Frauen nehmen Fahrt auf

Abschluss des katholischen Frauen Mentoring-Programms in München. Drei Teilnehmerinnen aus dem Bistum Essen nahmen teil

Nach einem Jahr Laufzeit ist das Projekt „Kirche im Mentoring: Frauen steigen auf“ am Donnerstag in München mit einer zweitägigen Abschlusstagung zu Ende gegangen. 14 der 27 deutschen Diözesen, darunter auch das Bistum Essen, beteiligten sich mit insgesamt 40 Teilnehmerinnen an dem einjährigen Programm, das Frauen auf Führungsaufgaben in Generalvikariaten, Medienstellen, Tagungshäusern und Familienbildungsstätten vorbereiten sollte. Jeder Nachwuchskraft war ein persönlicher Mentor an die Seite gestellt, der Führungsstandards und ihre Umsetzung im Arbeitsalltag mit ihr besprach und einübte. Entwickelt wurde das Programm vom Hildegardis-Verein, der sich auf die akademische Frauenförderung in der katholischen Kirche spezialisiert hat.

Sich untereinander vernetzen zu können, war für viele Teilnehmerinnen ein großer Vorteil des Projekts. Das bestätigt auch Gemeindereferentin Martina Stodt-Serve, die gemeinsam mit Juristin Christiane Gerard und Liturgiereferentin Nicole Stockhoff das Bistum Essen vertreten hat. „Ich habe mir ein großes Netzwerk aufbauen können, dadurch wird vieles leichter“, sagt Stodt-Serve.

Nach Abschluss des Mentoring-Programms geht es für sie direkt eine Stufe hinauf: Zum 1. September übernimmt Stodt-Serve in St. Andreas in Essen-Rüttenscheid die Stelle einer Gemeindereferentin mit Koordinierungsaufgaben, managt also in der Gemeinde die Seelsorge: Die Organisation von Erstkommunionvorbereitung, Wortgottesfeiern, Eltern-Kind-Gruppen oder die Sternsingeraktion liegt nun in ihrer Verantwortung. Für Eucharistiefeiern, Taufen und Trauungen kommt den Vorgaben des Kirchenrechts entsprechend in St. Andreas natürlich weiterhin einer der Priester der übergeordneten Pfarrei St. Lambertus vorbei, und die Verantwortung für die Verwaltung und für das Geld aller vier Gemeinden, die zu St. Lambertus gehören, trägt der leitende Pfarrer. Während des Mentoring-Jahres habe sie im „lateralen Führen“ einiges hinzu gelernt, sagt Stodt-Serve – ein Begriff, der Führung ohne hierarchische Weisungsbefugnis bezeichnet.

Nicole Stockhoff ist eine von nur drei Frauen, die in deutschen Bistümern das Referat Liturgie leiten; ihre Fachkolleginnen sitzen in den Generalvikariaten in München und Hamburg. „Gut gewappnet“ fühlt Stockhoff sich nach dem Mentoring-Jahr für ihre derzeitige Führungsposition, wäre aber auch „durchaus bereit zu weiteren Aufgaben“. Sehr hilfreich sei es für sie gewesen, zwei Wochen lang im Bistum Osnabrück bei der Leiterin des Seelsorgeamtes Daniela Engelhard hospitieren zu dürfen, die in ihrer Position als Abteilungsleiterin die Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen in den deutschen Diözesen weitgehend ausgereizt hat.

Zusammen mit der dritten Teilnehmerin des Bistums Essen, der Diözesanrichterin Christiane Gerard, die inzwischen als Vorsitzende der Mitarbeitervertretung im Bistum Essen tätig ist, stellte Stockhoff beim Abschluss-Treffen in München die sechs „Führungsprinzipien“ im Bistum Essen vor, die im Rahmen des Zukunftsbildprozesses im Ruhrbistum neu formuliert worden sind. Umsichtiges, reflektiertes, gut kommuniziertes Führen wird hier beschrieben, eine Grundlage dessen – so heißt es dort im Text – sei die Förderung von Frauen in Führungspositionen. Ihre Grenze findet die Frauenförderung freilich in den Führungspositionen der Kirche, die an die Priesterweihe gebunden sind – die Kirche als religiöse Organisation unterscheide sich in einigen wesentlichen Punkten von herkömmlichen Organisationen, ist in den „Führungsprinzipien“ zu lesen.  

Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zeigte sich bei der Abschlussveranstaltung beeindruckt vom Mentoring-Programm. Eine Initiative, die so erfolgreich sei, brauche in jedem Fall eine Neuauflage, sagte Marx: „Wir wären als Kirche verrückt, wenn wir auf die Begabung von Frauen verzichten würden.“

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