tätern gemacht“ habe. „Nur wenn die Gewalt in der Kirche gegenüber Homosexuellen anerkannt wird, kann langfristig das Geschenk der Versöhnung von beiden Seiten anerkannt werden“, sagte Mertes.

Wie nötig diese Aufarbeitung und der Einsatz gegen Diskriminierung sind, machte am Ende der Diskussion der Bericht eines Zuhörers deutlich. Der Mitarbeiter der münsterschen Aids-Hilfe berichtete von einem homosexuellen Aids-Kranken in einem katholischen Pflegeheim, der dort seine sexuelle Orientierung sowie seine Diagnose geheim halten muss, weil das Haus um seinen Ruf fürchte.

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