„Vater der Jazzmessen“ sorgte für frischen Wind

Kirchenmusiker Leo Schuhen vollendet 90. Lebensjahr

Musik hält jung. Das scheint zumindest auf Leo Schuhen zuzutreffen. Denn heute vollendet der weit über Duisburgs Grenzen hinaus bekannte katholische Kirchenmusiker sein 90. Lebensjahr. „Vater der Jazzmessen“ wird er genannt. Als „Entwicklungshelfer in Sachen Neues Geistliches Lied“ hat er in der katholischen Kirchenmusik in Deutschland deutliche Spuren hinterlassen.

Musikalische Kreativität, Experimentierfreudigkeit, Ideenreichtum und Unternehmungslust – das alles zeichnet Schuhen, der in Duisburg-Mündelheim lebt, aus. Auch heute noch werden mit seinem Namen die „Duisburger Jazzmessen“ der 60er Jahre verbunden. Neue Wege in der Kirchenmusik zu suchen, um einer „sich mehr und mehr ausbreitenden Lethargie des liturgischen Gemeindegesangs entgegenzuwirken“, war immer ein wesentliches Ziel Schuhens, der 40 Jahre lang in der Hüttenheimer Gemeinde Maria Himmelfahrt als Kantor tätig war: „Da musste doch endlich mal ein Funke überspringen.“ Als richtungsweisend für die Entwicklung der „neuen geistlichen Lieder“ in der Bundesrepublik gelten seine Bemühungen, mit Elementen des Spiritual, Jazz, Pop, Rock und der Folklore sowie mit neuen Texten den Gemeindegesang zu beleben. Dieser Weg war nicht unumstritten, aber Leo Schuhen hatte diesbezüglich immer einen „langen Atem“. Und der wirkt bis heute im Bistum Essen nach. Denn jetzt hat das Ruhrbistum zwei Pop-Kantoren eingestellt, um Gottesdienste oder Konzerte mit christlicher Pop-Musik zu unterstützen und zu gestalten. Gleichzeitig sollen Workshops diese Seite der Kirchenmusik bekannter machen.

Initiator der "Kunstnacht Mündelheim"

Menschen für die Musik und musikalische Projekte zu begeistern, Gottesdienstbesucher nie nur „Zuhörer“ sein zu lassen, sondern sie mit einzubeziehen, das gehörte zu den Markenzeichen Schuhens. Offene Singen - wie zum Beispiel in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim -, Chorprojekte auf Katholikentagen, bei Musikfestivals oder Auslandsreisen, Matineen und Konzerte haben diesbezüglich immer seine unverwechselbare Handschrift getragen. Dass es möglich ist, Altes und Neues miteinander zu verbinden, auch das hat er immer wieder unter Beweis gestellt. Nach seiner Pensionierung 1991 leitete Schuhen noch bis 2002 den Sonderchor des Bistums Essen. 1993 rief er gemeinsam mit anderen die „Kunstnacht Mündelheim“ ins Leben. Den Kirchenraum als Ort anzubieten, in dem sich Kunst entfalten kann, wo Kunst im Unterschied zum Konzert- oder Theatersaal auf eine andere Art erfahrbar wird, das war eines der wesentlichen Ziele dieses Projektes. „Die Kunstnacht war ein Angebot an Künstler, sich hier ohne Vorbehalte einzubringen und die Kirche als Ort der Begegnung und des Dialoges neu zu entdecken“, so Leo Schuhen. Die rund 1000 Jahre alte Landbasilika St. Dionysius habe dabei vor allem auch der zeitgenössischen Kunst die Türen geöffnet.

Rückblickend ist der zweifache Großvater froh und dankbar, dass er nach seiner Ausbildung zum Kirchenmusiker noch einige Semester „drangehängt“ hat, um sich der sogenannten „Jugendmusik“ zu widmen. Das sei eine „entscheidende Weichenstellung“ gewesen. Bei seinem 80. Geburtstag antwortete Schuhen auf die Frage, was er der Kirchenmusik für die Zukunft wünsche: „Es ist wichtig, dass die angehenden Kirchenmusiker umfassend auf das breite Spektrum der Aufgaben vorbereitet werden.“ Es gehe schließlich nicht nur um „Fingerfertigkeiten“. „Die Kirchenmusik ist letztlich auch eine Arbeit für und mit Menschen“, so Schuhen. Sie müsse „gemeinschaftsstiftend“ sein, in der Liturgie genauso wie in der praktischen Chor- und Instrumentalarbeit.

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